Das Schwarze-Peter-Syndrom bei Konflikten: 12 Tipps für besseres Streiten

22.08.2016 1773 Leser 5 Debatten 697 Wörter Lesezeit: 4 Minuten, 53 Sekunden
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Mal wieder mit dem Chef oder den Kollegen aneinander gerasselt? Schnell hat man den anderen den Schwarzen Peter zugeschoben. Aber sind wirklich immer die anderen schuld, wenn es mal nicht so läuft? conflict-streit

15 Prozent der Arbeitszeit für Konflikte

Mieses Arbeitsklima, nervige Kollegen, schlechter Chef, zu langweilige oder zu stressige Aufgaben: Es gibt viele Gründe, warum Mitarbeiter ihren Job nicht mögen. Oft sind tatsächlich die Arbeitsumstände schuld. Manchmal macht sich allerdings der Arbeitnehmer mit seiner Einstellung das Leben auch selbst schwer.

Studien zeigen, dass in Deutschland rund 15 % der Arbeitszeit mit dem Austragen von Konflikten verbracht werden. Zeit, die man besser für produktives Arbeiten aufwendet. Doch nicht immer sind die lieben Kollegen oder der miese Chef schuld daran, manchmal würde es schon reichen, nur einen kleinen Schritt mehr auf andere zuzugehen.

Wie Sie sich selbst im Weg stehen

Das fängt schon im Kleinen an. Nicht wenige Arbeitnehmer stehen sich selbst im Weg, indem sie einzelne schlechte Erfahrungen verallgemeinern: „Die Kollegin ist immer so unfreundlich!“ „Das Essen in der Kantine ist immerzu schlecht!“ oder „Ich habe einen Fehler gemacht – ich bin völlig unfähig!“ – das sind Sätze, wie sie viele Menschen wahrscheinlich mehrmals am Tag denken.

Doch statt sich nun zu sagen: „Nun gut, die Kollegin, die zweimal nicht gegrüßt hat, hat eben ein paar mal einen schlechten Tag“ wird durch die Verallgemeinerung die Kollegin eben zur unfreundlichen Zicke. Schnell setzen sich auf diese Weise Vorurteile in den Köpfen fest: Wenn man beispielsweise nette Gesten der stets so unfreundlichen Kollegin gar nicht mehr wahrnimmt und fest daran glaubt, was man sich auf diese Weise selbst einredet. Auseinandersetzungen und Streit sind so vorprogrammiert, fehlende Motivation und miese Laune die Folge.

Chronisches Anti-Verhalten

Bei manchen Leuten ist das regelrecht chronisch – und bezieht sich auf den gesamten Arbeitsplatz: Mitarbeiter, die kurz nach der Einstellung anfangen, über zu hohe Arbeitsbelastung oder die vielen neuen Dinge, die sie lernen sollen, zu klagen. Oder über zu weite Anfahrtswege, hohe nervliche Belastung, Überstunden oder einfach über Stress. Dabei gibt es durchaus gute Chefs, die selbst schwierigen Mitarbeitern eine Chance geben und z.B. eine längere Einwilligungsphase zubilligen. Das hilft aber nichts, wenn die Mitarbeiter sich selbst keine Chance geben

Um solchen hausgemachten Problemen zu umgehen, hilft eigentlich nur, die eigenen Erwartungen zu überprüfen und die Dinge etwas differenzierter zu betrachten. Und mit etwas Übung kann das auch gelingen.

12 Tipp für besseres Streiten

  1. Keine verallgemeinernden Vokabeln! Kommen in Ihrem Sprachschatz oft Worte wie „nie“ oder „immer“ vor? Vermeiden Sie solche Vokabeln in Denken und Reden – der erste Schritt zu einer differenzierteren Sichtweise
  2. Jedes Ereignis einzeln betrachten: Nur weil die Kollegin Sie gestern und heute nicht gegrüßt hat, muss sie das nicht immer so machen. Vielleicht war sie einfach gestresst?
  3. Erwartungen überprüfen: Erwarten Sie nicht schon förmlich, dass eine Sache so ausgeht? Überprüfen Sie, ob sie nicht schon Vorurteile haben.
  4. Einstellung ändern: Manche Dinge können Sie nicht ändern. Mit einer positiven Einstellung zu der Sache wird aber vieles einfacher.
  5. Nicht kategorisieren: Besonders beim Kennenlernen neuer Menschen stecken wir diese gerne in Schubladen. Schauen Sie genauer hin und überprüfen Sie ihre erste Einschätzung ggf. nochmals.
  6. Problem in Einzelprobleme aufsplitten: Oft sieht man, weil man verallgemeinert, nur einen großen Problemberg. Lösen Sie Probleme in kleine Einzelprobleme auf, die Sie Schritt für Schritt lösen.
  7. Sachlich bleiben: Bei Konflikten mit dem Vorgesetzten ist es besonders wichtig, objektiv und sachlich zu bleiben, auch wenn der Chef dem Mitarbeiter nicht mit derselben Professionalität begegnet.
  8. Geduld und Selbstkontrolle: Emotionen trüben das Urteilsvermögen und provozieren hitzige Diskussionen. Mitarbeiter sollten einen großen Bogen darum machen.
  9. Keine Besserwisserei! Sicherlich ist es immer einfach zu behaupten, man selbst könne es besser machen. Vielleicht verlangt der Job dem Chef aber viel mehr ab, als man als Außenstehender wahrnimmt.
  10. Verständnis für den Chef: Vielleicht hat der Vorgesetzte mehr zu tun hat, als er bewerkstelligen kann. Versuchen Sie, Verständnis zu zeigen.
  11. Den Chef unterstützen: Bieten Sie Ihre Hilfe an: Vielleicht hat der Chef in einigen Bereichen weniger Erfahrungen und ist für Hilfe und Unterstützung dankbar.
  12. Sich der Herausforderung stellen: Mitarbeiter sollten jede Chance nutzen zu beweisen, dass sie großen Herausforderungen gewachsen sind und Verantwortung übernehmen können. Das gibt Pluspunkte.
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