Lügenerkennung durch Micro Expressions – 1/3: Der Pinocchio-Effekt


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11.08.2015 4674 Leser 6 Debatten 509 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 17 Sekunden
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Wenn es darum geht, Menschen zu entschlüsseln, ist das Wissen über die Persönlichkeitsstile der Menschen von Bedeutung. Möchten wir aber etwas über einen Menschen und seine Prägung erfahren, müssen wir ihn genauer kennenlernen, und wir sollten uns mit ihm unterhalten.

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Der Heilige Gral der Kriminalpsychologie

Dabei wiederum ist es vorteilhaft, dass wir die Wahrheit erfahren und nicht belogen werden. Das Spannende daran ist: Die Lügenerkennung ist so etwas wie der Heilige Gral der Kriminalpsychologie.

Und zwar aus dem einfachen Grund, weil es keinen Pinocchio-Faktor gibt. Niemandem wächst eine lange Nase, weil er lügt. Es gibt zudem kein einziges Merkmal im Verhalten und dem Auftreten eines Menschen, das einen wirklich eindeutigen Hinweis auf eine Lüge darstellt – es sei denn, im Gesagten lassen sich inhaltliche Widersprüche feststellen.

Eindeutige Anzeichen gibt es nicht

Jeder, der sagt, dass es eindeutige Lügensignale bei Menschen gibt, hat entweder keine Ahnung von der Materie, ist fehlinformiert oder lügt selbst. Es existieren durchaus stichhaltige Hinweise auf eine Lüge, aber es gibt nichts Eindeutiges.

Bei der Suche nach Signalen für Lüge oder Wahrheit ist eines besonders wichtig: Das Setting – die Situation und die Umgebung, in der sich der Mensch befindet, der eine Aussage trifft, ist entscheidend.

Warum Foltern nichts bringt

Wir alle kennen die typischen Beispiele aus Kriminalfilmen, die uns glauben lassen, dass das Aufbauen eines gewissen Drucks auf eine verhörte Person hilft und ihr letztendlich die Wahrheit entlockt.

Dass dem nicht so ist, haben nicht zuletzt die brutalen Verhörmethoden in Guantanamo Bay bewiesen, die den Gefangenen weniger Wahrheiten als erhofft entlockten. Oft führt das Aufbauen von Druck sogar zu einem gegenteiligen Effekt.

Denn worum es bei der Suche nach der Wahrheit geht: Die Menschen dazu zu bringen, dass sie von sich aus beginnen zu erzählen – Druckaufbau und ein schnelles aggressives Herangehen führen dagegen in der Regel zu wenig nutzbaren Informationen.

Das Setting ist entscheidend

Will ich einschätzen, ob eine Person die Wahrheit sagt, sollte ich darauf achten, dass ich ihr ein gutes Setting gebe, also ein Umfeld, in dem sie sich wohlfühlt und in dem sie tatsächlich anfängt, Dinge zu berichten. Hat sie erst einmal mit dem Erzählen begonnen, kann dies dazu führen, dass sie Sachen verrät, über die sie zuvor geschwiegen hatte.

Bei der Wahl des Gesprächssettings ist auch der Persönlichkeitsstil des Menschen zu berücksichtigen. Handelt es sich um eine womöglich narzisstisch geprägte Person, kann es vorteilhaft sein, ihr das Gefühl zu geben, sie sei etwas ganz Besonderes.

Wie Sie Lügner entlarven

Ich habe kürzlich ein solches Gespräch mit einem jungen Mann geführt, der im Verdacht stand, in seinem Unternehmen anonyme Schreiben an Kollegen verschickt zu haben. Er berichtete sehr schnell davon, dass er bereits im Alter von 22 Jahren selbstständig eine Filiale seines Arbeitgebers leitete – worauf ich bewusst antwortete, dass das ja eine ausgesprochen beeindruckende Leistung sei.

Damit erfüllte ich bewusst die narzisstischen Bedürfnisse des Mannes. Bauchgepinselt begann er, mir Dinge zu erzählen, bei denen er sich unbeabsichtigt als Verfasser der anonymen Briefe verriet. Sein Fehler war, dass er in seinem narzisstischen Höhenflug Details nannte, die nur der Verfasser der verleumderischen Schreiben wissen konnte. Bei einer anderen Herangehensweise wäre es möglicherweise nicht gelungen, den jungen Mann so weit zu bringen, sich ungewollt zu verraten.

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