Das Geheimnis optimaler Führung – 6/7: Allwissend sein ist kein Vorteil


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23.03.2015 127 Leser 9 Debatten 553 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 14 Sekunden
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Chefs sollten stets den Überblick haben über das große Ganze um optimale Führungsentscheidungen zu treffen. Das bedeutet nicht, dass Sie wie ein Lexikon alles wissen müssen – schon gar nicht alles was unwichtig ist. studium-fachrichtung

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Wichtiges von Unwichtigem trennen

Es ist die Aufgabe eines jeden Chefs, Strategien festzulegen, Ziele zu definieren, Entscheidungen zu treffen. Was Sie nicht müssen: Perfekt Bescheid wissen über alle Nebensächlichkeiten. Denn dann besteht die Gefahr, dass sie vom Mitarbeiter als wandelndes Lexikon missbraucht werden.

Herr Euler ist Bereichsleiter in einem Musikverlag und sitzt an der jährlichen Strategieplanung, die er heute Abend im Managementteam vorstellen möchte. Sein Telefon klingelt, obwohl er Frau Duck ausdrücklich angewiesen hatte, keine Anrufe durchzustellen.

Gefragt zu werden, schmeichelt!

Der neue Trainee ist dran: „Chef, ich hab da ein Problem. Ich soll doch Kontakt aufnehmen zu Sir Simon Rattle. Sie kennen den doch persönlich. Ist er noch an der Berliner Philharmonie?“ Herr Euler ist äußerst geschmeichelt, dass es auch zum Neuling durchgedrungen ist, dass er mit den Größen aus künstlerischem und gesellschaftlichem Leben per Du ist.

Jovial antwortet er dem Grünschnabel, dass Sir Simon zwar noch in Berlin ist, zur Zeit aber für einige Wochen in London arbeitet. Noch schnell ein paar Anekdoten erzählt und schon ist eine halbe Stunde rum. Mit einem „Freut mich doch immer, wenn ich helfen kann“ legt Herr Euler den Hörer auf. Netter Junge, denkt er noch und wendet sich wieder seiner Planung zu.

Vorsicht Allwissensheits-Perfektionismus!

Das war ja noch einfach für Herrn Euler. Doch seine größte Sorge ist es, von einem Mitarbeiter einmal dabei erwischt zu werden, nicht Bescheid zu wissen. Immer und jederzeit auf dem neuesten Stand ist seine Devise. Vierzehn Abos für Kulturmagazine und Fachzeitschriften laufen auf seinen Namen. So ist er mit Kenntnissen zu den absurdesten Dingen ausgestattet. Und die werden von jedem und jederzeit auch abgefragt. Seine Mitarbeiter sind schon gar nicht mehr daran gewöhnt, den eigenen Grips anzustrengen.

Wo Sir Simon zur Zeit seine Musik macht, hätte der Trainee innerhalb von 0,12 Sekunden googeln können. Hat er aber nicht. Denn er wollte sich ein wenig einschmeicheln. Respekt! Schon nach wenigen Wochen im Verlag sieht er klar, wie der Hase läuft. Denn Herrn Euler geht es gar nicht darum, seinen Mitarbeitern zu helfen. Er braucht nur deren Achtung, Aufmerksamkeit und Zuwendung

Wandelnde Nachschlagewerke begeben sich in Gefahr

Dass Chefs zum Chef wurden, weil sie mehr wussten als alle anderen, war vielleicht vor hundert Jahren so. Heute geht es darum, Ziele festzulegen, die Richtung vorzugeben – das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Was Herr Euler macht, ist hingegen ein Armutszeugnis! Noch dazu setzt er sich unter Druck. Denn längst hat er seine Mitarbeiter konditioniert, direkt abrufbares Wissen mit Führungsqualität zu verwechseln. Wenn er dann mal etwas nicht weiß, ist er sofort unten durch und als Chef nicht mehr anerkannt. Es ist nun mal so: Wer den netten Kollegen mimt, kann kein Vorgesetzter sein.

Was stattdessen tun?

Lassen Sie sich von Ihren Mitarbeitern nicht als wandelndes Nachschlagewerk missbrauchen. Niemand muss alles Wissen parat haben, man muss nur wissen, wie man an die Information herankommt. Und das kann auch der Trainee. Bringen Sie Ihren Leuten bei, ihren eigenen Kopf zu gebrauchen. Dann haben Sie Zeit für Ihre eigentlichen Aufgaben als Chef.

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