Social-Media, US-Wahl & Hate-Speech: Studie zum gesellschaftlichen Klima

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25.11.2016 326 Leser 3 Debatten 834 Wörter Lesezeit: 5 Minuten, 29 Sekunden

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Nach der US-Wahl & dem Sieg von Donald Trump ist die Diskussion gerade um Facebook, Fake-News und Hate-Speech neu entbrannt; den Sozialen Medien wird ein entscheidender Anteil an der politische Meinungsmache zugeschrieben. Wie das gesellschaftliche Klima in Deutschland tatsächlich aussieht, hat die Die Friedrich-Ebert-Stiftung nun untersucht.

Was ist die Neue Rechte?

Nach der US-Wahl forderten viele, Facebook solle untersuchen, welchen Anteil gefälschte Nachrichten und Hass-Kommentare am Wahlergebnis hatten. Indes hat die Friedricht-Ebert-Stiftung gerade eine Studie herausgebracht, in der sie die Zustimmung und Ablehnung neurechter Einstellungen in der Bevölkerung erfasst.

Dabei ist die Friedrich-Ebert-Stiftung durchaus Vorreiter zu diesem bisher wenig untersuchten Themenfeld. Denn die Neue Rechte transportiert über die Begriffe „Identität“ und “Widerstand“ ihre nationalistisch-völkische Ideologie und löst zunehmend den offenen Rechtsextremismus ab. Denn die Frage für uns alle, Unternehmen, Chefs, Arbeitnehmer und Privatpersonen, muss die Frage lauten: Wie ist es um das Zusammenleben in unserer Gesellschaft bestellt? Und was können wir tun, um das gesellschaftliche Klima wieder zu verbessern?

Worin zeigt sich die Neurechte Einstellung?

Verschwörungsmythen in Bezug auf eine vermeintliche Unterwanderung durch den Islam, die Behauptung eines Meinungsdiktats, eine Beschimpfung des „Establishments“ als illegitim, verlogen und betrügerisch, die Forderung nationaler Rückbesinnung gegen die EU und der Aufruf zum Widerstand gegen die aktuelle Politik bilden ein zusammenhängendes neurechtes Einstellungsmuster, das von fast 28 % der Bevölkerung vertreten wird.

Je weiter rechts die Befragten sich selbst positionieren, desto eher vertreten sie auch diese Form neurechter Einstellungen. 84 % der AfD-Wähler_innen neigen zu neurechten Einstellungen.

Meinungen über den Islam & Flüchtlinge

40% aller Befragten meinen,  die deutsche Gesellschaft würde durch den Islam unterwandert. Mehr als jede/r Vierte (28 %) denkt: „Die regierenden Parteien betrügen das Volk“, ebenso viele beklagen: „In Deutschland kann man nicht mehr frei seine Meinung äußern, ohne Ärger zu bekommen.“ (28 %) und fordern: „Es ist Zeit, mehr Widerstand gegen die aktuelle Politik zu zeigen“ (29 %).

Dagegen ist die Stimmung in der Bevölkerung in Hinblick auf die Geflüchteten deutlich positiver, als vielfach unterstellt. Die Mehrheit der Bevölkerung äußert sich im Sommer 2016 wohlwollend oder zumindest in der Tendenz positiv zur Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland. Über die Hälfte der Befragten (56 %) findet die Aufnahme gut, weitere 24 % zumindest „teils-teils“ gut und ist optimistisch, dass es der Gesellschaft gelingt, die aktuelle Situation zu bewältigen.

Nur eine Minderheit fühlt sich wirklich bedroht

Nur 20 % finden es explizit „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ gut, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Eine kleine Minderheit fühlt sich persönlich durch Flüchtlinge in ihrer Lebensweise (6%) bzw. finanziell (7%) bedroht, allerdings befürchtet rund ein Viertel der Befragten ein Absinken des Lebensstandards in Deutschland.

Konfliktträchtig sind die weitverbreiteten muslimfeindlichen Einstellungen (19 %) und die Zustimmung zu Vorurteilen gegenüber asylsuchenden Menschen; sie stiegen von 2014 (44%) auf 50% in 2016. Stabil hoch sind auch Zustimmungen zu negativen Meinungen über langzeitarbeitslose Menschen; sie werden von fast der Hälfte aller Befragten geteilt (49%).

Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland

Mit Blick auf Unterschiede in demografischen Gruppen fallen signifikante Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Befragten auf: Fremdenfeindlichkeit, Muslimfeindlichkeit, die Abwertung von Sinti und Roma, asylsuchenden und wohnungslosen Menschen sind im Osten signifikant stärker ausgeprägt.

Auch bei den rund 26 % Anhängerinnen und Anhängern der AfD finden sich auffällig hohe Zustimmungswerte zu vorurteilsgeprägten und rechtspopulistischen Meinungen. Die Daten bestätigen: Jene, die die Ideen der AfD gut finden, sind im Vergleich zu 2014 deutlich nach rechts gerückt. AfD-Sympathisanten sind menschenfeindlicher und rechtsextremer eingestellt als Nicht-Sympathisanten. Dieser Trend hat sich seit der letzten FES-Mitte-Studie verstärkt.

Medienschelte & gespaltene Gesellschaft

Die Autoren der Studie kritisieren dabei auch den Umgang der Medien mit dem Thema: „Wir sollten der lauten Minderheit der Fremdenfeinde in den gesellschaftlichen Debatten nicht so viel Raum geben, sondern der demokratisch gesinnten Mehrheit mehr Aufmerksamkeit schenken“, sagt etwa Autorin Beate Küpper. Und Herausgeber Ralf Melzer von der Friedrich-Ebert-Stiftung ergänzt: „Politische Bildung heißt auch, diejenigen zu unterstützen und zu qualifizieren, die sich für unsere Grundwerte, Mitmenschlichkeit und Vielfalt engagieren.“

Andreas Zick, Mitautor der Studie und Leiter des IKG: „Deutschland befindet sich in einer Zerreißprobe: Während sich viele von rechtspopulistischen Meinungen leiten lassen und aggressiver gegen Eliten und vermeintlich Fremde geworden sind, sind andere bereit, sich noch mehr für die Integration zu engagieren.“

Die Methodik

Facetten Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF) werden seit 2002 vom Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld untersucht. Dabei handelt es sich um abwertende und feindselige Meinungen gegenüber gesellschaftlichen Gruppen.

Die daraus resultierende zehnbändige Reihe der „Deutschen Zustände“ und die Reihe der seit 2006 von der Friedrich-Ebert-Stiftung im Zweijahresrhythmus in Auftrag gegebenen Mitte-Studien zu rechtsextremen Einstellungen (bis 2012 in Kooperation mit der Universität Leipzig) wird in Form des vorliegenden Buchs nach 2014 zum zweiten Mal zusammengeführt. Es beschreibt auf Basis einer repräsentativen Erhebung für das Jahr 2016 das Bild einer gespaltenen Gesellschaft. Datengrundlage der repräsentativen Umfrage 2016 sind im Einzelnen:

  • Telefonische Befragung (CATI) von 1.896 repräsentativ ausgewählten Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit; Befragungszeitpunkt: Juni bis August 2016;
  • Durchführung: Sozialwissenschaftliches Umfrageinstitut GmbH (SUZ), Duisburg
  • Daten von insgesamt 1.015 Frauen (53,5 %) und 880 Männern (46,4 %)
  • Alter der Befragten: 16 – 95 Jahre; Altersdurchschnitt: 50,3 Jahre

Eine Ergenis-Zusammenfassung kann man auch hier herunterladen: http://www.fes.de/de/gespaltene-mitte-rechtsextreme-einstellungen-2016/

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  2. BEGIS GmbH

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  3. Simone Janson

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