Die Lüge der digitalen Bildung – Teil 7: Schützenhilfe von der BILD-Zeitung – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Die Lüge der digitalen Bildung – Teil 7: Schützenhilfe von der BILD-Zeitung



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Ob im Wald oder in der Küche – besonders in der sensomotorischen Phase geht es um echte Sinneseindrücke, die entscheidend für die kognitive Entwicklung der Kinder sind.

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Hier schreibt für Sie: Prof. Gerald Lembke ist Studiengangsleiter für Digitale Medien an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Mannheim und Präsident des Bundesverbandes für Medien und Marketing… Profil

Brotbacken als sinnstiftendes Erlebnis

Der Pädagogik-Professor Ernst Schuberth zeigt in seiner Wohnung auf eine Mühle, die in der Küche steht – und erzählt eine Geschichte von einer Enkeltochter kurz vor der Schulreife.

„Für sie gab es nichts Schöneres, als das Korn mit der Mühle zu mahlen, die Zutaten zu vermischen, den Teig zu kneten … und am Ende stand da das Brot mit Butter und Salz auf dem Tisch – ein volles, sattes, sinnliches Erlebnis.“

Solche Erlebnisse warten für Kinder an jeder Ecke des Lebens:  Daher hat Brotbacken nichts mit Nostalgie zu tun, sondern kann einer von vielen Schritten sein, damit sich Kinder gesund entwickeln.

Tablets vermitteln keine kognitiven Fähigkeiten

Genau um solche realen Erlebnisse werden kleine Kinder betrogen, wenn Eltern glauben, Sendungen wie die Teletubbies würden „erste kognitive Fähigkeiten“ vermitteln, wie es die BpB auf ihrer Website schreibt.

Das Gegenteil ist der Fall, sobald die „Verbindung mit der Realität“ leidet, wie Ernst Schuberth erklärt:

„Wenn ein kleines Kind in seinen Bewegungen und Sinneswahrnehmungen zu wenig geschult wurde, kann es später mit dem Willen Denkprozesse weniger steuern. Was ich aber mit der Hand und dem eigenen Körper getan habe, schlägt sich sofort im Gehirn nieder. Jede Bewegung und jeder Sinneseindruck verändere die Struktur des Gehirns, was genau die kognitive Entwicklung sei, die ein Kind zu leisten hat.“

Die Verantwortung der Eltern

Diesen Aussagen kann Prof. Thomas Fischer nur zustimmen. Er hat die Welt in vielen Facetten studiert und drei Studienfächer abgeschlossen (Betriebsökonomie, Jura und Psychologie). Seit 2011 ist er Lehrbeauftragter für Führungspsychologie, und zwar an der Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz. Daher hat er einen Überblick, wohin einseitigen Entwicklungen in der Kindheit führen und sagt:

„Meine Sorge ist es, dass die Digitalisierung den Kindern zu wenig Raum gibt, sich wirklich physisch im Leben einzuleben. Es ist viel einfacher, ein Kind vor die Flimmerkiste zu setzen, als mit ihm draußen im Wald spazieren zu gehen, wo man einen Tannenzapfen aufheben und fortwerfen kann. Zu Beginn des Lebens werden motorische Schemata neurophysiologisch aufgebaut, die großen Verbindungen im Gehirn. Daraus ergibt sich eine erhebliche Verantwortung für die Eltern: Ich kann nicht die ganze Zeit vor dem Computer sitzen und erwarten, dass meine Kinder fröhlich ohne Elektronik spielen. Die Kinder wollen das, was Papa und Mama machen. Wenn die Erwachsenen dauernd das iPhone vor der Nase haben, wird das Kind versuchen, dieses Verhalten einfach nachzuahmen.“

Schützenhilfe von der Bildzeitung

In dieser Frage bekommt Fischer Schützenhilfe aus einer erstaunlichen Ecke. Die Bild-Zeitung sorgt sich auch um das Wohl der Kinder, die im digitalen Zeitalter groß werden. Sie stellt in einer Überschrift am 09. September 2014 die Frage:

„Ab wann braucht mein Kind ein Smartphone? Vor dem dritten Geburtstag sollte kein Kind ein mobiles Gerät in die Hand bekommen – auch nicht das der Eltern.“

Digitale Welten sind Surrogate

Fazit: Kinder unter drei Jahren haben vor der Glotze nichts zu suchen. Schluss, aus, fertig. Das gilt genauso für Tablets, Smartphones und alle anderen Gadgets, die angeblich für Kinder im digitalen Zeitalter unverzichtbar sind.

Der Irrglaube: Je früher Kinder über Tablets wischen, desto besser sind sie präpariert, um später digitale Medien effizient zu nutzen. Wer das behauptet, übersieht einen entscheidenden Unterschied: Digitale Welten sind keine realen Welten. Sie sind ein Surrogat, ein Ersatz für wirkliche Erfahrungen in der Realität.

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