Der tiefe Fall des Klaus Zumwinkel – 1/2: Wenn Manager Fehler machen

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27.05.2015 3925 Leser 4 Debatten 663 Wörter Lesezeit: 4 Minuten, 51 Sekunden
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Diejenigen, die Klaus Zumwinkel gut zu kennen glaubten, beschrieben ihn als einen Menschen, dem man vertrauen könne. Von Vertragsabschlüssen per Handschlag war die Rede. Der Mann galt als ein in sich ruhender, glücklicher Mensch: ohne finanzielle und sonstige Sorgen, gesund, geistig auf Zack. Erfolg & Management  Scheitern Fehler Management Führung Köpfe Klaus Zumwinkel

Ein Name, der Vertrauen schafft

Das hatte Zumwinkel den Spitznamen „Buddha“ eingetragen. In seinen 18 Jahren Dienstzeit als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post hat Zumwinkel nicht nur an der Marke des Unternehmens poliert, sondern auch an seiner eigenen: Die Menschen glaubten deshalb an die Marke „Zumwinkel“. Er war der Mann ihres Vertrauens.

Nur so lässt sich erklären, warum Zumwinkel als einer der deutschen Manager galt, die in Politik und Wirtschaft am besten vernetzt waren. Gerade in solchen Kreisen ist Vertrauen wichtig. Dort fehlt oft die Zeit, alle Informationen zum Gegenüber zu sammeln und zu verarbeiten.

Entscheidungen, die auf Intuition beruhen

Nicht selten müssen Entscheidungen getroffen werden, die auf Intuition beruhen. In diesem Umfeld erlebte Klaus Zumwinkel seine Sternstunden. Unterschiedlichste Bundeskanzler begleiteten mit ihm den Umbau der Post von einer Behörde zum Unternehmen, der seine Lebensleistung ist, später den Börsengang der Post, dann auch die Übernahme und den späteren Börsengang der Postbank – zuletzt den Kampf für einen möglichst hohen Mindestlohn, der den Wettbewerbern ein rentables Briefgeschäft in Deutschland unmöglich macht.

Zumwinkel hat solche Schwierigkeiten angepackt – und in seinem Sinne gelöst. Er hat das Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde, wieder und wieder bestätigt. Er hatte sogar damit begonnen, seinen geordneten Rückzug vom Vorstandsvorsitz der Deutschen Post vorzubereiten. Welcher Manager hat schon diese Weitsicht? Und dann klingelte die Steuerfahndung.

Wenn die Steuerfahndung einmal klingelt

Dann klingelte die Steuerfahndung an seinem Haus im Kölner Stadtteil Marienburg. Es war noch nicht hell geworden an diesem 14. Februar im Jahr 2008, als sich auf das blank polierte Markenzeichen Zumwinkel der Schatten des bösen Verdachts der Steuerhinterziehung legte. Seine hervorragenden Verbindungen in die Politik vermochten Zumwinkel vor diesem Zugriff nicht zu schützen.

Und seine zahlreichen Managerfreunde verfolgten die Nachrichten atemlos: Ist er noch in seinem Haus? Gibt es einen Haftbefehl? Ist Zumwinkel da gerade in einem silbernen Polizeifahrzeug abgeholt worden? Wie lange wird er bei der Staatsanwaltschaft in Bochum bleiben müssen? Und nicht zuletzt: Was genau ist denn eigentlich passiert?

Der größte Fehler seines Lebens

Zumwinkel war eine Compact Disc mit Kundendaten der Fürstlichen Bank in Liechtenstein zum Verhängnis geworden, die den deutschen Behörden zugespielt worden war. Auf dieser CD – und viele weitere sollten folgen – befanden sich Namen weiterer reicher Deutscher, die in den folgenden Jahren die Zahl der Selbstanzeigen nach oben getrieben haben. Im Fall Zumwinkel ging es um nicht versteuerte Zinserträge auf das ihm zuzurechnende Kapital einer Stiftung in dem Fürstentum zwischen der Schweiz und Österreich.

Vor Gericht wurde klar, dass Zumwinkel in den Jahren von 2001 bis 2007 stolze 970.000 Euro an derStaatskasse vorbeigemogelt hatte. Immerhin: Vor Gericht nannte Zumwinkel die Steuerhinterziehung den „größten Fehler“ seines Lebens. Er berichtete sogar von „persönlichen Bedrohungen, Brief- und Telefonterror, Hausbelagerungen und Nachstellungen“. Die Richter hatten kein Mitleid: Im Jahr 2008 verurteilte das Landgericht Bochum Zumwinkel zu 24 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro. Zumwinkel aber wollte in Deutschland nicht mehr leben, er ist inzwischen nach London umgezogen.

Die Tragweite der Entscheidung falsch eingeschätzt

Einen anderen Fehler hatte Zumwinkel schon ein paar Wochen vor der Hausdurchsuchung begangen. Da ginge es um läppische 4,73 Millionen Euro, die der Post-Chef aus einem Aktienverkauf erlöste, dessen Zeitpunkt jegliches Fingerspitzengefühl vermissen ließ. Kurz zuvor war der Aktienkurs der Post durch den politischen Beschluss zur Einführung des recht hohen Mindestlohns stark gestiegen, was den Wert der Aktien erheblich gesteigert hatte. Zugleich war aber auch klar, dass der Mindestlohn vielen Angestellten privater Wettbewerber der Post ihre Stelle kosten würde.

In dieser Situation war Zumwinkel – angeblich oder tatsächlich – „die Tragweite der Entscheidung nicht bewusst“, wie er damals nach Bekanntwerden des Aktiengeschäfts einräumte. Das konnte man danach auch für den Umgang mit dem Geld in Liechtenstein annehmen. So wurde Zumwinkel nicht nur der erste Vorstand eines Unternehmens, das mit seinen Aktien im Aktienindex Dax vertreten ist, der vor laufenden Kameras von der Polizei abgeführt wurde.

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