Erfolg & Management

Team-Geist & Verbundenheit (1/3): Unternehmen & ihre falschen Feindbilder



Die Feindbilder in den meisten Unternehmen sind falsch definiert. Selbstzentriert richtet man sich am direkten Wettbewerb aus. Oder schlimmer noch: Kollegen aus anderen Bereichen werden als Abteilungsfeinde betrachtet. Doch der wahre Feind lauert in ganz anderen Ecken.

Wir-Gefühl und Hochleistungsteam

Die wahren Feinde rüsten sich digital

Den wahrscheinlich gefährlichsten Satz in seinem Berufsleben hat Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, vor ein paar Wochen gesagt: „Wir haben schließlich das Auto erfunden.“ Dies war seine Reaktion auf Gerüchte, Apple werde in das Automobilgeschäft einsteigen. Während sich Daimler noch an Feindbildern aus dem klassischen Kfz-Herstellermarkt reibt und mit ihnen um Neuwagenzulassungen buhlt, tauchen wie aus dem Nichts schon ganz neue Marktplayer auf der Überholspur auf.

Die digitale Gefahr kann heute fast jeden treffen. „Welche Branche hacken wir denn diese Woche?“ So lautet der Schlachtruf den Jungen Wilden, während sie vor Bildschirmen hocken und in die Tasten hauen. Der versierte Umgang mit Online-Medien und das Meistern von Bits und Bytes, den Grundbausteinen der digitalen Welt, ist ihr wichtigstes Kapital. Respektlos, mutig und frech machen sie vor Niemandem halt. Und sie sind sehr schnell unterwegs.

Im Attraktivitätswettbewerb um Top-Talente

Gefahr droht auch aus einer weiteren Ecke. Denn in diesen neuen Businesszeiten kämpfen Unternehmen nicht nur im Wettrennen um die Kundengunst. Zunehmend befinden sie sich außerdem in einem Attraktivitätswettbewerb am Arbeitsmarkt, zumindest dann, wenn es um das Gewinnen von kompetenten Fachkräften und High Potentials geht. Und auch hier liegen die digitalbasierten Anbieter vorn. Aber nicht nur die.

Denn ein Update der Unternehmenskulturen ist in vollem Gang. Und alles steht unter Beobachtung einer breiten Öffentlichkeit. Vernebeln, vertuschen, lügen und betrügen sind in diesem Szenario ein Auslaufmodell. Diejenigen, die sich auf Kosten der Gemeinschaft mästen, werden schonungslos an den Pranger gestellt. Einstige Götzen wie Macht und Gier sind in Ungnade gefallen, man opfert ihnen höchstens noch heimlich. Und auch das wird bald enden, weil für Unternehmen mit mangelnder Ethik bald niemand mehr arbeiten will. Sie entsorgen sich selbst.

Ist das Feindbild Wettbewerb überhaupt nützlich?

Manche Firmenfeindschaften sind geradezu legendär, wie etwa die zwischen Coca Cola und Pepsi oder die zwischen Burger King und McDonalds. Sie haben sicher eine Menge Energie mobilisiert, aber wahrscheinlich auch viel Kraft an der falschen Stelle vergeudet. Denn solange man seine Ressourcen auf den Wettbewerbsfeind konzentriert, kann man sie nicht für die Kunden nutzen.

Zieht man in die Schlacht um vorderste Plätze, scheint vor allem das männliche Gehirn eine Menge Energie zu mobilisieren, um den Sieg davonzutragen. Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass beim Sieger eines Kampfes dessen Testosteronspiegel weiter steigt, während er beim Unterlegenen sofort in den Keller geht. Die Frage ist, ob sich dies die Hinteren im Rennen bei ihren Mitarbeitern auf Dauer leisten können.

Was bei „wir hier“ gegen „die da“ passiert

Mögen externe Feindbilder hie und da angebracht sein, innerhalb einer Organisation sind sie lebensgefährlich. Und ausgeprägte Abteilungsdenke ist tödlich. Wenn alle gegeneinander statt miteinander arbeiten, kann nichts Gutes gelingen. Ränkespiele und interne Dauerrivalitäten zerstören das „Wir“. Dass Konfrontation und interner Massenwettbewerb auf Dauer die besten Ergebnisse bringen, das sind Kopfgeburten vereinsamter Alphatierchen im obersten Stock.

Wir brauchen inspirierende Freunde, verlässliche Verbündete und helfende Weggefährten in einer sich zunehmend vernetzenden Welt. Wenn Unternehmensorganisationen hingegen auf Konkurrenz statt auf Kollaboration aufgebaut sind, dann werden „die anderen“ zwangsläufig als Feinde gesehen. Man schottet sich ab, gibt falsche Informationen weiter, verweigert Hilfe unter fadenscheinigen Gründen und lässt vermeintliche Gegenspieler ins offene Messer laufen. Nur, damit jene keinen Vorsprung gewinnen.

Jeder kämpft um das fetteste Stück vom Ressourcenkuchen, um den nächsten Karriereschritt, um seine eigenen Ziele, um seine persönlichen Boni – und um Status natürlich auch. “Arbeitet zusammen“-Appelle bringen rein gar nichts, solange solche Systeme durch Rennlisten, eingleisige Incentive-Programme und Profitcenter-Denke auf Trab gehalten werden.

Damit ein Unternehmen wie aus einem Guss funktioniert

Ein flottes, reibungsloses Zusammenspiel der internen Leistungskette verlangt, von Ressort-Denken und innerbetrieblichen Rivalitäten endlich Abschied zu nehmen. Denn dies fördert nur den Abteilungsegoismus und dient nicht dem Kunden. Der merkt jedenfalls sehr schnell, wenn ein Unternehmen nicht wie aus einem Guss funktioniert.

Deshalb hier schon gleich ein konkreter Tipp: Führen Sie Zielvereinbarungsgespräche nicht mit allen Mitarbeitern einzeln, sondern als Teamgespräch durch – auch über Abteilungsgrenzen hinweg. Damit holen Sie alle ins Boot – und Zielerreichungsoptionen können gemeinsam abgestimmt werden. So steigen die Erfolgsaussichten enorm. Denn einer Gruppe fällt auf dem Weg zum Ziel mehr ein als einer Einzelperson – und alle rudern in die gleiche Richtung.

Gleichzeitig entledigen Sie sich einer aufgeblähten Zielvorgaben-Kontrollbürokratie und sparen somit viel Zeit. Zudem beugen sie Egoismen vor. Werden nämlich Einzelziele an finanzielle Vorteile gekoppelt, geht es den Leuten vor allem darum, mit geringstem Aufwand die höchstmögliche Vergütung zu ergattern, selbst wenn dies auf Kosten anderer geschieht und dem Unternehmen insgesamt schadet.

Warum das Wir-Gefühl zunehmend wichtig ist

Wissensarbeit kann nur durch Kollaboration reiche Früchte tragen. Gerade in unserer satellitenhaften, komplexen und zunehmend virtuellen Arbeitswelt gehört es zu den wichtigsten Aufgaben der Führungsriege, Zugehörigkeit und Zusammenhalt unternehmensweit zu fördern.

Sind die Verbindungen nämlich zu schwach, dann beginnen die Leute sehr schnell, sich stabilere, besser funktionierende Gruppen zu suchen. Und zwar in einem anderen Projekt, in einem anderen Team oder in einer anderen Organisation.

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  2. Ursula Rosengart
    Ursula Rosengart

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  3. Anne M. Schüller
    Anne M. Schüller

    Die Feindbilder in den meisten Unternehmen sind falsch definiert. Warum? Steht hier:
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  4. Anne M. Schüller
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  5. kanzlei-job
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  6. Thomas Eggert
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  7. KompetenzPartner
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  9. Simone Janson
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