Karriere als Geisteswissenschaftler: Erfolgreich als Theaterwissenschaftler

Als ich 1998 begonnen habe, Theaterwissenschaft zu studieren, war die meistgestellte Frage an mich: Was macht man denn damit? Heute, elf Jahre später, ist die meistgestellte Frage derselben Leute: Wie bist du denn zu dem Beruf gekommen. Hast du nicht Theaterwissenschaft studiert?

Alles & Nichts?

Das fasst die Problematik des Studiengangs schon sehr gut zusammen. Wie die meisten Geisteswissenschaften ist Theaterwissenschaft alles und gar nichts. Am wichtigsten ist immer noch, was man selbst aus dem Studium für sich herauszieht und vor allem durch welche Praktika und Werkstudentenjobs man sich schließlich für den ein oder anderen Werdegang entscheidet.

Zuerst einmal aber das Allerwichtigste für alle, die überlegen diesen Studienweg einzuschlagen: der Studiengang heißt TheaterWISSENSCHAFT! Viele, ganz viele um genau zu sein, übersehen dieses Wort geflissentlich bei der Immatrikulation und werden dann enttäuscht.

Theorie statt Praxisbezug

Allein in meinem Jahrgang haben nicht einmal die Hälfte aller Erstsemester die Zwischenprüfung absolviert, weil sie sich schließlich doch für einen praxisbezogenere Studiengang oder eine Ausbildung entschieden haben. Wer glaubt, während eines Theaterwissenschaftsstudiums Schauspielkurse, Filmpraxis, szenische Praktika oder Regieseminare belegen zu können, liegt falsch. Richtig ist, dass solche Angebote an den Instituten durchaus als quasi „Praxisgoodie“ vorhanden sind, bei weitem aber nicht den Großteil des Studium ausmachen.

Der Schwerpunkt an den theaterwissenschaftlichen Instituten liegt auf der Vermittlung von theoretisch-analytischen und historisch-kritischen Kenntnissen vom Theater. Die Studierenden setzen sich vor allem in Grundstudium mit Geschichte, Analyse, Methodik, Theorie und Ästhetik aller theatralen Sparten auseinander. Dazu gehören Schauspiel, Musiktheater, Tanz, Performance, Figurentheater sowie Kinder- und Jugendtheater. Wie in meinem Studienort München werden an den meisten Instituten zusätzlich auch viele filmwissenschaftliche Seminare angeboten. Nach der Zwischenprüfung hat man schließlich die Möglichkeit sich auf die bevorzugte Theaterart zu spezialisieren.

Wo kann man studieren?

Theaterwissenschaft kann man in Deutschland zur Zeit an der Universitäten München, Berlin (FU), Leipzig, Mainz, Lingen/Ems, Gießen und Bochum studieren- meist mit Bachelor- oder Masterabschluss. Weitere Universitäten bieten gemischte Studiengänge wie Medien- und Theaterwissenschaft oder Schwerpunkte z.B. auf Tanz- oder Musiktheater an. Die vermittelten Inhalte sind an den Instituten unterschiedlich.

Bevor man sich daher für ein Institut entscheidet, sollte man die angebotenen Seminare gründlich vergleichen und nach Interessen entscheiden. Auf jeden Fall kann man sich schon einmal darauf einstellen, eine ganz große Menge an Drehbüchern und Theaterstücken aus sämtlichen Epochen lesen zu müssen bzw. zu dürfen. Mein Tipp: Die Praxisseminare sind sehr begehrt, daher heißt es hier jedes Semester wieder aufs Neue: der Schnellste sein. Lohnt sich immer!

Rüstzeug für den Kulturbereich

Aus meine Warte kann ich nur sagen: Theaterwissenschaft war mein Traumstudium. Ich habe neben einem breit gefächerten Wissen zu Geschichte, Gesellschaft, Kultur und Kunst der letzten 500 Jahre auch die Fähigkeit mitgenommen, strukturiert und eigenverantwortlich zu arbeiten, schnell zu analysieren und flüssig Texte zu verfassen. Welchen Berufsweg man nach diesem Studium einschlägt, hängt viel von den persönlichen Vorlieben ab.

Das Rüstzeug um im kulturellen Bereich Fuß zu fassen, wird auf jeden Fall während des Studium vermittelt. Tätigkeiten in der Schauspieldramaturgie, Film- und Seriendramaturgie, Theaterpädagogik, Theater- und Kulturkritik, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, im Verlagswesen oder in künstlerische Betriebsbüros sind nicht selten. Da Theaterwissenschaft kein genaues Berufsbild hat, sind die Möglichkeiten vielfältig. Wo man schließlich landet hängt auch –wie eingangs bereits erwähnt- sehr stark von den Praktika und Studentenjobs ab, die man macht. Nur durch das Ausprobieren während des Arbeitens in unterschiedlichen Sparten von Theater, Film, Fernsehen, Verlag etc. kann man im Ausschlussverfahren herausfinden, was passt und was nicht.

Was wird aus Theaterwissenschaftlern?

Und das ist schließlich aus meinen fünf liebsten Kommilitonen geworden: Journalistin bei der Süddeutschen, Radio- und Synchronsprecher, Mitarbeiter bei diversen Filmfesten, Schauspieler und Angestellte bei einer Künstleragentur. Ich selbst habe mich gleich nach dem Studium selbstständig gemacht und arbeite jetzt als freie Redakteurin für unterschiedlichen Online Magazine, veranstalte regelmäßig Modeevents mit theatralen Elementen und bin im Vorstandsvorsitz eines kleinen Verlags.

Bei der Theaterwissenschaft gewinnt eben die Vielfalt. Dann mal viel Vergnügen bei der Berufswahl!

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  12. Simone Janson

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