Die Lüge der digitalen Bildung – Teil 4: Das Video-Defizit


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07.05.2015 1069 Leser 5 Debatten 458 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 54 Sekunden
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Kleinkinder sind nicht in der Lage, zwischen einer realen Situation und dem Geschehen auf einem Bildschirm zu unterscheiden (»Video-Defizit«). Daher ist die Interaktion mit den Eltern so wichtig. kinder-medien

Interaktion mit den Eltern

Sind Kinder  zwischen 12 und 18 Monate alt, fällt es ihnen aber leichter, Informationen einer realen Person zu verarbeiten, als Inhalte aus dem Fernsehen zu verstehen. Die Kinder erinnern sich auch besser, wenn ihre Eltern mit ihnen direkt gesprochen haben.

Das deckt sich mit Erkenntnissen aus der Entwicklungspsychologie: Schon das Neugeborene bringt grundlegende Fähigkeiten zur sozialen Interaktion mit, wie Hellgard Rauh schreibt.

Die grundlegenden Fähigkeiten

Dazu zählen: eine Präferenz für die menschliche Stimme, die Vorliebe für das menschliche Gesicht, das Interesse an dynamischen Stimuli sowie auditiven und visuellen Informationen. Das Kind unterscheidet zwischen einer Dingwelt und einer Personenwelt: Es betrachtet Objekte als Informationsquellen, denen es „lange, konzentriert und angespannt“ seine Aufmerksamkeit schenkt – und sich dann plötzlich abwendet.

Ganz anders ist das Verhalten bei Menschen, die als Interaktionspartner gesehen werden, wie Rauh erklärt:

„Mit ihnen ist es entspannter, zeigt lebhaftere Mimik, Lippen- und Zungenbewegungen (…), positive Laute (Gurren) und Lächeln sowie ein rhythmisches Blick- und Vokalisationsverhalten, sogar Handbewegungen, die wie Vorformen von Geste wirken.“

Machen Medien dumm?

Doch die AAP stößt bei ihren Schlussfolgerungen auf ein erkenntnistheoretisches Problem, das die Organisation nicht verschweigt: Die Daten zeigen nur eine Korrelation auf, die zwischen Entwicklungsdefiziten und Medienkonsum besteht.

Wussten Sie schon, dass Zweijährige auf Bildschirmen nichts begreifen? Damit ist aber noch kein Kausalzusammenhang nachgewiesen, etwa nach dem schlichten Motto „Fernsehen macht dumm!“. „Werden Kinder mit Sprachproblemen öfter vor den Fernseher gesetzt?“, fragen die Kinderärzte. Oder: „Fühlen sich Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit stärker vom Bildschirm angezogen?“

Kindgerecht oder nicht ist nicht wichtig

Aus diesen Fragen würde sich die Notwendigkeit ergeben, weitere Forschungen intensiv zu betreiben. Ein Aspekt sticht bei den Empfehlungen der AAP besonders ins Auge: Die Frage nach einem kindgerechten Fernsehprogramm tritt in den Hintergrund; die Ärzte diskutieren nicht in erster Linie, welche TV-Inhalte für Kleinkinder geeignet sind. Ihre Kritik setzt viel grundsätzlicher an, weil sie „jede Form der Nutzung elektronischer Medien“ für fragwürdig halten – speziell bei unter Zweijährigen.

Das ist ein klares Statement, das wahrscheinlich die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) nicht unterschreiben würde: Unter der Überschrift „Fernsehen schon für Wickelkinder?“ greift sie die Diskussion um die Sendung Teletubbies auf, die vor ein paar Jahren für Zweijährige im öffentlich-rechtlichen Kinderkanal KIKA lief.

Die Wirkung der Erziehung wird unterschätzt

Die BpB stellt fest:

„An den Befürchtungen vieler Eltern kann man erkennen, dass die Wirkung des Fernsehens in der Regel überschätzt und der eigene erzieherische Einfluss häufig unterschätzt wird.«

Die Sendung wolle „erste kognitive Fähigkeiten vermitteln“, es gehe um das „Wahrnehmen, Denken und Sprechen“ der jungen Zielgruppe.

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