Integrität als Persönlichkeitsstil: Besser nicht wie Karl-Theodor zu Guttenberg? – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Integrität als Persönlichkeitsstil: Besser nicht wie Karl-Theodor zu Guttenberg?


Über Uns: Top500-Blog & Akademie, laut DIE ZEIT & Wikipedia eines der meistgelesenen HR-Blogs. Wir begleiten Kunden seit 1,5 Jahrzehnten im Wandel der Arbeitswelt (was unser Name bedeutet).
Bildrechte: Bildmaterial im Rahmen einer Kooperation kostenlos zur Verfügung gestellt von Shutterstock.com.

Integrität ist kein Persönlichkeitsstil – aber ein Indiz, wozu wir mit unserer Persönlichkeit letztendlich fähig sind und wozu nicht. Das zeigt sich nicht zuletzt auch am Beispiel Karl-Theodor zu Guttenberg.

Erfolg & Management  Köpfe Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg Erfolg Resilienz


Bildung Karriere Zukunft - Berufebilder.de-Autoren-Profil
Hier schreibt für Sie: Dr. Jens Hoffmann ist Kriminalpsychologe und Experte für Profiling. Profil

Was ist Integrität?

Integrität an sich ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu zähl:

  • Verlässlichkeit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Leistungsbereitschaft

Es handelt sich also um eine psychologische Dimension, die sich aus verschiedenen psychischen Aspekten zusammensetzt.

Wer einmal lügt…

Interessant daran ist Folgendes: Egal, ob jemand zum Beispiel am Arbeitsplatz ein aggressives Verhalten zeigt, oder ob er es mit den Pausenzeiten nicht so genau nimmt – wer auch nur ein einziges solches nicht integres Verhaltensmuster zeigt, hat eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, dass er noch weitere nicht integre Verhaltensweisen aufweist.

Allem Anschein nach verbirgt sich hinter dem Begriff Integrität die Antwort auf die Frage, wie sehr ein Mensch dazu bereit ist, Grenzen zu überschreiten – oder wie wenig es ihn andererseits interessiert, was die Folgen seines Handelns für andere sind. Men- schen mit niedriger Integrität ist es also egal, wenn andere zu Scha- den kommen.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Ein sehr gutes Beispiel für eine als Gelegenheitsergreifer beschriebene Person stellt Karl-Theodor zu Guttenberg dar – der ehemalige deutsche Verteidigungsminister, der über die Plagiatsaffäre im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit stolperte und daraufhin sein Amt verlor. Dass Guttenberg den Drang besaß, etwas Besonderes zu sein, ließ sich schon in Interviews mit ihm feststellen – er hat es nämlich nicht sehr diskret verborgen.

Da gab es etwa einen Afghanistan-Besuch, der fast wie eine Fernsehshow inszeniert wurde und den manche Medien folgerichtig als Guttenberg-Show bezeichneten. Der Freiherr flog nicht einfach nach Afghanistan und sprach mit den Truppen. Mit dabei war unter anderem Fernsehmoderator Johannes B. Kerner, der den Minister auf einer zwischen Militärhubschraubern und Flugzeugen eigens aufgebauten Bühne zum Gespräch bitten durfte.

Man muss natürlich einräumen, dass Guttenberg ein für einen Politiker sehr charismatisches Auftreten hatte. Vor allem aber wurde nicht zuletzt durch die Show am Hindukusch ersichtlich, dass Außenwirkung für Guttenberg einen sehr hohen Stellenwert besaß.

Der Plagiatsskandal als Beispiel für fehlende Integrität

Als zu Beginn des Jahres 2011 die Verdächtigungen hinsichtlich seiner Doktorarbeit öffentlich diskutiert wurden, stritt er zunächst einmal alles ab. Das stellte sich hinsichtlich des Krisenmanagements als schlicht katastrophal heraus.

Weil ihm seine Außenwirkung so wichtig war, äußerte er sich immer wieder in Form von Rationalisierungen. Dieser Begriff steht in der Psychologie dafür, dass Erlebtem nachträglich vernünftig erscheinende Erklärungen zugeschrieben werden.

Im Fall Guttenberg drückte sich das so aus, dass er die ihm vorgeworfenen Plagiate etwa derart erklärte, er habe an unterschiedlichen Orten unterschiedliche Datenträger genutzt und sei so am Ende einfach durcheinandergekommen, welche Inhalte von ihm und welche von anderen stammten.

Rechte & Regeln gelten nur für andere?

Zudem habe seine Familie massiven Druck auf ihn ausgeübt. Alles zusammen ist dies ein Beispiel für massive Rationalisierungsversuche, die vermutlich eine Integritätsdimension seiner Persönlichkeit darstellen. Zeitgleich kam dabei seine Überzeugung zum Ausdruck, ihm stünden gewisse Sonderrechte zu.

Der Fall zeigt deutlich, wie jemand in der Lage ist zu glauben, ihm stehe alles zu und Rechte und Regeln gälten nur für die anderen – aber nicht für ihn. Der ausgeprägte Narzissmus allein würde im Fall Guttenberg nicht als Erklärung ausreichen. Hinzu kamen noch Rationalisierungsstrategien im Hinblick auf das eigene Han- deln, wie das Verharmlosen und Rechtfertigen.

berufebilder

Mehr HR-News & Tipps? Gerne sprechen wir auch persönlich mit Ihnen über Ihr Anliegen!


Der Debatten-Monitor bündelt 25.000+ Leserstimmen zu unseren Beiträgen auf B E R U F E B I L D E R, in Social Media & im Netz - aktuelle Debatten abonnieren. Viele unserer Beiträge entstehen durch Leser-Anregung: Schlagen Sie Ihr Thema vor!

Meinungen abonnieren per RSS oder (erforderliche URL!) Bitte die Debatten-Regeln einhalten, Beiträge müssen freigeschaltet werden. Fotos sind via Gravatar möglich, Ihre eMail-Adresse bleibt geheim.

    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. ☀ Elmar Fischer ☀
    ☀ Elmar Fischer ☀

    Integrität als Persönlichkeitsstil: Besser nicht wie Karl-Theodor zu Guttenberg? (Beitrag via Twitter) QBblzJpEVe

  2. kanzlei-job
    kanzlei-job

    Integrität als Persönlichkeitsstil: Besser nicht wie Karl-Theodor zu Guttenberg?: Integrität ist kein Persönli… (Beitrag via Twitter) AzLMSghvpH

  3. KompetenzPartner
    KompetenzPartner

    Integrität als Persönlichkeitsstil: Besser nicht wie Karl-Theodor zu Guttenberg?: Integrität i… (Beitrag via Twitter) zgslRUG6Fd #Beruf #Bildung

  4. Thomas Eggert
    Thomas Eggert

    Integrität als Persönlichkeitsstil: Besser nicht wie Karl-Theodor zu Guttenberg? via B E R U F E B I L D E R (Beitrag via Twitter) 9Ra5YlEvee

  5. Berufebilder
    Berufebilder

    Integrität als Persönlichkeitsstil: Besser nicht wie Karl-Theodor zu Guttenberg? – (Beitrag via Twitter) 0T2D8K4tec

  6. Simone Janson
    Simone Janson

    Integrität als Persönlichkeitsstil: Besser nicht wie Karl-Theodor zu Guttenberg? – (Beitrag via Twitter) m2dVXveZfq

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.