Richtiges Konfliktverhalten für besseres Arbeitsklima: Zu viel Harmonie bremst!

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31.05.2016 876 Leser 5 Debatten 984 Wörter Lesezeit: 6 Minuten, 8 Sekunden
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Harmonie ist etwas Großartiges. Im Beruf wie im Privatleben. Wir wollen uns ja nicht streiten! Warum es jedoch klüger wäre, Meinungsverschiedenheiten auszusprechen.Harmoniesucht Peter Brandl

Ein schönes Trugbild

Neulich wurde ich in einem Restaurant unfreiwillig Zeuge eines Gesprächs: Ein älteres Ehepaar saß mit anderen älteren Paar am Tisch und ich schnappte folgenden Satzfetzen auf: „Wir sind seit 42 Jahren verheiratet und haben uns nie gestritten.“ Auf den ersten Blick eine romantische und schöne Vorstellung. Was, wenn man aber mal genauer darüber nachdenkt?

Glauben wir wirklich, dass es möglich ist, ein Leben ohne Konflikte zu führen? Dann auch noch über 42 Jahre? Mit Sicherheit nicht. In jeder Beziehung, beruflich oder privat, kommt es immer mal wieder zu Konflikten. Häufig werden diese aber nicht ausgetragen. Wir wollen uns doch nicht streiten!

Resignation

Ähnliches erlebe ich regelmäßig in Teams. Im besten Fall findet sich eine angenehme, freundliche und wertschätzende Atmosphäre. Harmonie halt. Oft ist diese Harmonie aber längst gekippt in Geneigtheit oder Resignation.

Was auf den ersten Blick ruhig und harmonisch wirkt, entpuppt sich als „aus dem Weg gehen“, als innere Kündigung und gerollte Augen. Man redet schon lange nur noch das Nötigste und selbst einem psychologischen Laien wird schnell klar, dass man hier die Luft schneiden kann.

Konflikte sind Teil der Realität

Es liegt in der Natur der Sache, dass wenn Menschen zusammenarbeiten, es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten kommen wird. Je wichtiger das Thema ist, umso mehr werden diese Meinungsverschiedenheiten dann auch emotional aufgeladen.

Ist doch auch klar: Wenn mir eine Sache wirklich am Herzen liegt, dann werde ich nicht entspannt zuhören und abwägen, wenn ich der Meinung bin, dass jemand anders dieser Sache schadet oder sie vielleicht sogar gefährdet. Ich werde versuchen, meine Sache zu verteidigen und für sie zu kämpfen.

Eines Tages kracht es richtig

Es gibt aber auch diese vielen kleineren Konfliktschauplätze. Die, für die man nicht mit wehenden Fahnen ins Feld zieht, die die einem selbst vielleicht gar nicht so wichtig sind. Und trotzdem sind sie da. Aber muss man wirklich alles ausdiskutieren oder sogar streiten? Nein, natürlich nicht. Auf der anderen Seite, sind es diese ganz alltäglichen kleinen, runtergeschluckten Konflikte, die uns langsam das Leben vergiften.

Wir fressen immer wieder Dinge in uns hinein. Dummerweise mit der Tendenz zu größeren Portionen. Denn auch das ist klar: Wenn ich nie etwas gesagt habe, kann ich doch nicht plötzlich damit anfangen. Und so werden die Konflikte und Probleme, die unter den Tisch gekehrt werden, oder die man tot schweigt, größer und größer. Bis es eines Tages kracht, dann aber richtig. Dieses Krachen kann sich dann als Kündigung, Tobsuchtsanfall oder Scheidung manifestieren.

Laut einer Gallup-Studie sind 20% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter emotional nicht mehr mit ihrem Unternehmen verbunden – durch ihre innere Kündigung. Im Normalfall ist dies das Ergebnis nichtausgetragener und verdrängter Konflikte.

Die Dinge einfach aussprechen

Eigentlich wäre es, wie immer, ganz einfach: Wenn es etwas zu sagen oder zu klären gibt, sollte man die Dinge einfach ansprechen. Eigentlich.

Doch im echten Leben ist da die Angst, dem anderen zu Nahe zu treten, ihn oder sie zu verletzen, Grenzen zu überschreiten, vielleicht dann nicht mehr gern gehabt zu werden. Was auch immer uns abhält anzusprechen, was in uns gärt – Harmoniesucht oder auch nur die Angst vor Konflikten – eine dieser Barrieren, macht uns das kommunikative Leben schwer.

Wege aus der Harmonie-Falle

Doch wie kommt man nun aus dieser Harmonie-Falle wieder raus? Eigentlich auch wieder ganz einfach: Der erste Schritt ist wie so oft das „Bewusst machen“. Machen Sie sich Ihre Gefühle und vielleicht auch diesen Kloß im Hals bewusst. Machen Sie sich bewusst, vor was Sie Angst haben oder was Sie hemmt.

Im zweiten Schritt können Sie sich fragen, ob Sie das wirklich so wollen oder ob Sie etwas ändern sollten. Es wäre zum Beispiel eine Idee einfach anzusprechen, was Sie stört oder was Sie sich wünschen. Wenn Sie jetzt Angst davor haben, dass die Situation dann erst richtig eskalieren könnte, empfehle ich Ihnen zwei einfache Techniken.

  1. Einfach mal die Klappe halten und den anderen reden lassen: Nein, damit meine ich nicht, dass Sie Ihre Konflikte nun doch hinunter schlucken sollten. Im Gegenteil. Sprechen Sie an, was anzusprechen ist. Aber geben Sie Ihrem Gegenüber auch die Chance, zu sprechen. Es kann durch aus sein, dass er oder sie tatsächlich getroffen ist und bellt. Und? Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden. Sie müssen nicht auf alles reagieren, was gesagt wird, schon gar nicht auf Provokationen oder Angriffe. Lassen Sie ihn oder sie ausreden. Aber hören Sie zu! Versuchen Sie zu verstehen und fragen Sie gegebenenfalls nach.
  2. Ich-Botschaften senden: Zu Unrecht etwas in Verruf geraten sind Ich-Botschaften. Sie sind eines der wirkungsvollsten Mittel, um Gespräche konstruktiv zu führen und Konflikte nicht eskalieren zu lassen. Wie läuft es denn meistens? Spätestens wenn die ersten Emotiönchen im Spiel sind, beginnen die Sätze mit „Du“. „Wegen Dir“, „weil Du“, „hättest Du“ und so weiter. Schon fliegen die Vorwürfe hin und her. Vielleicht meinen Sie das alles noch nicht einmal als Vorwurf, aber es kommt mit Sicherheit so an.

Dabei sind diese Du-Botschaften nicht nur kontraproduktiv, sie sind auch sinnlos. Warum sagen Sie Ihrem Gegenüber etwas über sich? Wenn der etwas gemacht hat, dann weiß er das doch selbst am besten! Sagen Sie viel lieber etwas über sich selbst. Das tun Sie am besten, indem Sie die Sätze einfach mit „Ich“ beginnen. „Ich wünsche mir“, „mich stört“, „bei mir kommt an“. Senden Sie also Ich-Botschaften.

Mehr Möglichkeiten

Zugegeben: Ich-Botschaften sind mit ziemlicher Sicherheit nicht das, was Sie in einem Konflikt gern sagen wollen. Sie sind aber deshalb besonders wirkungsvoll, weil sie genau das sind, was Sie sagen sollten.

Erinnern Sie sich noch an das ältere Ehepaar von Anfang dieses Textes? War unsere erste Reaktion auf 42 Jahre ohne Konflikt richtig? Ich persönlich glaube, wenn wir nie aneinander rauschen, wenn es nie kracht, dann sind wir noch nicht einmal in der Nähe unserer Möglichkeiten!

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