Emotionen direkt ansprechen – Teil 6: Andere verstehen



Vorheriger Teil

Kommen wir zum gewissermaßen eleganten Abschluss, der dem Sender der Emotion den vollkommenen – und aufrichtigen – Eindruck vermittelt, dass Sie ihn tatsächlich rundum verstanden haben. werte-emotionen-values

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Emotionen deuten auf Werte hin

Wenn Sie zum Beispiel erleben, dass Ihr ältester Sohn sich mit seiner jüngeren Schwester in den Haaren liegt, weil diese ständig bei ihm ins Zimmer kommt und ihn stört, ist es ein Leichtes, zu ihm etwas zu sagen wie: »Ich kann gut verstehen, dass du sauer bist. Du willst einfach Deine Ruhe haben.«

Und wenn die Kleine kurze Zeit relativ verunsichert zu Ihnen kommt, weil er ihr erzählt hat, dass er sie nachmittags nicht mit auf den Spielplatz nimmt, dann können Sie ihre Emotion anerkennen mit den Worten: »Du machst dir gerade Sorgen, weil du den Nachmittag nicht alleine in der Wohnung verbringen willst.«

Bei dieser zweiten Situation merken Sie auch, dass es nicht unbedingt notwendig ist, den Wert explizit als eigenen Begriff zu nennen. Es reicht vollkommen aus, dem Unterbewusstsein im Kopf des anderen durch eine Umschreibung zu verstehen zu geben, worum es ihm geht.

Die Suche nach dem exakten Begriff

Ich selbst begebe mich zwar sehr gerne auf die Suche nach dem exakten Begriff, weil ich glaube, dass dann die Erkenntnis verstanden worden zu sein, beim Gegenüber noch einen Tick stärker ausfällt, aber es funktioniert auch sehr gut mit Umschreibungen.

Für die Vermittlung der zweiten Vorgehensweise, mit der wir die Werte anderer herausfinden können, muss ich ein klein wenig ausholen: Wir alle haben in der Schule Deutschunterricht genossen und dort diverse Charakterisierungen einzelner Figuren der klassischen Dichtung und Lyrik vorgenommen (»Charakterisiere den Wallenstein/den Faust/den Franz Moor/…«).

Wie sah Wallensteins Wertesystem aus?

Trotzdem ist eine der zentralen sprachlich erfassbaren und analysierbaren Fragen zum Umgang mit anderen Menschen offenbar spurlos an uns vorbeigegangen. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern, mich im Deutschunterricht jemals damit beschäftigt zu haben. Diese Frage lautet: »Was ist meinem Gegenüber gerade wichtig?« beziehungsweise »Worauf legt er oder sie Wert?«

Spüren Sie, dass die Frage »Was ist dem Wallenstein wichtig?« viel spannender ist und einen viel emotionaleren Zugang erschließt als die Arbeitsanweisung »Charakterisiere den Wallenstein und seine widersprüchliche Haltung auf dem Schlachtfeld im Hinblick auf die Erfüllung seiner dramaturgischen Rolle«?

Sprache transportiert Werte

Wenn wir uns klar machen, dass ein wesentlicher Zweck der Sprache darin besteht, unser Wertesystem, unsere Wertvorstellungen zu transportieren, dann bedeutet das doch konsequenterweise auch, dass wir bei »richtigem« Hinhören herausfinden können, auf welche Werte des anderen seine Worte hinweisen.

Dazu müssen wir uns einer Analysefrage bedienen, die auf den ersten Blick banal und für die meisten Menschen ungewöhnlich klingt, auf den zweiten Blick aber ein ganz neues Universum sprachlichen Verstehens eröffnet. Diese entscheidende Frage, die ich Ihnen besonders nachdrücklich ans Herz legen möchte, lautet: »Was ist jemandem wichtig, der die Worte gesagt hat, die ich soeben gehört habe?«

Beobachten Sie sich genau

Beobachten Sie sich und andere in nächster Zeit einmal ganz genau beim Sprechen. Sie werden – bei den anderen wird es Ihnen vorher auffallen! – sich selbst mit etwas Glück dabei ertappen, wie häufig Ihnen z.B. dieses verfluchte kleine »Aber« herausrutscht.

Wenn Sie das zum ersten Mal bemerkt haben, ist es gar nicht so schwer, es beim nächsten Mal durch ein »und« oder einen Punkt mit anschließendem neuen Satz zu ersetzen. Es ist zu Beginn nicht ganz einfach, darauf zu achten und Sie werden sehen: Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, fühlt es sich richtig gut an. Die Wirkung ist jedenfalls klein und fein!

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