Interview mit Dr. Peter Rohrbach, cellent AG: „Eine fundierte IT-Ausbildung ist wichtig“


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27.07.2015 642 Leser 4 Debatten 997 Wörter Lesezeit: 7 Minuten, 16 Sekunden
Offenlegung: Die cellent AG hat uns finanziell Unterstützt.  
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Dr. Peter Rohrbach ist Vorstand der cellent AG, einem IT-Beratungs- und Systemhaus. Im Interview erzählt er, warum sein Unternehmen ausbildet und warum auch ältere Mitarbeiter in der IT dringend gebraucht werden.

Vor seiner Berufung zum Vorstand 2013 war Rohrbach international als Bereichsleiter, CFO und COO verschiedener Unternehmen tätig, unter anderem 15 Jahre lang in mehreren internationalen Führungspositionen im Siemens-Konzern. Sein Ansatz ist es, das gut etablierte IT-Beratungshaus mit Hauptsitz in Stuttgart voranzutreiben. cellent profitiert dabei von Rohrbachs internationaler Erfahrung als CFO & COO verschiedener Unternehmen, u.a. im Siemens-Konzern. Kunden schätzen seinen pragmatischen Ansatz und sein Know-how in Finance, Operations und Vertrieb.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Wir beschäftigen in der Summe etwa 530 Mitarbeiter an insgesamt 11 Standorten, davon 8 in Deutschland.

Und wieviele sind davon Auszubildende?

Wir bilden insgesamt immer etwa 25 – 35 junge Leute aus. Im Schnitt also jährlich etwas mehr als 10. Davon 7-8 in Rahmen einer dualen betrieblichen Ausbildung, die anderen im Rahmen eines Trainee-Programms. Das sind in der Regel Hochschulabsolventen aus IT-nahen Studienfächern.

Wie viele übernehmen Sie davon?

Wenn es nach uns ginge, 100 Prozent. Wer nach Berufsausbildung oder Trainee-Programm bleiben will, kann das tun.

Wir machen allerdings auch die Erfahrung, dass unsere Fachkräfte, nachdem sie die ersten Berufsjahre nach der Ausbildung hinter sich gebracht haben, abgeworben werden – zum Beispiel durch Jahresgehälter, die 10.000 oder 20.000 Euro höher liegen, als wir zahlen können, ein Gehaltssprung, der auf den ersten Blick natürlich erst einmal attraktiv wirkt.

Tatsächlich schreckt solche Abwerbung viele Unternehmen ab, überhaupt in eine Ausbildung zu investieren. Wie gehen Sie mit dem Problem um?

Ja, auch wir stellen fest, dass die Loyalität den Unternehmen gegenüber geringer wird, der Arbeitsmarkt wird zunehmend dynamischer. Wir versuchen hier, entsprechend attraktive Rahmenbedingungen zu bieten und ein gutes Image aufzubauen, um Mitarbeiter zu halten. Einige Auszubildende wollen auch studieren, hier geben wir manchmal etwas dazu.

Außerdem bilden wir ausschließlich am Standort Aalen aus, weil hier die Bindung der Mitarbeiter an die Region hoch und die Konkurrenz geringer ist als zum Beispiel in Stuttgart oder München. Dort hätte aus unserer Sicht Ausbildung überhaupt keinen Sinn, die Mitarbeiter wären sofort weg.

Lohnt sich die Schaffung von Ausbildungsplätzen oder Trainee-Programmen überhaupt für ein Unternehmen?

Ja, wenn die Mitarbeiter lange genug bleiben: Wenn Fachkräfte nach ihrer Ausbildung mindestens drei Jahre im Unternehmen sind, amortisieren sich die Kosten.

Nach vier bis fünf Jahren hat es sich für uns als Unternehmen wirklich gelohnt.

Welche Fähigkeiten, Fachkenntnisse und welche Ausbildung sollten IT-Mitarbeiter heute mitbringen?

Unsere Trainees verfügen über ein technisches Hintergrundwissen, so dass wir sie aufgrund ihrer Erfahrung sehr bald auch in Projekten einsetzen können. Die Auszubildenden sind in der Regel jünger und bringen entsprechende Vorerfahrung meist nicht mit – sie werden daher langsam an den Projekteinsatz herangeführt.

Was aber immer wichtiger wird, sind kommunikative Fähigkeiten: Im stillen Kämmerlein alleine ungestört vor sich hin werkeln kann in der vernetzten Arbeitswelt von heute kaum noch einer. Denn viele IT-Projekte werden heute agil entwickelt, Stichwort Scrum.

Das bedeutet, dass alle Entwickler im In- und Ausland, nicht nur die Projektleiter, ständig miteinander und auch mit dem Kunden kommunizieren müssen. Die Entwickler müssen verstehen, was der Kunde will, der Kunde muss verstehen, was die Entwickler gerade tun. Kommunikative Fähigkeiten auch bei Entwicklern werden also immer wichtiger, die Anforderungen an IT-Mitarbeiter steigen.

Umgekehrt sind die Fachkräfte aber auch sehr fordern: Weil Sie um den rasanten technologischen Wandel wissen, wollen sie zunehmend anspruchsvolle Projekte übernehmen, bei denen sie sich weiterbilden können.

Bietet das Chancen für Quereinsteiger aus anderen Bereichen?

Nur bedingt: Es kommt auf den Bereich an: Die Detailtiefe für das Prozess- und IT-Verständnis in Marketing und Vertrieb sind sicherlich von den jeweiligen Fachbereichen zu unterscheiden. Hier stehen betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Verständnis vom Kerngeschäft des eigenen Unternehemens und der Kunden, gesunder Menschenverstand und die Fähigkeit, strukturiert zu denken, im Vordergrund.

Je mehr Applikationswissen jedoch gefragt ist, desto wichtiger wird auch ein fundierter IT-theoretischer Hintergrund. Wenn man beispielsweise SAP Basis beherrscht, kann man sich auch zügig in SAP HANA einarbeiten. Ohne dieses grundlegende Hintergrundwissen reicht es jedoch nicht aus, mal eben in einem Buch gelesen zu haben.

Umgekehrt gilt aber: Je mehr Fachwissen man hat, desto einfacher ist es sich nochmals in neue Entwicklungen einzuarbeiten. Das ist auch bei dem derzeitigen schnellen Wandel dringend nötig.

Es gibt einen Trend, Mitarbeiter im Ausland zu suchen – wie sieht das bei Ihnen aus?

Das machen wir auch, bevorzugt auf dem Ost-Europa, wo es hervorragend ausgebildete Fachkräfte gibt. Etwa 15 Prozent unserer Mitarbeiter stammen aus dem Ausland. Allerdings ist die deutsche Sprache häufig ein Problem: Viele Kunden, selbst bei großen Konzernen, wollen Ihre Wünsche erfahrungsgemäß dann doch lieber auf Deutsch und nicht auf Englisch äußern. Das darf man nicht vergessen.

Wie sieht es mit älteren Mitarbeitern in der IT aus? Angeblich hat man ja mit 45 schon keine Chance mehr…

Das so generell zu sagen ist Quatsch und hängt wie immer vom Kenntnisstand ab. Die jungen Leute lernen heute Java und .Net, von denen ältere Semester oft nur geringe Kenntnisse haben.

Dafür wissen die Jüngeren oft nicht einmal mehr, was Fortran, Cobol, LISP, sind. Doch in vielen großen Unternehmen basieren die Legacy IT-Systeme auf solchen Programmiersprachen. Gerade Banken, aber auch Automobilhersteller haben oft dieses Problem.

Und diese Black Boxes kann kaum noch einer warten bzw. supporten. Daher sind hier oft 60jährige mit solchen Kenntnissen heißbegehrte Spezialisten. Darüber hinaus stellen wir aber auch gezielt ältere IT-Mitarbeiter ein, da deren Erfahrungswissen unbezahlbar ist, ob es nun Projekterfahrung, betriebswirtschaftliches und methodisches Know-How oder Prozesswissen ist.

Welchen Weg raten Sie jungen Menschen, die in der IT arbeiten wollen, weil sie immer wieder hören, dass es dort Fachkräftemangel gibt?

Auch wenn es für Unternehmen nicht unbedingt angenehm ist: Viele junge Leute machen zuerst eine betriebliche Ausbildung und wollen dann noch studieren. Mit diesem Ausbildungsweg bekommen sie das Beste aus beiden Welten.

Wer jedoch auch Spaß an der Theorie und Systemarchitekturen entwickelt, sollte auf jeden Fall an einer Universität oder Hochschule studieren. Die Chancen stehen gut, da Entwickler und IT-Berater heute in immer mehr Bereichen gesucht werden – denken Sie nur an die wachsenden Anteile der IT in allen möglichen Bereichen wie z.B. Fahrzeugen, Energieerzeugung und –verteilung etc.

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