Krisen & Umbrüche als Chance – Teil 4: Übergangsrituale


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03.03.2015 157 Leser 5 Debatten 509 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 53 Sekunden

Eine Krise stellt sich für viele schwer und unüberwindbar dar. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es sich häufig um ein Übergangsritual handelt, an dessen Ende wie bei einem Inititationsritus ein Neuanfang steht.

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Krise als machtvolles Mittel der Transformation

Brigitte Breternitz sagt: Vor dem Punkt zu stehen, nicht mehr zu wissen, welcher Schritt nun der nächste sein sollte oder konnte angesichts der wirtschaftlichen Lage, bedeutete für mich den Beginn der ganz großen Krise. Ich hielt meine Arbeit schlicht und ergreifend für sinnlos. Selbstzweifel und Ratlosigkeit wurden bald zum tragen-den, mich täglich begleitenden Gefühl während der Arbeit. Trotz meiner schier endlosen Energie war ich kraftlos.

Joachim Faulstich spricht in seinem überaus lesenswerten Buch Das Innere Land ausführlich von solchen Erfahrungen, die er als »machtvolles Mittel der Transformation« bezeichnet.

Der Klassiker unter den Büchern, die sich mit solchen Prozessen befassen, ist zweifelsohne Les rites de passage von Arnold van Gennep.

Initationsrituale auf dem Weg zum Erwachsenwerden

Das auf Deutsch als „Übergangsriten“ erschienene Grundlagenwerk der Kulturanthropologie beschreibt das grundlegende Schema von Initiationen auf eine Weise, die sich auch auf berufliche und persönliche Krisen anwenden lässt.

Initiationsrituale, beispielsweise die der Aufnahme der Jugendlichen in den Stand der Erwachsenen, folgen seit uralten Zeiten einem dreiteiligen Schema: Trennung vom Alten, Wandlung innerhalb der Unsicherheit »zwischen den Welten« und schließlich das Ankommen im Neuen.

Krisenmuster: Abschied, Verunsicherung, Neuanfang

Genau dieses Muster können wir bei Krisen beobachten: Einer Zeit des Abschieds vom Bisherigen folgt eine Phase der Verunsicherung, in der sich keine festen Größen zur Orientierung anbieten.

Wird dieser Abschnitt mit allem Bangen und Hoffen durchlebt, scheint irgendwann ein Licht am Horizont auf: eine neue Idee, neue Angebote, neue Wege des weiteren Handelns.

Archaische Inititation

Die Krise ist beendet, ein neuer Abschnitt lockt und kann – wie in den Initiationsritualen seit jeher üblich – gebührend gewürdigt und gefeiert werden. Wie lange die einzelnen Phasen dauern, ist höchst unterschiedlich.

In alten Traditionen, in denen die Jugendlichen eines festgelegten Tages aus dem Dorf verbannt, vielleicht Proben ihrer Tapferkeit unterzogen und schließlich nach einer Zeit der Entbehrungen als Erwachsene zurück ins Dorf gebracht werden, sind solche Prozesse zeitlich klar umrissen.

Im Leben gibt es keinen Terminplan

Ist es hingegen das Leben, das uns solche Wandlungszeiten auferlegt, gibt es keine Terminpläne. Ich kenne Fälle, in denen eine Krise, sogar wenn sie von einem Coaching begleitet wurde, Jahre des Misserfolgs auslöste.

Irgendwann aber kam doch der Erfolg, und dann größer als je erträumt. Er schien im Verborgenen gereift zu sein und hatte wohl zunächst viel vom nicht mehr stimmigen Alten wegräumen müssen, bis er strahlend hervortreten konnte. Meist allerdings durchlaufen die Menschen – vor allem, wenn sie sich professionell unterstützen lassen – die drei Phasen etwas zügiger.

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