Wie Frauen in Führungspositionen scheitern – 3/4: Weg mit dem Kleinmädchen-Schema


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16.07.2015 379 Leser 9 Debatten 725 Wörter Lesezeit: 5 Minuten, 0 Sekunden
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„Erkennen“ kommt von „kennen“

Caroline, Führungskraft im Marketing eines Industrie­unternehmens und Hauptverdienerin ihrer Familie, war bei mir im Coaching, um ihre Seniorität zu verbessern. Sie hatte gemerkt, wie sie trotz ihrer gehobenen Position von Menschen, die sie nicht gut kannten, häufig unterschätzt und nicht ernst genommen wurde.

Sie kam in den letzten Wochen vor der Geburt ihres zweiten Kindes zu mir, da sie sich die Zeit für das Coaching im Mutterschutz gut einteilen konnte. Auf gleiche Art und Weise regelte sie in den wenigen Wochen vor der Geburt noch gewissenhaft die wichtigsten Dinge, damit die Abteilung nahtlos weiterarbeiten konnte. Das war besonders wichtig, da sie bald nach ihrer Rückkehr aus dem Mutterschutz die konzernweite Gesamtverantwortung des Marketings übernehmen sollte.

Wie ein kleines Mädchen…

Wenige Wochen vor Beginn des Mutterschutzes bekam sie einen Anruf vom Betriebsarzt, dass „er mit ihr ja laut Gesetz ein Gespräch zu führen habe, wann sie denn dafür Zeit habe“. Caroline schmunzelte über das offensichtlich zur Schau getragene motivationsarme Pflichtgefühl und vereinbarte einen Termin.

Der Arzt betrat ihr großzügiges Büro und nahm den von Caroline angebotenen Platz in der Gesprächsecke des Raumes ein. Dann begann er ihr zu erklären, dass sie zu ihrem eigenen Schutz im Mutterschutz vom Intranet der Firma abgekoppelt werden würde, das hieße, sie würde dann völlig frei von E-Mails die erste Zeit als Mutter genießen können. Sie könne dann nach dem Mutterschutz ganz entspannt wieder zur Firma zurückkehren.

Abgekoppelt von der Kommunikation

Caroline war entsetzt! Sie fragte sich insgeheim, wie das gehen solle, den Transfer zu schaffen, wenn sie keinen Zugriff auf die E-Mails hatte. Sie wusste, dass es für sie wesentlich entspannter sein würde, während der Mutterschutzzeit täglich eine Stunde konzentriert zu arbeiten, um die wichtigsten Angelegenheiten am Laufen zu halten!

Ob Männer, wenn sie Elternzeit nehmen würden, ebenfalls völlig abgekoppelt würden, fragte sie den Arzt. Nein, versicherte dieser, das sei ja auch etwas ganz anderes. Weiter erläuterte er ihr, dass sie das Recht auf Ruhezeiten habe und sich dafür gerne in seinem Arztzimmer hinlegen könne, sie müsse dafür auch nicht ausstempeln.

Die Wirkung machts

Caroline begann zu verstehen. Da sie ja schon beim ersten Kind miteinander gesprochen hatten, müsste er vermutlich wissen, dass sie längst außertariflich war und nicht mehr stempelte? Außerdem, fand sie, müsse ja das Ambiente ihres Büros für sich sprechen! Aber das alles schien nicht bei ihm anzukommen – ob er überhaupt wusste, wen er da vor sich hatte?

Wie kam das? Nun, ich konnte mir nur zu gut vorstellen, wie Caroline, äußerlich eine zierliche, junge Frau mit lockigem Haar, mit ihren großen Augen und ihrem zarten Stimmchen hochschwanger vor dem Arzt saß, der, offensichtlich ohne zuvor genau in die Personalakte geblickt zu haben, in ihr nur das „Mädchen“ sah, für das er väterlich-fürsorglich da sein wollte.

Expertise sichtbar machen

Selbst das große Büro hatte in ihm nicht den Verdacht geweckt, dass es das ihre sein könnte, weil sie in gehobener Position darauf Anspruch hatte, und sie daher auch in der Vorbereitung auf den Mutterschutz Anspruch auf einen anderen Umgang mit dem Thema gehabt hätte.

Caroline war es immerhin gut gelungen, in ihrem engeren Umfeld ihre Expertise sichtbar zu machen. Ihr nächster Vorgesetzter, der sie über die Jahre gut kennenlernen konnte, war längst im Bilde und wusste, was er an ihr hatte.

Vom Chef gefördert

Er hatte sie daher konstant gefordert und gefördert, sodass sie bereits mit ihren jungen Jahren eine erstaunliche Karriere vorzeigen konnte. Ihr mädchenhaftes Erscheinungsbild war lediglich dort ein Hemmnis, wo „mann“ sie nicht kannte. Sie brauchte tatsächlich immer viel Energie und Geduld, bis z.B. den Kunden klar wurde, wer sie war, weswegen sie sich für das Coaching entschlossen hatte.

Selbst innerhalb der Firma war sie trotz ihrer Position bei einigen Abteilungen nicht ausreichend bekannt. Sie hatte vor allem darauf hin gearbeitet, sich allein durch ihre Leistung „hochzuarbeiten“ und Anerkennung zu bekommen. Nur: Sie muss eben noch deutlicher zeigen, was sie leistet, damit diese Leistung auch wahrgenommen wird.

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