Existenzgründung, aber bitte disruptiv – Teil 8: Abenteuer Innovation? – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Existenzgründung, aber bitte disruptiv – Teil 8: Abenteuer Innovation?



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Innovation ist ein Risiko. Und ein Abenteuer. Immer. Doch in Deutschland wird gerne versucht, dieses Risiko von Anfang zu minimieren. Das kann nicht funktionieren.

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Hier schreibt für Sie: Simone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation. Profil

Risikomanagement statt Innovation

Bestes Beispiel ist ein Buch mit dem schönen Titel Titel „Abenteuer Innovation“, bei dem das Abenteuer leider vergleichsweise kurz kommt. Statt Existenzgründern Lust auf Kreativität und das Entwickeln eigener Ideen zu machen, geht es den Autoren vor allem um eines: Sicherheit vor allerlei Ungemach.

Risikomanagement nennen Manfred Cassens und Wolfram Meyer die Strategie, das Scheitern eines Unternehmens möglichst von vornerein durch perfekte Planung ausschließen zu wollen. Und obwohl der Leser auch zahlreiche nützliche Tipps zur Finanzierung und Vermarktung einer Idee erhält, zieht sich die Risiko-Vermeidungsstrategie wie ein roter Faden durch das gesamte Buch.

So etwa im Kapitel über den Schutz des geistigen Eigentums durch Markenschutz, Urheberrechte und Vertraulichkeitserklärungen. Die aber bieten, so müssen die Autoren am Ende zugeben, allenfalls eine Schein-Sicherheit: Denn in einer juristischen Auseinandersetzung zählt oft genug, wer den längeren finanziellen Atem hat und nicht, wer im Recht ist.

Der Titel widerspricht sich selbst

Ein Buch also, das seinen Titel selbst konterkarrikiert: Statt echte Innovation zu fördern und Lust auf das Abenteuer dabei zu machen, lernt der Leser, wie er um gute Ideen einen Stacheldraht zieht, der einerseits nur scheinbaren Schutz bietet, andererseits aber den Austausch und die Freiheit einschränken, die für Weiterentwicklung einer guten Idee dringend notwendig sind.

Das bedient konsequent die hierzulande vorherrschende Gründermentalität: Deutschland ist eben das Land der Perfektionisten und der Risikovermeider; dass Erfolg und Innovation auch von so unvorhersehbaren Faktoren wie Zufall und Glück abhängen, ist vielen schon zu abenteuerlich. Folgerichtig ist in „Abenteuer Innovation“ ist ein ganzes Kapitel mit „Erfolgsgeschichten sind kein Zufall“ überschrieben – ein sicherlich den Verkaufszahlen geschuldeter, doch gefährlicher Trugschluss, der suggeriert, Misserfolge von Ideen ließen sich mit akribischer Planung vermeiden.

Gute Zahlen, schlechte Zahlen

Seit 2007 etwa müssen Kapitalgesellschaften wie GmbHs ihren Jahresabschluss im zentralen Unternehmensregister veröffentlichen. Da können potentielle Gründer, abschätzen, wie gut das Unternehmen gerade dasteht und die Branche dastehen und wie rentabel letztlich ähnlichen Ideen sind.

Oder man holt Brancheninformationen bei Berufsverbänden oder Industrie- und Handelskammern ein, sucht im Internet nach Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung und Marktstudien – oder gibt diese selbst in Auftrag. Fallen die Zahlen dann schlecht aus, lässt man es mit dem Gründen oder der Investition, zumindest in dieser Branche. Fallen die Zahlen gut aus, werden gute Ideen nicht selten einfach kopiert – Patent hin oder her. Innovation? Fehlanzeige!

Die Statistiken der Zukunftsforscher

Auch Zukunftsforscher sind längst auf diesen Zug aufgesprungen und bieten für gutes Geld allerlei Statistiken, die die langfristige wirtschaftliche Entwicklung der nächsten Jahrzehnte vorher sehen sollen. Auf der Grundlage heutiger Entwicklungen beschreiben sie gesellschaftliche Veränderungsprozesse und versuchen daraus zu analysieren, wie sich die Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren weiterentwickeln wird. Daneben gibt es auch Aussagen zu den langfristigen großen Trends, sogenannten Megatrends, die in den nächsten 40-50 Jahren wichtig werden.

Dass es dann mit Sicherheit so sein wird, das können sie ebenso wenig garantieren wie eine Wahrsagerin beim Blick in die Glaskugel. Wofür man sie wirklich bewundern muss, ist die Fähigkeit, aus dem deutschen Sicherheitsbedürfnis Kapital zu schlagen.

Statistiken, Zahlen, scheinbare Fakten und – in ihrer absurdesten Ausprägung – Zukunftsforschung gaukeln Gründern eine nur scheinbare Sicherheit vor, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Die Geschichte ist voll von Erfindungen, die ihre Zeitgenossen zunächst völlig absurd fanden, die es aber zu Weltruhm brachten. Und noch voller von scheinbar todsicheren Geschäftsideen, die dennoch scheiterten und längst in Vergessenheit geraten sind.

Am Ende steht immer das Risiko

Doch ganz egal, welche Methode man anwendet, um den Markt im Vorfeld abzutasten: Am Ende ist Existenzgründung immer ein Risiko – und oft eine Schnapsidee. Niemand kann einem die Entscheidung dafür oder dagegen abnehmen. Man muss aber vor allem selbst von der Idee überzeugt sein, um auch andere zu begeistern.

Und auch wenn mancher Gründer vermutlich liebend gerne eine Glaskugel schauen würde, die ihm den Erfolg oder Misserfolg seiner Geschäftsidee prophezeit: Keine auch noch so ausgeklügelte Studie kann einem sagen, ob die eigene Geschäftsidee wirklich gut genug ist, um sich am Markt durchzusetzen. Umfragen können täuschen, Diskussionspartner ihre Meinung ändern und Trends sind – zumal im Internet – kurzlebig. Man muss es am Ende leider doch einfach ausprobieren. Und flexibel bleiben, um die Idee bei Bedarf noch Nachzujustieren. Das ist das Abenteuer Existenzgründung.

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