Bewerbung & Personalauswahl Bad Practice: Frauen gehören an den Herd?

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15.06.2015 2853 Leser 14 Debatten 499 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 0 Sekunden

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Frauenquote und Gleichberechtigung sind immer wieder Gegenstand heftiger Diskussionen. Doch weder im Job noch im Privatleben sind wir schon so weit wie viele meinen. Einblicke in die Personalauswahl in einem deutschen Unternehmen. job-interview

Offener Brief an einen Personaler

Kürzlich gab es auf Edition F einen aufsehenerregenden offenen Brief von Leserin Anne-Lu zu lesen. Aufmerksam wurde ich darauf durch Nina Kalmeyer via Facebook. Gerichtet war der Brief an den Personaler eines – leider nicht genannten – Unternehmens, bei dem die junge Frau wegen eines Jobs vorstellig geworden war.

Die Bewerbungsunterlagen hatten offenbar überzeugt, die Bewerberin war zum Assessment Center eingeladen worden, hatte auch hier überzeugt. In der letzten Runde waren nur noch sie und ein weiterer männlicher Kandidat übrig, beide mussten eine Präsentation halten.

So läuft Personalauswahl in Deutschland auch

Die Beschreibung sagt viel darüber, wie Personalauswahl in Deutschland tatsächlich läuft:

„An dem Tisch saßen vier Männer und eine Frau. Sie war die Gleichstellungsbeauftragte und schaute mich lächelnd an. Ich gab dir die Hand und stellte mich vor… Alle machten sich Notizen. Niemand fragte weiteres zu meiner Familie, oder zu unserem Lebensmodell.“

Frauen gehören an den Herd?

Die Konstellation taugt ja durchaus zur Einschüchterung, vor allem wenn sich die Herren am Tisch nichtmal vorstellen. Aber der dicke Hund an dieser Schilderung kommt noch: Die Frau hat den Job, man ahnte es schon, nicht bekommen. Hinter vorgehaltener Hand teilte man ihr mit, das sie nach Meinung der Personaler zu unflexibel für einen 40-Stunden Job sei – wegen ihrer zwei Kinder.

Dass die Kinderbetreuung vollständig durch Kita und Ehemann organisiert war, hatte sie dabei nichtmal interessiert — sie hatten einfach die Schublade im Kopf aufgemacht und die Bewerberin hineingesteckt. Fertig. Die krasseste Aussage des Textes aber steckt für mich in einem Nebensatz:

„Der Haken seien meine Kinder. Der Mitbewerber hätte auch eines, aber da sei die Frau zu Hause.“

Tiefsitzende Vorurteile in den Köpfen

An dem Beispiel zeigt sich ganz klar, dass es hier nicht etwa um Flexibiliät bei der Kinderbetreuung ging, sondern schlicht um vorgeschobene Argumente und tiefsitzende Vorurteile. Und es zeigt einmal mehr, wo wir beim Thema Gleichberechtigung in Deutschland wirklich stehen – aller Diskussion zum Thema Frauenquote zum Trotz.

Vielleicht wäre es tatsächlich besser gewesen, Anne-Lu hätte das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz bemüht und gegen diese offensichtliche Diskriminierung geklagt – das ganze medial begleitet. Dann wäre der Name des besagten Unternehmens als abschreckendes Beispiel durch die Presse gegangen und hätte vielleicht bei dem einen oder anderen Personaler mit ähnlicher Haltung zumindest zu einem gewissen erschreckten Nachdenken geführt.

Persönlich verstehe ich sehr gut, dass sie sich diesen Stress, der zudem richtig teuer ist, erspart hat. Und wer möchte schon in einem Unternehmen arbeiten, in das er sich eingeklagt hat. Allerdings zeigt sich so nur einmal mehr, dass die vermeintlichen privaten Probleme vieler Bewerber durchaus auch eine politische Dimension haben. Und dass man deshalb darüber sprechen muss. Also gehen wir es an!

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  1. Thomas Maier

    Dies ist ein besonders negatives Beispiel für misslungene Personalauswahl. Es wurde zwar ein aufwändiges AC durchgeführt, beim persönlichen Gespräch wurden jedoch große Fehler gemacht, wodurch die Aussagekraft des Auswahlprozesses dahin ist.

    Grundsätzlich soll das Gespräch dazu dienen, alle Zweifel zu beheben. So hätte in diesem Fall das Thema Flexibilität aufgrund der Kinder angesprochen werden müssen. Werden unklare Punkte in einem persönlichen Gespräch nicht angesprochen, wird die Entscheidung später aufgrund von Mutmaßungen getroffen und genau das soll ja ausgeschlossen werden.

    Unternehmen können für die Personalauswahl auch externe Berater hinzuziehen, damit genau solche Fälle vermieden werden. Durch eine professionelle Personalauswahl entscheiden sich Arbeitgeber sicher für den richtigen Kandidaten oder die richtige Kandidatin und die positive Außenwirkung des Personalauswahlprozesses ist auch nicht zu verachten.

    • Simone Janson

      Hallo Herr Maier,
      danke für Ihren Beitrag, das haben Sie sehr schön auf den Punkt gebracht. Man fragt sichcauch, warum die Bewerberin überhaupt noch eingeladen wurde. Ihre Eigenwerbung habe ich aber raus genommen.

  2. Karrierefaktor

    Frauenquote & Gleichberechtigung sind häufig Diskussionenthema. Doch wir sind noch nicht so weit wie viele meinen. (Beitrag via Twitter) lqBZ1o21iV

  3. Ulrike Englmann

    #Frauen gehören an den Herd (Beitrag via Twitter) 41E46abFpl #Recruiting

  4. Nina Kalmeyer

    Bewerbung & Personalauswahl Bad Practice: Frauen gehören an den Herd? | B E R U F E B I L D E R – (Beitrag via Twitter) bb6Lee1fN7 “Der Haken sei…

  5. Thomas Kujawa

    akt. Schlagzeile der #HR News: Bewerbung & Personalauswahl Bad Practice: Frauen… (Beitrag via Twitter) hvIvQlsv5q, see more (Beitrag via Twitter) H88sxxtE7e

  6. Nico Schilling

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  7. Dr. Bernd Slaghuis

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  8. St_Hornung

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  9. kanzlei-job

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  10. KompetenzPartner

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  11. Thomas Eggert

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  12. Berufebilder

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  13. Simone Janson

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