Erste Hilfe bei Kündigung: 10 Tipps für den Jobverlust

Bildung Karriere Zukunft - Berufebilder.de-Autoren-Profil
17.08.2015 1237 Leser 18 Debatten 958 Wörter Lesezeit: 6 Minuten, 10 Sekunden

Wir sind: Eines der 500 wichtigsten deutschen Blogs, laut DIE ZEIT & Wikipedia eines der meistgelesenen Jobblogs. Schwerpunkt: Digitaler Wandel in Bildung & Arbeitswelt.

Zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt, Aufweichen des Kündigungsschutzes, Schwächung von Betriebsräten und Gewerkschaften: Die Zeichen am Arbeitsmarkt stehen auf Sturm. Doch was kann man tun, damit man davon nicht weg geweht wird?

Jobsicherheit geht Stück für Stück verloren

Die Lockführer-Gewerkschaft hat sich in diesem Jahr in Deutschland ausgesprochen unbeliebt gemacht: Mit ihren ständigen Streiks legte sie zeitweise einen Großteil des Zugverkehrs lahm.

Doch allem Ärger zum Trotz: Das Streikrecht, Gewerkschaften und Betriebsräte sind Waffen, die sich Arbeitnehmer in zähen Auseinandersetzungen mit Unternehmen erkämpft haben. Und die eine gewisse Sicherheit garantieren.

Und genau die geht nun Stück für Stück verloren – Globalisierung, zunehmender Flexibilisierung der Arbeitswelt, Aufweichen von Rechten wie dem Kündigungsschutz und Entmachtung von Gewerkschaften und Betriebsräten.

Kündigung kann jeden Treffen

Dadurch kann eine Kündigung heute jeden treffen. Doch diese simple Aussage spendet den Betroffenen wenig Trost: Der Verlust des Arbeitsplatzes ist nicht nur ein finanzielles Problem, das oft noch durch staatliche Hilfen abgefedert wird.

Es ist häufig zusätzlich noch mit gesellschaftlicher Stigmatisierung, mitunter sogar mit Verlust des des Kollegen- und Freundeskreies verbunden. Kein Wunder also, dass der Verlust des Jobs für viele noch immer ein großer Schocks ist.

Schock & Stigmatisierung

Das gilt vor allem für diejenigen, die nie im Leben damit gerechnet hätten und dann trotz scheinbarer Sicherheit von heute auf morgen entlassen werden: Gerade noch ging man seinem Tagesgeschäft nach und jetzt sitzt man dem Chef gegenüber, der einem mit nüchternen Worten klarmacht, dass er in Zukunft auf die Arbeitskraft des oder der Betroffenen verzichten will. Doch wie soll man mit dieser Situation richtig umgehen?

Von einer Minute zur anderen ist plötzlich alles anders. Auch wenn das so schnell gar nicht in der ganzen Tragweite zu begreifen ist – es ist auf jeden Fall ein Schock.

Erste Reaktionen

So rät B E R U F E B I L D E R . D E -Autorin und Coach Isabel Nitzsche, ersteinmal abzuwarten, bis die erste Wut verraucht ist. Denn Wut und Ärger sollte man in solchem Momenten besser für sich behalten:

„Gestehen Sie sich ein, dass Sie unter Schock stehen und unternehmen Sie erst einmal nichts. Sie sind viel zu benommen, als dass Sie in der Lage wären, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Wenn Sie auf Konfrontationskurs gehen, wird Ihr Chef sich dagegen wehren und das wird nur die Basis für zukünftige Verhandlungen über die Rahmenbedingungen Ihres Ausscheidens verkleinern.“

Nichts unterschreiben!

Wichtig ist für die Krisen-Expertin aber vor allem eines: „Unterschreiben Sie in einer solchen Situation nichts, schon gar nicht einen Aufhebungsvertrag. Denn dessen Vereinbarungen sind verbindlich und können von Ihnen später nicht rückgängig gemacht werden!“

Wer gegen seine Kündigung klagen will, hat dafür drei Wochen Zeit. Kein Grund also, sich vom Arbeitgeber unter Zeitdruck setzen zu lassen, wenn es zum Beispiel um die Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages geht. Nitzsche erklärt:

„Warten Sie in Ruhe ab, bis sich der erste Schreck legt und Sie wieder einigermaßen klar denken können. Dann können Sie sich mit Vertrauenspersonen Ihrer Wahl, Ihrem Partner, Freunden, einem Coach und einem Anwalt besprechen. Abgesehen von sachlichen Fragen, die zu klären sind, hilft das Reden, den Schock besser zu verarbeiten.“

Sich auf die Kündigung vorbereiten

Doch auch im Vorfeld kann man sich auf eine mögliche Kündigung vorbereiten: Da heute eigentlich jeder damit rechnen muss, seinen Arbeitsplatz auch wieder zu verlieren, sollte man dafür sorgen, dass der Lebenslauf ein jederzeit verkaufbares Produkt sei – am besten, indem man sich ständig darüber informiert, welche Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.

Coach Isabel Nitzsche rät:

„Wer alle vier Wochen den Stellenmarkt in der Zeitung und Jobbörsen im Internet checkt, bekommt einen guten Überblick. Wenn die eigene Qualifikation nicht mehr gesucht ist, gilt es möglichst bald Korrekturen vorzunehmen und sich fachlich weiterzubilden.“

10 Tipps bei Jobverlust

Fakt ist: Eine Kündigung kann heutzutage jeden treffen – schnell, hart und schmerzvoll. Denn wer seinen Arbeitsplatz verliert, muss erstmal mit dem Schock fertig werden. 10 Tipps, wie Sie im Falle eines Falles reagieren und worauf Sie achten sollten.

  1. Augen auf! Wer ahnt, dass eine Kündigung droht, kann sich vorbereiten: Achten Sie darauf, was in Ihrer Firma passiert, klären Sie schwelende Konflikte – das hilft, unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
  2. Nur kein Aktionismus: Nicht aus Wut oder Angst irgendwie reagieren, sondern erstmal in Ruhe nachdenken und dann planvoll vorgehen.
  3. Nichts unterschreiben: Oft liegt beim Trennungsgespräch schon ein Aufhebungsvertrag fertig vorbereitet auf dem Tisch. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen: Wer überrumpelt den Aufhebungsvertrag unterschreibt, kann daran später nichts mehr ändern.
  4. Bedenkzeit erbeten: Verlangen Sie Bedenkzeit – mindestens von ein paar Tagen. In der Zwischenzeit sollten Sie für rechtliche Fragen eine Anwältin oder einen Anwalt einschalten und sich beraten lassen.
  5. Nur kein Selbstmitleid: Eine Zeit der Trauer gehört nach einem Jobverlust dazu. Vergeuden Sie aber keine Zeit mit unproduktiven Selbstvorwürfen, sondern überlegen Sie lieber mit Hilfe eines Coachs, ob Sie selbst Fehler gemacht haben und was Sie in Zukunft anders machen wollen.
  6. Sie sind nicht wehrlos: Selbst wenn Sie sich vom Jobverslust überrollt fühlen und das Gefühl haben, vor vollendeten Tatsachen zu stehen: Machen Sie sich klar, dass Sie etwas tun können!
  7. Denken Sie positiv: Schreiben Sie zunächst alles Negative an der Situation auf. Fragen Sie sich dann selbst: „Was kann ich selbst nicht ändern?“ und „Was kann ich aktiv dagegen tun?“
  8. Jede Hilfe nutzen: Sie müssen Sie nicht alles allein durchstehen. Suchen Sie sich Unterstützung im Privatleben. Ehemann, Partner, Freunde und Familienmitglieder können Ihnen zeigen, dass Sie als Mensch auch ohne Arbeit etwas wert sind. Professionelle
  9. Hilfe suchen: Oft kann die Familie nur Trost bieten. Ein Coach kann bei der Neuorientierung nach einer Krise helfen und in beruflichen Netzwerken erfahren Sie von neuen Jobchancen.
  10. Die Abfindung verhandeln: Ein Anwalt hilft nicht nur bei einer Klage, sondern berät Sie umfassend über Ihre Rechte – etwa wenn es um Ihre Abfindung geht: Anwälte wissen, welche verschiedenen Faktoren in Ihrer individuellen Situation eine Rolle spielen können und sie kennen die jeweils aktuell gültigen gesetzlichen Bestimmungen.
berufebilder

Der Debatten-Monitor bündelt 25.000+ Leserstimmen zu unseren Beiträgen auf B E R U F E B I L D E R, in Social Media & im Netz - aktuelle Debatten abonnieren. Viele unserer Beiträge entstehen durch Leser-Anregung: Schlagen Sie Ihr Thema vor!

Meinungen abonnieren per RSS oder (erforderliche URL!) Bitte die Debatten-Regeln einhalten, Beiträge müssen freigeschaltet werden. Fotos sind via Gravatar möglich, Ihre eMail-Adresse bleibt geheim.

    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. KompetenzPartner

    Erste Hilfe bei Kündigung: 10 Tipps für den Jobverlust: Zunehmende Flexibilisierung der Arbeit… (Beitrag via Twitter) Mubzm2El5e #Beruf #Bildung

  2. kanzlei-job

    Erste Hilfe bei Kündigung: 10 Tipps für den Jobverlust: Jobmarkt & Recruiting Stellenanzeigen, die wirklich e… (Beitrag via Twitter) OhZZc1QylX

  3. Thomas Eggert

    Erste Hilfe bei Kündigung: 10 Tipps für den Jobverlust via B E R U F E B I L D E R (Beitrag via Twitter) z4T0ogrgPN

  4. BEGIS GmbH

    Erste Hilfe bei Kündigung: 10 Tipps für den Jobverlust via B E R U F E B I L D E R (Beitrag via Twitter) UU0uUrZguw

  5. Kathrin Berger

    “ “Wer alle vier Wochen den Stellenmarkt in der Zeitung und Jobbörsen im Internet checkt, bekommt einen guten Überblick. Wenn die eigene Qualifikation nicht mehr gesucht ist, gilt es möglichst bald Korrekturen vorzunehmen und sich fachlich weiterzubilden.” “ – Das kann aber nicht jeder.

    • Berufebilder

      Warum nicht? Lebenslanges Lernen wird ja immer wichtiger. Die Crux ist ja eher, aus den tausenden von Angeboten das passende auszuwählen. Und man darf die Frage stellen, ob es wirklich eine formale Weiterbildung sein muss oder die Qualifikation auch autodidaktisch erfolgen kann. Hatte dazu kürzlich eine interessante Diskussion mit Anja C. Wagner und habe darüber auch in der WELT geschrieben.

    • Kathrin Berger

      zB. weil du zB. mit 50 nach nem 8,5 h-Tag nich mehr die Power dafür hast – von den Kosten für Kurse mal zu schweigen ??

    • Berufebilder

      Möglichkeiten der Umstruktierung im Job prüfen, andere Prioritäten setzen – sage ich aus eigener Erfahrung. Was die Kosten Angeht: Wozu gibt es MOOCS? Mal mit Anja Wagner von ununi.tv sprechen – auch zum Thema 50+ https://www.youtube.com/watch?v=GLCowfk_7K8

    • Kathrin Berger

      Ihr malt euch auch die Welt wie sie euch gefällt ..

    • Kathrin Berger

      Selbstausbeutung ist doch was „Feines“ 😉 ..

    • Kathrin Berger

      Im übrigen: dieses „ich vermute erstmal was Übles“ ist Zeichen dieser Zeiten ..

    • Berufebilder

      Ja, da hatte ich auch was zu gelesen: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/43404 Aber mal ehrlich: sonst wärs auch langweilig. Dann mal schönen Tag noch.

  6. Simone Janson

    Erste Hilfe bei Kündigung: 10 Tipps für den Jobverlust – (Beitrag via Twitter) CCfK6cFyzz

  7. BewerbungsBlog

    Sofortmaßnahmen bei Arbeitsplatzverlust: Job weg – was nun?

  8. Stefan Noa

    RT @SimoneJanson: Frisch gebloggt: Sofortmaßnahmen bei Arbeitsplatzverlust: Job weg – was nun?

  9. Simone Janson

    Frisch gebloggt: Sofortmaßnahmen bei Arbeitsplatzverlust: Job weg – was nun?

  10. KompetenzPartner

    Sofortmaßnahmen bei Arbeitsplatzverlust: Job weg – was nun?: Die Situation auf dem Arbeitsmarkt hat…

  11. Simone Janson

    Was tun bei Jobverlust? Sofortmaßnahmen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.