Emotionale Killerphrasen in der Kommunikation – Teil 2: Nur ein Film?


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17.09.2015 449 Leser 4 Debatten 679 Wörter Lesezeit: 4 Minuten, 35 Sekunden
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Lassen Sie uns gedanklich ins Kino gehen: Kino erzeugt Emotionen. Und die passen nicht jedem. Sie mit „Das ist doch nur ein Film“ abzuwürgen, wäre grundfalsch. Erfolg & Management  Sympathie Vertrauen Dialog Smalltalk

Was fürs Herz

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Es läuft etwas fürs Herz! Titanic! Es kommt, wie es kommen muss. Der Dampfer bricht auseinander, Tausende finden den Tod, unter ihnen auch unser Held Jack, der von Leonardo di Caprio gespielt wird und mit dem Jack in unserem Gehirn weder verwandt noch verschwägert ist.

Wir blicken an dieser Stelle auf die letzte Stuhlreihe im Kinosaal: Ein klassisch rollenverteiltes Paar sitzt dort. Er ist ein Macho alter Schule und seine Begleiterin ist so etwas wie der Schrecken aller männlichen Fans von Actionfilmen, nämlich eine nahe am Wasser gebaute Heulsuse. Folgendes spielt sich ab:

„Ist doch nur ein Film“

Er (denkt sich): »Sensationelle Special Effects! Wahnsinn, wie haben die das bloß gemacht? Der Cameron hat den halben Dampfer nachbauen lassen. Und als das Ding vorhin auseinandergebrochen ist, da ist einer vom Heck abgestürzt und an der Schiffsschraube abgeprallt, bevor er ins Meer fiel! Irre, was man mit Computern heute alles machen kann!« Sie (schluchzend): »Mein Gott, ist das furchtbar! Und soooo traurig!« Er (mit einem missbilligenden Seitenblick): »Komm Schatz, stell dich nicht so an! Ist doch nur ein Film!«

Meine Damen, haben Sie das schon einmal gehört? Kennen Sie das? Meine Herren, haben Sie das schon einmal gesagt? Und eine andere Frage: Haben Sie es schon jemals erlebt, dass die Gnädigste auf diesen Spruch folgendermaßen reagiert hat:

Sie (mit plötzlicher Erkenntnis und euphorischer Stimme): »Ha! Richtig!! Du hast recht! Hurra, schon geht’s mir besser!!«

Der Klassiker: Mann-Frau-Kommunikation

Niemals! Viel wahrscheinlicher ist es doch, dass sie sich fragt, mit was für einem abgebrühten Kerl sie im Kino gelandet ist. Genau hier steigen wir in die genauere Betrachtung von emotionalen Killerphrasen etwas tiefer ein. Sie verzeihen mir übrigens, dass ich eine sehr stereotype Situation aus dem Gebiet Mann-Frau-Kommunikation gewählt habe. Alles, was folgt, trifft natürlich auf beide Geschlechter zu.

Wenn Sie sich als Frau einmal einer emotionalen Killerphrase bedienen möchten, dann müssen Sie nur mit ihrem Partner in einen klassischen Männerfilm, zum Beispiel ein Weltuntergangsszenario à la Terminator II gehen und wenn sich dann die Maschinen und die letzten auf der Erde verbliebenen Menschen bekämpfen, fragen Sie ihren Begleiter ganz selbstbewusst und trocken, ob der ganze Film nicht doch »ein wenig unrealistisch« sei.

Wir können mit den Emotionen anderer nicht umgehen

Wie schon im ersten Teil dieser kleinen Reihe gesagt: Wir sind es im Allgemeinen nicht gewohnt, mit den Emotionen anderer, wenn wir ihnen begegnen, anerkennend oder würdigend umzugehen.

Je nach Naturell, Stimmungslage oder augenblicklicher Toleranzschwelle benutzen wir früher oder später Sprachmuster, die unterschwellig – oder besser gesagt auf einer Metaebene – folgende Botschaft vermitteln: »Ich sehe dich. Ich nehme wahr, dass du emotional bist. Ich komme damit nicht zurecht und darum möchte ich, dass du bitte sofort aufhörst, diese Emotion zu haben oder zu zeigen!«

Machen wir uns klar: Nichts anderes steckt auch hinter der Formulierung »Ist doch nur ein Film!«

Warum emotionale Killerphrasen?

Aus diesem Grund nennen wir Sprachmuster dieser Art auch emotionale Killerphrasen. Abgesehen davon, dass die Filmindustrie pro Jahr etliche Milliarden von Dollar umsetzt, eben weil sie Emotionen erzeugt – was dem Satz »Ist doch nur ein Film!« an sich bereits eine gewisse Absurdität verleiht – erreicht der Sender solcher Worte sein Ziel nicht.

Niemand hört aufgrund einer derartigen Aufforderung auf, Emotionen zu haben! Und zwar schlicht und einfach, weil die Emotion, in dem Augenblick, in dem sie gezeigt wird, ein körperlicher Zustand, eine physiologische und neurologische Tatsache ist, ein Cocktail von Neurotransmittern im limbischen System. Diesem Cocktail ist es ziemlich egal, ob jemand seinem Besitzer zugesteht, diese Emotion haben zu dürfen!

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