Supply Chain Management – vernetztes Denken Teil 2: Auch Unterbestand kostet



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Ein Textileinzelhändler muss modische Blusen einer bestimmten Größe und Farbe für die Sommersaison vorordern. Nachbestellungen während der Saison sind aufgrund der langen Beschaffungszeiten aus Übersee und der kurzen Saison nicht vorgesehen.

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Die Nachfrage richtig schätzen

Alle nicht verkauften Blusen müssen im Schlussverkauf zu einem Sonderpreis abgesetzt werden. Der Textileinzelhändler schätzt die Nachfrage nach seinen Erfahrungen in den vergangenen Saisonen auf 100 Stück mit einem möglichen Unsicherheitswert (Schwankung) von +/− 30 Stück.

Der Nettoverkaufspreis wird mit 70 Euro, der Beschaffungspreis mit 25 Euro und der Abverkaufspreis am Ende der Saison mit 20 Euro geplant. Allein aufgrund dieser wenigen Daten lässt sich mit Hilfe des sogenannten News-Vendor-Modells, dass ich später in dieser Serie noch behandel werde, berechnen, wie hoch die gewinnmaximale Bestellmenge sein soll. Im konkreten Fall sind es etwa 138 Stück.

Oppurtunitätskosten

Man sieht bereits anhand dieses einfachen Beispiels, dass für die relevante Kostenminimierung beide Kostenbestandteile notwendig sind, nämlich die Überbestandskosten und die Unterbestandskosten. Diese beiden Kostenbestandteile sind die Risikokosten des Bestandes.

In der Kostenrechnung oder in der Buchhaltung wird man vergeblich nach beiden suchen. Die wichtigsten Kosten sind für eine Managemententscheidung nicht verfügbar! Der Grund: In der klassischen Kostenrechnung werden nur sogenannte Geldkosten aufgezeichnet, nicht jedoch die für Managemententscheidungen relevanten Alternativkosten, auch Opportunitätskosten genannt.

Überbestandskosten sind billiger

Die Überbestandskosten pro Stück ergeben sich als Differenz aus den Beschaffungskosten pro Stück minus dem Abverkaufspreis pro Stück. In unserem Beispiel ist das die Differenz aus 25 Euro und 20 Euro = 5 Euro. Die Unterbestandskosten pro Stück ergeben sich als Differenz aus Verkaufspreis pro Stück minus Beschaffungskosten pro Stück. Hier ist das die Differenz aus 70 Euro und 25 Euro, somit 45 Euro.

Man sieht, dass die Unterbestandskosten pro Stück deutlich höher sind als die Überbestandskosten pro Stück. Eine zu geringe Angebotsmenge ist also deutlich kostspieliger als eine zu große Angebotsmenge. Daher wird man eine Menge ordern, die über dem Mittelwert liegen wird.

Das Risiko kalkulieren

Die entscheidende Maßzahl im Beispiel ist das Verhältnis der Unterbestandskosten pro Stück zu den gesamten Falschbestandskosten pro Stück (den sogenannten Risikobestandskosten pro Stück) als Summe der Unterbestands- und Überbestandskosten pro Stück. Das nennt man das kritische Verhältnis (Critical Ratio, CR). Es beträgt im Beispiel 45 Euro dividiert durch 50 Euro (als Summe aus Unter- und Überbestands- kosten pro Stück).

Dieses kritische Verhältnis ist nun in eine Normalverteilung einzu- ordnen, mit den verfügbaren Daten der erwarteten mittleren Nach- fragemenge von 100 Stück und der mittleren Nachfrageabweichung von 30 Stück. Daraus ergibt sich ein kritisches Verhältnis von 0,90.

Risikio-Kalkulation mit Excel

Das bedeutet, dass zusätzlich zur mittleren Menge von 100 Stück noch ein Sicherheitspuffer von 0,90 zu addieren ist. Der Sicherheitspuffer von 0,90 entspricht einem sogenannten z-Wert von 1,27. Wenn man nun die mittlere Abweichung von 30 Stück mit dem z-Wert multi­ pliziert (der z-Wert ist der Sicherheitsfaktor der Normalverteilung), dann ergibt sich eine Menge von 38 Stück.

Dies kann man ohne Probleme in Excel über den Funktionsassistenten mit NORMINV ausrechnen. Im konkreten Fall sind also 100 + 38 = 138 Blusen zu ordern. Dann sind die Kosten am geringsten und der zu erwartende Gewinn am höchsten. Probieren Sie es selbst einmal mit anderen Zahlen und Sie werden recht rasch die Zusammenhänge erfassen.

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