Deutschlands beliebteste Manager: Brauchen wir ein Chef-Ranking?

Führen heißt auch, seine Mitarbeiter mitzunehmen, Vertrauen & Respekt zu gewinnen. Glassdoor hat jetzt erstmals die beliebtesten Manager ausgezeichnet. Doch worauf kommt es eigentlich beim richtigen Führen an? Wie repräsentativ sind solche Auszeichnungen? Und welche Auswirkungen hat sie auf Führungskräfte?

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Kapitän im Abenteuerland Unternehmen

F.A.Z.-Redakteur & B E R U F E B I L D E R . D E -Autor Carsten Knop schreibt in seinem Buch „Gescheiterte Titanen“:

Die Welt der Unternehmen ist ein Abenteuerland. Wer diese Welt betritt und durch Phantasie, Können und Glück zur Führungskraft wird, kann viel bewegen. Vom tristen Himmel ist dann keine Spur, besonders dann nicht, wenn sich der Erfolg einstellt.

Um den aber nachhaltig zu erreichen, wollen und müssen die Mitarbeiter mitgenommen werden – unter der Flagge ihres Unternehmens und ihres Chefs gleichermaßen. Der Chef muss die emotionale Kraft, die aus der Beziehung seiner Mitarbeiter zum Unternehmen und zu ihm selbst entsteht, aber auch zulassen, auf diese eingehen und in die richtige Richtung lenken. Dafür braucht er eine Menge Kraft. Und der Erfolg, so er sich denn einstellt, ist dann wahrlich keine Entschuldigung für schlechtes Benehmen, sondern eine Aufforderung als Coach, also als Trainer seines Teams, künftig noch besser zu werden.

Beliebteste Manager werden anonym online gewählt

Tatsächlich hat die Job- und Karriere-Community Glassdoor offenbar Manager ausgemacht, die diese Kriterien erfüllen und hat die 10 beliebtesten Manager Deutschlands 2015 mit dem Glassdoor-Award für Mitarbeiterzufriedenheit ausgezeichnet. Im Rahmen der Auszeichnung „Highest Rated CEOs 2015“ wurden auch Manager in den USA, Großbritannien und Kanada geehrt.

Dabei konnten Mitarbeiter den Führungsstil ihres Geschäftsführers bewerten und die Frage beantworten, ob sie ihren Geschäftsführer befürworten oder nicht. Darüber hinaus werden die Mitarbeiter gebeten, weitere Faktoren zu bewerten, die mit ihren Erfahrungen aus ihrem Arbeitsverhältnis zusammenhängen.

Dabei betont Glassdoor, dass der Award ausschließlich auf den Beiträgen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beruht, die an einer anonymen Online-Umfrage zur Arbeitgeberbewertung teilgenommen haben. Die Umfrage steht allen Beschäftigten ganzjährig offen. Damit stellt sich aber auch die Frage, wie repräsentativ und überprüfbar die Ergebnisse sind, denn es wäre ja ohne zweifel Möglich, Mehrfachbewertungen abzugeben.

Der Algorithmus dahinter

Die Gewinner wurden indes mithilfe eines von Glassdoor erstellten Algorithmus ermittelt – sehr transparent ist das nicht. Jede einzelne Geschäftsführerbewertung wurde anhand der Menge und des Inhalts der Bewertungen erstellt, die von in Deutschland angestellten Arbeitnehmern bis einschließlich 21. April 2015 gepostet worden sind. Berücksichtigt wurden nur Unternehmen mit mindestens 20 Bewertungen der Geschäftsführung und Führungsebene.

Der Einfachheit halber werden die Geschäftsführerbewertungen  gerundet, genau wie in der Liste zum Award für Mitarbeiterzufriedenheit. Die Berechnungen selbst zur Bestimmung des Rankings berücksichtigen jedoch Werte über das Tausendstel hinaus. Gab es bei einem Unternehmen im Jahr 2015 mehrere Geschäftsführer, wurden die Geschäftsführer anhand des Glassdoor-Unternehmensprofils mit Stand vom 21. April 2015 ausgezeichnet.

Vorbildfunktion oder Show-Einlage?

Man darf sich also auch ruhig fragen, wie repräsentativ eine solche Bewertung überhaupt ist. Interessant ist dieses Ranking allemal: Wie in der Politik werden nun einzelne Manager aus dem anonymen Unternehmen herausgelöst und öffentlich quasi zur Schau gestellt. Personenwahl statt Teamleistung also.

Das kann andere Manager durchaus dazu ermutigen, den eigenen Führungsstil zu überdenken und zu verbessern – für das eigene Image und das des Unternehmens. Es kann jedoch auch zu noch größer Selbstdarstellung unter den Managern führen – auch das kennen wir ja aus der Politik.

Deutschlands beliebteste Manager

In der Liste der beliebtesten Manager 2015 aus der Sicht deutscher Mitarbeiter sind Geschäftsführer aus sehr unterschiedlichen Branchen vertreten, darunter unter anderem die Fertigungs- und Automobilindustrie, Softwareentwicklung, Versicherungen sowie Sportartikelhersteller. Die Top 5 belegen in dieser Reihenfolge:

  1. Volkmar Denner von Bosch (mit einer Befürwortungsrate von 92 %)
  2. Norbert Reithofer von BMW (91 %)
  3. Dieter Zetsche von Daimler (87 %)
  4. Pierre Nanterme von Accenture (86 %)
  5. Kai Wawrzinek von Goodgame Studios (86 %).

Was macht gute Manager aus?

Doch was macht gute Manager eigentlich aus? Das wird vielleicht am besten dann klar, wenn wir uns klar machen, woran so viele scheitern. Und auch das erklärt Carsten Knopp in seinem Buch:

Das Problem ist, dass viele Chefs auf dem Weg nach oben gelernt haben, keine Gefühle mehr zuzulassen, und das Gespür für ihre Mitarbeiter verlieren. Es ist also genau das Gegenteil von dem, was in der heutigen Welt nötig wäre, die von einer atemlos schnellen Digitalisierung aller Wirtschaftsprozesse gekennzeichnet ist. Ihre Kraft aber setzen diese gescheiterten Titanen für andere Dinge ein. Das, was sie in den Machterhalt investieren und manchmal gar für ein Leben im Luxus, führt zu einer Erosion ihres Rufs. Sie machen sich und damit auch ihre Mitarbeiter zu Gefängnisinsassen in einem bestehenden System. Sie haben nicht verstanden, dass ein Anführer Orientierung geben muss. Das Ergebnis ist desolat – und sorgt dann doch für einen tristen Himmel im Abenteuerland der Wirtschaft.

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