Gehalt verhandeln für Frauen – 2/6: 4 Thesen zu Frauen in Führungspositionen – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Gehalt verhandeln für Frauen – 2/6: 4 Thesen zu Frauen in Führungspositionen



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Ein wichtiger Aspekt, der beim Thema Frauen & Gehalt oft nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält: Frauen sind, vor allem in Deutschland, viel seltener in Führungspositionen anzutreffen und verdienen entsprechen weniger. Liegt das nun an der gläsernen Decke oder an den Frauen selbst? Und was können sie besser machen?

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Hier schreibt für Sie: Simone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation. Profil

Dauerbrenner-Thema Frauen & Gehalt

Das Thema Gehalt und Frauen ist nicht neu. Schon vor rund 10 Jahren kam eine Online-Umfrage des WSI-Tarifarchivs in der Hans-Böckler-Stiftung, basierend auf rund 63.000 Fragebögen, zu folgenden Ergebnissen:

Arbeitnehmerinnen unter 24 bekamen bei gleicher Leistung durchschnittlich nur 7,8 Prozent weniger als gleichaltrige männliche Kollegen. Bei der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren betrug die Differenz bereits 17,5 Prozent. Am weitesten klaffte die Schere bei Frauen über 55 auseinander: Hier verdienten Frauen rund 26,7 Prozent weniger.

Auch nach Branche oder der Region variierte das Gehaltsgefälle: Eine Buchhalterin beispielsweise bekam monatlich etwa 825 € weniger als Ihre männlichen Kollegen. Bei technischen Zeichnerinnen betrug der Abstand „nur“ 239 €. Und in Ostdeutschland waren die Unterschiede kleiner als im Westen. EU-weit lag Deutschland damals, so zeigten Studien der europäischen Kommission sogar auf dem viertletzten Platz: Nur in Estland, Zypern und der Slowakei ist der Gehaltsabstand zwischen den Geschlechtern noch größer.

Die Situation heute? Kaum besser!

Und heute? Heute sieht die Situation kaum besser aus. Und das, obwohl wir mittlerweile eine 30-Prozent-Frauenquote in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen haben. So zeigte unlängst eine Studie von Glassdoor, dass Deutschland was das Gehalt von Müttern angeht, fast Schlusslicht in Europa ist:

Der Gender Pay Gap im Vergleich zu den durchschnittlich besserverdienenden Männern ist für Frauen mit mindestens einem Kind knapp 23 Prozent höher als für kinderlosen Frauen. Nur Irland schneidet noch schlechter ab. Und Compensation Partner kam kürzlich gar auf einen Gender Pay Gap von 25 Prozent.

Mehr Frauen in Führungspositionen: 4 Thesen

Was hilft? Mehr Frauen in Führungspositionen! Das hilft zum einen beim Gehalt, Topmanager machen es vor: Wer viel leistet, sollte auch entsprechend bezahlt werden. Zum anderen könnten Frauen in Führungspositionen auch entsprechende Regelungen durchbringen. Warum kommen aber nicht genug Frauen in Führungspositionen? Sind sie am Ende gar selbst schuld an dem Problem? Dazu habe ich die folgenden 4 Thesen zu gängigen Positionen in der Diskussion aufgestellt:

  1. Falsche Bescheidenheit: Frauen hoffen allzu oft lieber im stillen Kämmerlein auf ihre Beförderung. So kann der Chef gar nicht merkt, wie viel Frau für das Unternehmen tut. Im Stillen auf eine Gehaltserhöhung zu hoffen, bringt wenig. Vielmehr muss man seine Leistungen mit guten Argumenten untermauern. Die Gründe für die Bescheidenheit liegen aber oft tiefer: In der Erziehung zum Beispiel, in den gesellschaftlichen Vorbildern und Rollenklischees. Wie tief die in den Köpfen auch männlicher Vorgesetzter verankert sind, zeigt sich schnell, wenn Frauen auch tatsächlich einfach mal mehr fordern – dann werden sie schnell als Bossy abgestempelt. Männer hingegen überschätzen sich gerne selbst und geben an, Frauen sind von Natur aus ein gutes Stück selbstkritischer und neigen eher zur Untertreibung. Das beste wäre da doch eigentlich der goldende Mittelweg, oder?
  2. Falsche Vorbilder: Frauen kümmern sich um Aussehen und Figur, Männer um die wichtigen Dinge – so das Klischee. Ein Blick auf Instagram, Facebook oder ins Fernsehen zeigt mir stets erneut, dass dieses Argument leider nur allzu wahr erscheint. Aber: Solche Rollenvorbilder werden gemacht und gezielt befördert, z.B. von Marketingstrategen, die ihre Produkte verkaufen wollen oder Medien, vorneweg sogenannte Frauenzeitschriften, aber auch von den Vorbild-Figuren selbst, die diese Klischees unreflektiert übernehmen. Und wie sollten sich denn auch junge Mädchen motiviert fühlen, Manager, Politiker oder Ingenieur zu werden, wenn der Traumberuf Popstar ungleich Sexy-er und erstrebenswerter daherkommt?
  3. Keine Strategie: Frauen wird gerne unstrategisches Verhalten nachgesagt: Männer halten gerne mal Informationen zurück oder wenn sie davon etwas haben. Frauen pflegen lieber ihr Team und setzen sich für die Kollegen ein. Nicht selten höre ich von Frauen, die sich selbständig gemacht haben, dass ihnen die Machtspiele im Unternehmen zu blöd sind. Ich fürchte, es ist eher so, dass sich Frauen häufig derart strategisch verhalten (und zur weiblichen Strategie gehört es nunmal, erziehungsgemäß auch höflich zu bleiben), dass es keiner merkt, jedenfalls nicht die Männer. Schließlich möchte die Frau doch eines: gut dastehen und ihren Willen durchsetzen. Machtspiele sind Frauen nicht zu blöd, sie spielen sie auch, nur viel subtiler. Was vielen Frauen allerdings zu blöd ist, ist das bei Männern mit den Machtspielen oft verbundene Imponiergehabe.und Geschwätz. Da denkt frau sich dann gerne „in der Zeit könnte man so viel Sinnvolles schaffen…“
  4. Die Teilzeitfalle: Klar, Frauen achten mehr auf flexible Arbeitszeiten und auf Teilzeitarbeit – sie haben ja auch nach wie vor den Löwenanteil bei der Kindererziehung zu tragen. Ich habe allerdings, nie verstanden, warum es besser für die Karriere ist, den ganzen Tag im Büro abzuhängen, den halben Tag davon vermutlich unproduktiv, statt sich nachweislich gut zu organisieren und den Tag auch noch mit anderen Dingen zuzubringen. Eigentlich sollte gut organisieren können doch ein wichtiger Karriefaktor sein – oder? Tatsächlich gilt aber in der männlich dominierten, hierarchischen Karrierewelt immer noch als wichtiger, vom Chef gesehen zu werden. Zum Glück bricht das langsam auf, denn auch Männer wollen Zeit mit ihren Kindern verbringen und da wird sich die Arbeitswelt ganz automatisch darauf einstellen müssen. Leider braucht ein solcher Kulturwandel Zeit.

 

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