Interview mit Manager Frank Westmeier zu Social Competence und Employer Branding: Führung der Zukunft muss empathisch sein! – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Interview mit Manager Frank Westmeier zu Social Competence und Employer Branding: Führung der Zukunft muss empathisch sein!


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Frank Westmeier, aktuell für ein Düsseldorfer Immobilienunternehmen tätig, hat eine abwechslungsreiche Berufslaufbahn hinter sich. Im Interview berichtet er, wie sich der bunte Lebenslauf auf seinen Führungsstil auswirkt, was das für Personalarbeit und Employer Branding bedeutet und wie sich Führung in Zukunft ändern muss. Erfolg & Management Meinung  Ziele Management Führung Leadership Erfolg Resilienz Employer Branding Recruiting Personalwesen HR

Frank Westmeier war u.a. Hotel-Manager auf einem fünf Sterne plus Kreuzfahrtschiff für Hapag-Loyd, wo er Dienstleistungen auf höchstem Niveau überwachte während er die ganze Welt bereiste. Für Siemens hat er die Koordinierungsfunktion in der konzerneigenen Verpflegungssparte regional geleitet. Als Key-Account-Manager eines bundesweiten Projektes für die Telekom und Sodexo hat er für 267 Standorte die Dienstleistungsangebote umstrukturiert, optimiert und damit aus einem Cost- ein Profitcenter gemacht. Aktuell zeichnet er für die Dienstleistungen im Shoppingcenter Management und einem Hotel Verantwortung.

Unternehmensstrukturen wandeln sich gerade radikal – was macht denn Ihrer Meinung nach Führung im 21. Jahrhundert aus?

Da wir uns in Deutschland als rohstoffarmes Land immer mehr auf Dienstleistungen und deren Spezialisierung konzentrieren müssen, ist es wichtig, die Märkte und deren Bedürfnisse schon zu erkennen bevor das Verlangen beim Kunden entsteht. Wir müssen heute schon wissen, was der Kunden morgen brauchen wird. Daher gilt es Dienstleistungskonzepte, aber auch die damit verbundenen Branchen, in denen die Dienstleistungen erbracht werden sollen, eine enorme Flexibilität abzuverlangen. Das sieht man heute schon, in dem Gebäude nicht mehr langfristig starr errichtet, sondern bedarfsabhängig immer wieder umgebaut werden. Personaldienstleister oder Facility Management bilden ihre Mitarbeiter kundenspezifisch aus. Das hat zur Folge, dass Führungskräfte nicht nur über einen enormen Erfahrungsschatz verfügen müssen – bestenfalls aus unterschiedlichen Branchen – sondern auch in der Lage sein müssen ihre Mitarbeiter durch empathische Führung an den für sie passenden Arbeitsplatz einsetzen, wo er/sie sich im Idealfall selbst entfalten kann und somit der Wertschöpfung des Unternehmens dienlich ist.

Ich nehme mich jetzt einfach mal als Beispiel: Ich sehe mich als Führungskraft in Operative und Vertrieb. Der Tätigkeitsbereich tritt für mich in den Hintergrund weil ich als „Steuermann“ hauptsächlich damit beschäftigt bin Unternehmen und deren Produkte oder Dienstleistungen voranzubringen und zu optimieren. Dabei sehe ich mich nicht primär als Sanierer, sondern bereite marktgerechten Produkten und serviceorientierten Dienstleistungen den kürzesten und nachhaltigsten Weg zum Kunden.

Wichtig ist für Führungskräfte aber auch eine Spezialisierung. Ich möchte trotz vielfältiger Aufgaben nicht als Allrounder missverstanden werden. Mein Fokus liegt auf dem Vertrieb. Hier interessieren mich am meisten: Handel, Konsumgüter und Service-Dienstleistungen. Aber hier bin ich flexibel, um welches Produkt es sich handelt.

Welche Eigenschaften sollte eine gute Führungskraft heute mitbringen?

Berufs-, Lebens-Erfahrung, eine stabile Persönlichkeit und ein großer Kompetenzschatz dienen als Grundlage neuen Herausforderungen offen und flexibel gegenüber zu stehen.

Mein Erfolg als Manager stützt sich daher zum einen auf Lebenserfahrung und zum anderen auf solide operative und vertriebliche Kenntnisse.

Welche Ausbildung ist dafür nötig?

Eine dienstleistungsorientierte Vertriebsleitungsfunktion ist meiner Meinung nach branchenunabhängig zu betrachten. Wenn man seine Kunden und deren Bedürfnisse kennt, stehen einem multifunktionalen Dienstleistungs- und Vertriebsmanager viele Branchen offen.

Sofern man nicht auf spartentypische tiefgreifende Fachkenntnisse zurückgreifen muss, für die ein Fachstudium nötig ist. Das Handwerkszeug sowie die Qualifikation als Führungskraft habe ich mir beispielsweise durch eine private Fachschule und ein praxisbezogenes Fachstudium angeeignet. Außerdem habe ich mich ständig weitergebildet.

Und was macht einen guten Vertriebler aus?

Die Basis für Erfolg im Vertrieb ist eine gute Menschenkenntnis. Neben einer umfangreichen Produktkenntnis ist es wichtig mit effizienten Vertriebsabläufen attraktive Marketingstrategien umzusetzen. In der heutigen Zeit macht es keinen Sinn Vertrieb und Operative strikt voneinander zu trennen. Die Lösung sehe ich erfahrungsgemäß im Zusammenhang mit Vertrieb 4.0 in einem fachlich breit aufgestellten Team, welches beide Bereiche gesamtüberblickend bearbeitet und somit optimal für oder in einem Unternehmen tätig ist.

Dienstleistung bleibt Dienstleistung egal ob Vertrieb oder Operative. Mein Anspruch ist es: vor den Marktbegleitern am Kunden zu sein und Trends im Entstehen zu erkennen. Hier setzt der Prozess der vertrieblichen Produktplatzierung ein. Letzten Endes kommt es auf das erlernte Handwerkszeug an, das es gilt flexibel und den heutigen Anforderungen gerecht werdend, einzusetzen. Dabei stets mit der Zeit gehen, ihren Neuerungen folgen, besser noch einen Schritt voraus sein.

Ihr Lebenslauf sieht tatsächlich etwas bunt aus – ist das das Erfolgsgeheimnis erfolgreicher Manager? Und gibt es einen roten Faden?

„Meine Arbeit, egal wo, sieht man erst wenn sie NICHT gemacht ist“. Dieser Leitsatz stimmt für alle Branchen, die mit Dienstleistungen zu tun haben und sich damit um das Wohl der Menschen drehen. Bei mir zumindest gibt es nicht viel Geheimnis, sondern vielmehr solides Handwerkszeug und viel Erfahrung. Hier hat es mir vor allem geholfen, dass ich diese Erfahrungen in unterschiedlichen Aufgabenstellungen machen durfte.

Zum Beispiel habe ich erfolgreich operative Umstrukturierungsprozesse geleitet oder veraltete Betriebsabläufe den heutigen Gegebenheiten inkl. Digitalisierung angepasst. Denn das hat meine Sensibilisierung für die Bedürfnisse von Kunden geschärft. Employer Branding und Business Development dürfen wir hier als Erfolgsstrategie nicht vergessen.

Wie wirkt sich denn ihr eigener Lebenslauf konkret auf Ihre Personalführung aus?

Ich bin ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung in Bezug auf Personalführung heute der Meinung, dass Empathie in diesem Bereich unerlässlich ist und habe in der Regel immer ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter. Teambildung, Teamleading und ggf. Change Management spielen dabei eine wichtige Rolle. Kontrolliertes, wo möglich eigenverantwortliches Handeln meiner Mitarbeiter hat sie zu höheren Leistungen motiviert und damit dem Unternehmen nachhaltig höhere Ergebnisse beschert.

Grundsätzlich stehe ich aber auch der kennzahlenbasierten Personalführung positiv gegenüber, solange sie nicht gegen die Angestellten als Druckmittel missbraucht wird. Ich halte Sie für ein essentielles Steuerelement im betriebswirtschaftlichen Kontext.

Welche Vorteile bringt eine empathische Führung denn für das Employer Branding?

Es geht darum sich als Unternehmen mithilfe eines eigenen spezifischen Marketingkonzeptes attraktiver darzustellen. Das alleine reicht aber nicht. Führungskräfte müssen den Mitarbeitern nicht nur die Corporate Identity vorleben, sondern gerade in den sensiblen Dienstleistungsbranchen ist eine große Portion Empathie notwendig.

Der Mitarbeiter muss dahingehend sensibilisiert werden, mithilfe seiner eigenen Wahrnehmung die Produkte vorausschauend zu platzieren und damit verbunden alle notwendigen Prozesse anzustoßen. Er/sie soll innerhalb der vom Arbeitgeber vorgegebenen Strukturen Möglichkeiten haben sich persönlich für die Firma zu engagieren und damit zu identifizieren.

Wie schaffen Sie es Teamplayer, Coach und gleichzeitig Führungskraft zu sein?

Für mich besteht ein gesundes und zielorientiertes Team aus Berufseinsteigern und „alten Hasen“, die einen regen Erfahrungsaustausch pflegen.

Beide können enorm viel voneinander lernen. Berufserfahrung trifft auf zeitgenössisch beeinflusste, moderne „Youngster“.

Spielt das Lebensalter in diesem Kontext eine Rolle, gerade auch im Hinblick auf Ihr eigenes Alter?

Das weiß ich selbst nicht! Ich kenne langweilige 30ig jährige Couchpotatoes und fitte und digital affine Fifties und Sixties. Eine jugendliche und orientierungslose Trägheit wird hier von einer enorm energiegeladenen und lebensbejahenden Arbeitskraft und Motivation überboten.

Aufgrund der aktuellen Lebenserwartung ist 50 heute kein hohes Arbeitsalter mehr! Zumal bis 67 gearbeitet werden soll. Man sieht an vielen Beispielen, dass mehr und mehr Menschen über ihr Renteneintrittsalter hinaus arbeiten wollen, müssen oder können.

Und sehen Sie sich dabei eher als Gipfelstürmer oder Couchpotato?

Gutes Stichwort, gerade noch charitymäßig spontan am Düsseldorfer Staffelmarathon teilgenommen, regt mein wacher Geist mich an, auch in Sachen Work-Life-Balance die Waage zu halten.

Dies erscheint mir mit zunehmender Lebenserfahrung ein essentieller Bestandteil meines Erfolges zu sein.

Woraus schöpfen Sie die Kraft für Ihre Arbeit?

Durch gute Freunde, Familienrückhalt und einen gesunden Kontakt zu mir und meinem Körper -letzteres aber auch erst in den vergangenen Jahren.

Außerdem bietet meine Lebenserfahrung aus meinen persönlichen Höhen und Tiefen heraus die Grundlage meiner Führungsarbeit.

Und wie genau sieht Ihre persönliche Work-Life-Balance aus?

Zunächst habe ich meinen beruflichen Aufgaben mehr Aufmerksamkeit geschenkt als meinen persönlichen Zielen. Später habe ich begriffen, dass es für Beruf und Privates wichtiger ist, den Weg entsprechend zu gestalten und auszubauen, als ausschließlich über das Ziel nachzudenken.

Hier liegt mein aktiver Gestaltungsspielraum. Daraus ziehe ich heute sämtliche Inspiration und Motivation. Ich bin ständig daran interessiert meinen Weg den heutigen Gegebenheiten anzupassen und ihn so kurz wie möglich zu halten. Kindererziehung, Verlust geliebter Menschen und unvorhersehbarer Jobverlust haben dazu beigetragen umzudenken. Wichtig in diesem Kontext ist mir, dass ich mich, mit heute 52, keineswegs am Ende der Reise sehe. Ich habe noch 15 Jahre bis zum möglichen Renteneinstieg, möchte und werde aber weiter arbeiten. Gerade der Arbeitsweg ist für mich eine wichtige Etappe, die den Lebensweg neben den persönlichen Interessen und Beziehungen am meisten mit gestaltet.

Wie gelingt es ihnen, diese Gegensätze in der heutigen Schnelllebigkeit zu vereinbaren?

Dies ist keine Frage von Zeit, sondern vielmehr eine Frage von Inspiration und der Motivation sich den heutigen Gegebenheiten und Anforderungen stellen zu können. Gerade im Hinblick auf Digitalisierung reicht die Überholspur heute nicht mehr aus um voranzukommen. Vielmehr gilt es, seine Mitarbeiter aktiv mit einzubeziehen.

Eine dienstleistungsorientierte Vertriebsleitungsfunktion ist meiner Meinung nach branchenunabhängig zu betrachten. Wenn man seine Kunden und deren Bedürfnisse kennt, stehen einem multifunktionalen Dienstleistungs- und Vertriebsmanager viele Branchen offen.

Wie wichtig sind berufliche Veränderungen denn heute?

Meines Erachtens ist es wichtig, seinen persönlichen und beruflichen Zielen treu zu bleiben, dafür auch neue Herausforderungen und berufliche Veränderungen in Kauf zu nehmen.

Der Arbeitsweg ist für mich eine flexible Materie, den wir als Beschreitende massiv und nachhaltig mit unserem Kompetenzen und erlerntem Handwerkszeug wegweisend prägen sollten.

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Hier schreibt für Sie: Simone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht B E R U F E B I L D E… Profil


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