Die Macht der versteckten Signale – Teil 4: Der Händedruck als Gradmesser – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Die Macht der versteckten Signale – Teil 4: Der Händedruck als Gradmesser



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Die Begrüßung mit Handschlag ist in unseren Breiten üblich. Ihre Herkunft ist klar: Wenn wir dem anderen die Hand zum Gruß reichen, zeigen wir ihm auch, dass wir keine Waffe halten, dass wir in friedlicher Absicht kommen.

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Vielschichtige Begrüßungsrituale

Da wir aber nicht mehr in den einfachen Mustern unserer Steinzeitvorfahren denken – „Waffe = Feind, keine Waffe = Freund –, ist unser Begrüßungsritual sehr viel vielschichtiger geworden. Die Rolle der Augen haben wir dabei schon behandelt.

  • Wie aber verhalten sich unsere Hände?
  • Wie verbergen wir die bösen Absichten?
  • Was lässt unser Gegenüber erahnen, dass wir doch den ein oder anderen Pfeil im Köcher haben?

Knochenbrecher-Händedruck

Da ist zunächst der „Knochenbrecher“-Händedruck. Das schönste Lächeln, die freundlichsten Worte werden vom Schmerzenslaut übertönt, wenn uns jemand die Hand fast zerquetscht.

Die Person beweist dadurch nicht nur Stärke, sondern auch mangelndes Feingefühl: So ein Handschlag wird als Angriff, als Verletzung aufgefasst – und ist es auch tatsächlich, wenn wir Minuten später noch immer den Druck verspüren und kaum fähig sind, unser Glas zu halten.

Dieses Machtgehabe erstickt ein Gespräch oft schon im Keim. Man versucht, den „Kraftprotz“ so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Der kalte Fisch

Das Gegenteil des „Knochenbrechers“ ist der „kalte Fisch“: Die Hand des anderen verweilt sekundenlang ohne jede Regung und Anzeichen von Leben in der unseren. Wir schließen dabei auf völliges Desinteresse des anderen.

Wir sind ihm keine Gefühlsäußerung wert, er möchte uns nicht spüren, nicht näher mit uns in Kontakt kommen. Wenn dieser Händedruck in Verbindung mit dem vorhin beschriebenen krampfhaften Lächeln auftritt, ist die Hürde zu einem offenen Gespräch schon fast unüberwindbar.

Die Hand in der Tasche

Behält ein Mann beim Händeschütteln die linke Hand in der Hosentasche, gilt das nicht umsonst als unhöflich – der so Begrüßte fühlt sich verunsichert. Handelt es sich hier nur um eine Geste der Unhöflichkeit oder versteckt der andere gar eine Waffe im Hosensack?

Oder möchte er mir nur signalisieren, dass er einfach ein zwangloses, kameradschaftliches Gespräch sucht? Dann nämlich bedeutet die Hand in der Tasche entspannte Lässigkeit: „Ich greife dich sicher nicht an, meine Hand ist ja nicht einmal bereit, mich gegen dich zu verteidigen.“

Der Wegschieber

Eine weitere Möglichkeit, schon bei der Begrüßung die Fronten klar abzustecken und dem eigentlichen Sinn des Willkommensrituals zu widersprechen, ist der „Wegschieber“. Man geht dem anderen mit offen vorgestreckten Armen entgegen – doch statt beim Händedruck die Hand leicht abzuwinkeln, also den anderen an sich heranzulassen, hält man die Hand weiter gestreckt, schiebt den anderen von sich.

Um dieses „Von-sich-Wegschieben“ noch zu verstärken, wird dabei oft die linke Hand auf die Schulter des anderen gelegt. Was freundschaftlich-jovial wirken soll, ist jedoch tatsächlich die Versicherung, dass der andere auch ja nicht mit irgendeinem Körperteil zu nahe kommt. Beide Hände schieben ihn weg.

Freund oder Feind

Dieser Gruß muss wohl unter sich feindlich gesonnenen Politikern entstanden sein, die um der Medien willen Freundschaft demonstrieren mussten. Wer kennt nicht den zweiten typischen „Politiker-Gruß“ aus den Zeiten des Kalten Krieges, als man sich innig umarmte und dabei den Betrachter das Gefühl beschlich, dass die beiden dabei nur vermeiden wollten, sich gegen- seitig in die Augen zu schauen – der Gegner sollte die bösen Absichten in den Augen des anderen nicht gleich sehen.

Außerdem ermöglicht dieser vermeintlich freundliche Körperkontakt das unauffällige Abtasten des anderen nach versteckten Waffen – die Umarmung als Entwaffnung.

Dominanz-Handschlag

Ähnlich verhält es sich mit dem „Dominanz-Handschlag“. Beim Händereichen dreht der dominantere Gesprächspartner die Hand des anderen so, dass seine eigene Hand von oben nach unten auf der des anderen liegt. Er bringt die Hand des „Gegners“ in die Demutshaltung.

Gibt sich der andere nicht geschlagen, legt er vielleicht seinerseits seine zweite Hand auf die oben- liegende Hand des anderen. Was vordergründig besonders herzlich wirkt, ist nichts anderes als ein Machtspiel – wird der andere jetzt seinerseits wieder seine zweite Hand oben drauf legen?

Von der Steinzeit zum kalten Krieg

Sie meinen, diese Formen des Grußes habe es eben nur im Kalten Krieg gegeben? Weit gefehlt – Kalter Krieg herrscht auch jetzt noch häufig – vor allem im Berufsalltag. Wahrscheinlich sind all diese widersinnigen Begrüßungsgesten erst dadurch entstanden, weil wir täglich – und das besonders im Berufsleben – unzählige Menschen begrüßen müssen, ob wir sie sympathisch finden oder nicht.

Wir müssen Freundlichkeit zeigen, wir wollen ja etwas von ihnen oder wollen zumindest einen guten Eindruck hinterlassen. Man weiß ja schließlich nie, ob nicht ein potenzieller Kunde vor einem steht … Der Steinzeitmensch hat eben nur jene mit Handschlag begrüßt, die er auch wirklich willkommen heißen wollte!

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