Deutsche Stiftung gründen als Unternehmensform – 6/9: Steuern in der Gründungsphase – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Deutsche Stiftung gründen als Unternehmensform – 6/9: Steuern in der Gründungsphase



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Wer eine Stiftung gründen will, muss einiges beachten – z.B. auch die Besteuerung während der Gründungsphase. Ein Überblick. Gründung & Finanzen  Steuern Bürokratie Rechtsformen


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Warum eine Besteuerung in der Gründungsphase?

Besteuerung in der Gründungsphase klingt erst einmal paradox. Denn in der Gründungsphase existiert die Stiftung ja noch nicht, also kann auch kein Einkommen erzielt sein. Das deutsche Steuerrecht ist jedoch darauf eingerichtet, das erzielte Einkommen vollumfassend zu besteuern (von einzelnen Ausnahmen abgesehen).

Womit hängt das zusammen? Im sogenannten Stiftungsgeschäft verpflichtet sich der Stifter Vermögen zu übertragen und an dieser Stelle setzt die Besteuerung ein. In den nachfolgenden zwei Artikeln wird auf der einen Seite zwischen gemeinnütziger und privatrechtlich organisierter (Familien-)Stiftung unterschieden und zum anderen wird die Besteuerung des Stifters im Gründungsakt beleuchtet.

Vermögensübertragung an eine nicht gemeinnützige Stiftung

Auf Seiten des Stifters ist zu beachten, ob das Vermögen aus dem Privatvermögen oder aus einem Betriebsvermögen heraus übertragen wird. Erfolgt eine unentgeltliche Übertragung an die Stiftung ist das ertragssteuerfrei. Es wird ja kein Veräußerungsgewinn erzielt. Die Stiftung übernimmt das Wirtschaftsgut (zum Beispiel eine Immobilie) mit den fortgeführten Anschaffungskosten.

Erfolgt die Übertragung aus einem Betriebsvermögen heraus, zum Beispiel wird ein Teilbetrieb, oder ganzer Betrieb übertragen, wird unterschieden ob die Übertragung unter Aufdeckung der stillen Reserven erfolgt oder nicht.

Unter stillen Reserven wird der Differenzbetrag zwischen fortgeführten Anschaffungskosten (ursprüngliche Kaufpreis abzüglich Absetzung für Abnutzung kurz Afa) und dem tatsächlichen Wert zum Zeitpunkt der Übertragung verstanden.

Die Sache mit dem Buchwert

Sie kauften vor zehn Jahren ein Mehrfamilienhaus für 1 Mio. €. An Abschreibungen fielen 200.000 € an, so dass der Buchwert noch 800.000 € beträgt. Kurz vor der Übertragung erhielten Sie für diese Immobilie ein Kaufangebot von 1,5 Mio. €. In der Immobilie stecken also 700.000 € stille Reserven (tatsächlicher Wert 1,5 Mio. € ./. 800.000 € Buchwert).

Es ist möglich diese Immobilie aus dem Betriebsvermögen direkt zu Buchwerten zu übertragen (§ 6 Abs. 3 EstG, als Teilbetrieb)-? 800.000 €, oder unter Aufdeckung der stillen Reserven mit einem tatsächlichen Wert von 1,5 Mio. €.

Gewinn aus der stillen Reserve

Erfolgt die Übertragung zu den Buchwerten ist kein Gewinn aus der Seite des Stifters zu verzeichnen. Übertragungswert (Entnahme) 800.000 € ./. Buchwert 800.000 € = 0 € Veräußerungsgewinn.

Erfolgt die Übertragung unter Aufdeckung der stillen Reserven ergibt sich ein Entnahmegewinn im Betrieb von 700.000 € (siehe oben). Ertragsteuerlich hat der Stifter also 700.000 zu versteuern, ohne dass Ihm ein entsprechender Liquiditätsfluss gegenübersteht.

Sie haben die Wahl!

Daher sollte die Übertragung von ganzen Betrieben oder Teilbetrieben an eine nicht gemeinnützige Stiftung immer ohne Aufdeckung der stillen Reserven erfolgen.

Dieses Wahlrecht existiert allerdings bei der Übertragung einzelner Wirtschaftsgüter nicht (zum Beispiel ein betrieblicher LKW wird auf die Stiftung übertragen). Diese Übertragung muss zwingend unter Aufdeckung der stillen Reserven erfolgen (Entnahmegewinn) und auf den Entnahmegewinn fällt Umsatzsteuer (§3 Abs. .1b UStG) an!

Die Schenkungssteuer

Für die Stiftung handelt es sich um einen Vermögenszuwachs. Dieser Vermögenszuwachs löst keine Besteuerung des Einkommens aus (private Vermögensphäre ertragsteuerlich unbeachtlich), sehr wohl aber eine Besteuerung entsprechend des Erbschaft-/Schenkungssteuergesetzes.

Die Besteuerung erfolgt nach Abzug geringer Freibeträge entsprechend der Steuerklasse III, da die Stiftung keine verwandtschaftlichen Beziehungen zum Stifter ausweist. Bei einer Vermögensübertragung von 600.000 € können somit für die Stiftung Schenkungssteuer von 30% x 600.000 € = 180.000 € anfallen!

Die Grunderwerbsteuer

Handelt es sich um Übertragung von Immobilien ist auch ein Auge auf die Grunderwerbsteuer zu werfen.

Grunderwerbsteuer ist die Steuer in Deutschland die Übertragungsvorgänge von Immobilien der Besteuerung unterwirft. Hier existiert kein einheitlicher Steuersatz. Dieser ist von Bundesland zu Bundesland verschieden und liegt bei ca. 4% des übertragenen Wertes.

Befreiung von der Grunderwerbssteuer

Unterliegen die Grundstücksübertragungen der Schenkungssteuer, sind diese jedoch gemäß §3 Nr. 2 GrEStG von der Grunderwerbsteuer befreit.

Das gilt jedoch nur für rein unentgeltliche Vermögensübertragungen. Wird mit der Immobilie auch die Grundschuld mit einer Belastung durch einen Immobilienkredit übertragen, fällt in Höhe der übertragenen Verbindlichkeit Grunderwerbsteuer an.

Beispiele für die Besteuerung

Sie übertragen eine Immobilie (Wert 1 Mio. €) und die dazugehörigen Kredite, das bedeutet, zukünftig muss die Stiftung aus den Erträgen auch die Kredite bedienen (z.B. 500.000 €). Auf 500.000 € wird Grunderwerbsteuer (4% 0 20.000 €) erhoben.

Das hängt damit zusammen, da im Rahmen der schenkungssteuerlichen Betrachtung ebenfalls nur 500.000 € der Besteuerung unterliegen (1 Mio. Wert ./. 500.0000 € Verbindlichkeiten = 500.000 € Vermögenszuwachs).

Die Besteuerung der gemeinnützigen Stiftung im Gründungakt ist dagegen von vielen Erleichterungen gekennzeichnet, damit beschäftigt sich der folgende Artikel.

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