Emotionen direkt ansprechen – Teil 4: Hilfe, die Sprachfetischisten!


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08.01.2016 130 Leser 3 Debatten 541 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 13 Sekunden
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Was wir bisher erfahren haben: Es ist eben keine Selbstverständlichkeit, dass Sie die Emotionen ihres Mitmenschen wirklich wahrgenommen haben. warmduscher

Intelligenz im Unbewussten

Unser Unterbewusstsein ist hier intelligenter als das Bewusstsein. Er scheint zu wissen, dass Missverständnisse eine normale Erscheinung in der Kommunikation sind.

Daher wird es erst dann glücklich sein, wenn er die Rückkopplung bekommt, dass seine Nachricht, seine Emotion, auch genauso verstanden wurde, wie er sie gesendet hat.

Immer nochmal sagen!

Die wichtige Botschaft an dieser Stelle: Ganz genauso verhält es sich beim Umgang mit den Emotionen der anderen! Für unser Gehirn gibt es keine Selbstverständlichkeiten!

Gerade wenn wir uns mit dem direkten Ansprechen der Emotionen so schwer tun und auch noch gerne denken: »Warum soll ich etwas ansprechen, das jeder sehen kann?«, sollten wir uns einfach bewusst machen, dass das Unterbewusstsein nicht erkennen kann, was wir denken. Wir müssen es ihm sagen. Wir müssen ihm immer mitteilen: »Hallo, ich habe genau verstanden, was du gesendet hast.«

Warum Menschen nicht runterkommen!

Genauso funktionieren Emotionen. Das ist der Grund, warum Menschen, die sich tierisch über irgendetwas aufregen, eben nicht runterkommen, wenn sie als einzige Rückmeldung ein unscharfes »Ich verstehe dich« bekommen. Halten wir also fest:

Was ich Ihnen hier beschreibe, erzähle ich meinen Teilnehmern in jedem Seminar, wenn es um das Anerkennen der Emotionen anderer geht. Außerdem gebe ich ihnen zu Beginn unserer Trainings den Tipp, das »Aber« beim emotionalen Senden oder beim Anerkennen der Emotionen anderer einfach bewusst wegzulassen.

Lassen Sie das „Aber“ weg

Einfach? Als ob das so einfach wäre! Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und nichts fällt uns schwerer als Gewohnheiten oder gar Verhaltensautomatismen abzulegen. Mir ging es, als ich dies vor Jahren zum ersten Mal erlebt habe, auch kein bisschen anders! Die meisten Teilnehmer bemerken dieses »Aber«, das sie fast reflexhaft sprechen, erst, wenn die Gruppe deutlich amüsiert etwas unruhig wird.

Diejenigen, die gerade nicht auf der Bühne stehen, hören natürlich viel genauer hin und bemerken das »Aber« sehr wohl. Im nächsten Schritt versuchen die Teilnehmer dann, das Wort tatsächlich wegzulassen, verfallen aber ab und zu in eine Art Schockstarre, weil seine Verwendung dermaßen automatisiert ist, dass sie einfach nicht wissen, wie es ohne weitergehen soll.

Bitte Lob nicht relativieren!

Mit ein wenig Kreativität greifen sie dann auf »jedoch«, »wobei« oder »dennoch« zurück und merken auch jetzt erst während sie es sprechen, dass es sich dabei ebenfalls um relativierende oder adversative Konjunktionen handelt.

Also um Wörter, die genau die gleiche desaströse Wirkung haben wie das »Aber«. Wenn ich ihnen dann mit dem Tipp stattdessen doch einfach »und« zu sagen, ein wenig auf die Sprünge helfe, kommt todsicher so etwas wie: »Schatz, ich kann gut verstehen, dass du sauer bist und dennoch müssen wir miteinander reden!«

Sprache wird unreflektiert verwendet

An dieser Stelle benötigen normalerweise sowohl Trainer als auch Teilnehmer eine Pause und einen Schluck Wasser! Ist es nicht unglaublich, wie automatisiert und unreflektiert wir Sprache verwenden und nicht bemerken, was wir damit anrichten?

Übrigens: Wenn Sie das, was Sie gesagt haben – egal, was es war – tatsächlich gegensätzlich beleuchten oder relativieren wollen, dürfen, ja müssen Sie das »Aber« natürlich verwenden! Es ist eben nur beim Ausdruck und Anerkennen von Emotionen ausgesprochen kontraproduktiv.

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