Interview mit Petra Mühlbauer, Director Human Resources von Edenred Deutschland – 2/2: „In so einem Unternehmen würde ich nicht arbeiten wollen!“


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19.03.2015 325 Leser 4 Debatten 779 Wörter Lesezeit: 5 Minuten, 27 Sekunden
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Edenred Deutschland wurde kürzlich für sein Mitarbeiter-Engagement wiederholt unter die Top-100-Arbeitgeber beim Great-Place-to-Work-Award gewählt. Im zweiten Teil des Interviews geht es um Sport, Gesunde Ernährung – und darum, dass Unternehmen nicht zu sehr in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter eingreifen sollten.

Petra Mühlbauer ist Human Resources Director von Edenred Deutschland. Nach Führungspositionen in der Hotellerie in Österreich und Asien studierte sie Psychologie und Bildungswissenschaften an der Fernuniversität Hagen und arbeitete studienbegleitend als HR Consultant. Seit 2011 verantwortet sie das Personalmanagement für Edenred Deutschland GmbH, die sich auf staatlich geförderte Arbeitgeberzuwendungen in Form von Essensgutscheinen und Gutscheinkarten zur Mitarbeiterbindung spezialisiert hat. An den Standorten München, Wiesbaden und Hamburg betreut sie insgesamt 100 Mitarbeiter.

Frau Mühlbauer, wie sieht es mit der Ergonomie der Arbeitsplätze aus?

Wir haben bereits, als wir das Gebäude bezogen haben, an die Ergonomie der Arbeitsplätze gedacht. Dazu wurden Lampen mit Tageslichtleuchten installiert, Bio-Swing-Stühle und höhenverstellbare Schreibtische angeschafft wie auch unsere Bildschirme verstellbar sind mit augenschonender “ Auflösung.

Wir geben regelmäßig Infos zum ergonomisch richtigen Arbeitsplatz heraus, so dass die Mitarbeiter auch wissen, in welchem Winkel sie ihren Schreibtisch einstellen sollen.

Für Abteilungen, die besonders viel telefonieren, gibt es spezielle Schallschutzmaßnahmen. Gerade sind wir dabei, die Zahl der Grünpflanzen zu erhöhen, um das Raumklima noch zu verbessern.

Außerdem haben wir einen Massagestuhl gekauft, der im Ruheraum steht und den die Mitarbeiter immer mal zwischendurch nutzen können, um zu relaxen und hinterher wieder fitter und motivierter an die Arbeit zu gehen.

Haben Sie eigene Sporträume?

Nein, aber im Nachbargebäude ist ein Fitnessstudio. Das Officegelände bietet einen Swimmingpool und wir haben eine abgetrennte Dusche. Diese ermöglicht es z.B. Mitarbeitern, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen.

Und der Pool wird genutzt?

Ja, im Sommer springen einige Mitarbeiter in der Mittagspause hinein. Nach der Arbeit kommen manche nochmal mit ihren Kindern vorbei, um hier zu baden.

Wie gehen Sie mit den Rauchern im Unternehmen um?

Raucherräume gibt es bei uns nicht. Raucher gehen dafür an die frische Luft.

Von Google oder Facebook ist bekannt, dass sie Mitarbeitern sogar kostenloses, gesundes Essen bieten – wie sieht das bei Edenred aus?

Die Mitarbeiter erhalten von uns einen steuerbegünstigten -Menüscheck mit dem Wert von 6,00 Euro pro Arbeitstag. Diese Ticket Restaurant-Gutscheine können dann in den umliegenden Restaurants, Supermärkten und Bäckereien eingelöst werden. Unsere Mitarbeiter können so frei wählen, was sie zu Mittag essen möchten.

Wir durchforsten allerdings die Speisekarten der Restaurants und geben Tipps zur gesunden Ernährung. Dazu arbeiten wir mit externen, zertifizierten Ernährungsberatern zusammen.

Einmal jährlich, am 16. Oktober, also am Welternährungstag, kommt ein Ernährungsberater zu uns ins Unternehmen – eine Aktion die wir konzernweit durchführen. Wir versuchen unsere Mitarbeiter dann, zum Beispiel mit einem Quiz spielerisch an das Thema heranzuführen und so z.B. für Inhaltsstoffe und Nährwertgehalt von Lebensmitteln zu sensibilisieren. Außerdem geben wir eine Anleitung und Richtwerte für eine korrekte BMI-Messung an die Hand.

Außerdem haben wir eine Kommunikationsplattform mit dem Namen E-Lunch. Unser Geschäftsführer lädt dort einmal im Quartal Mitarbeiter oder auch Teams zum gemeinsamen Kochen ein. Dabei werden gemeinsame Projekte besprochen und Fragen der Mitarbeiter im lockeren Gespräch beantwortet. Auch hier versuchen wir, möglichst gesunde Speisen auf den Tisch zu bringen.

Gleichzeitig waren diverse US-IT-Unternehmen auch in der Kritik, weil sie sich sogar in die Familienplanung Ihrer Mitarbeiter einmischen – Stichwort Social Freezing. Sehen Sie eine Gefahr, dass sich Unternehmen zu stark in die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter einmischen könnten?

Ich sehe da keine Gefahr. Wir schreiben den Mitarbeitern ja nichts vor. Eine gewisse Gruppendynamik gibt es natürlich immer und da muss jeder eben auch selbst überlegen, inwieweit er sich hier mitziehen lässt.

Arbeitgeber sollten mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn Mitarbeiter dies benötigen, nicht mehr und nicht weniger. Unternehmen müssen flexibel sein, um auf Mitarbeiter einzugehen, wenn diese um Unterstützung bitten. Daher ist eine offene Unternehmenskultur wichtig, die das Miteinander fördert.

Ich bin allerdings gegen fertige Unternehmensprogramme, bei denen den Mitarbeitern Essen und gesundheitsbewusstes Verhalten diktiert oder diese sogar überwacht werden. Außerdem wäre das sicher auch ein Problem mit dem deutschen Arbeitsrecht.

Aber auch in Deutschland überwacht die erste Krankenkasse mittlerweile gesundheitsbewusstes Verhalten mit Smartwatches…

Wenn ein Unternehmen mit der Einstellung an den Start geht, dass bei ihm nur junge, dynamische, schlanke Nichtraucher arbeiten sollen, dann wünsche ich dem Unternehmen trotzdem viel Erfolg, glaube aber nicht, dass so eine Position auf Dauer am Markt zu halten ist. Ich würde in so einem Unternehmen auch nicht arbeiten wollen.

Wir haben z.B. eine Auszubildende mit einer körperlichen Beeinträchtigung, die voll integriert ist. Wenn wir etwa Ausflüge und Aktivitäten planen, dann nur solche, an denen sie auch teilnehmen kann. Mitarbeiter suchen sich sehr wohl den Arbeitgeber aus und sprechen auch darüber, was im Unternehmen passiert – da sind wir wieder beim Employer Branding. Daher ist es ungeheuer wichtig, hier als Arbeitgeber aktiv zu sein.

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