Wie wir mit unbegrenzten Wahlmöglichkeiten klar kommen: Tyrannei der Freiheit – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Wie wir mit unbegrenzten Wahlmöglichkeiten klar kommen: Tyrannei der Freiheit



Heute besprechen wir ein Buch, das hilfreiche Denkanregungen liefert, mit der Multi-Optionen-Welt klar zu kommen. Gutes Brainfood für die junge Generation, die nicht einfach so weitermachen möchte, wie bisher – und für die älteren natürlich genau so.

Die große Lüge von den unbegrenzten Möglichkeiten

Mehr als ein Dutzend unterschiedlicher Joghurtsorten im Kühlfach, 30 neue Partnervorschläge in der Internet-Singlebörse und beim geplanten Sommerurlaub nach Mallorca stehen mehr als 50 potenzielle Last-Minute-Schnäppchen offen? Ist das die schöne, neue Freiheit?

Keinesfalls, stellt Renata Salecl in ihrem klugen Buch „Die Tyrannei der Freiheit“ fest. Die schier unbegrenzte Wahlfreiheit löst keine Probleme, sondern schafft neue. „Ängste und Beklemmungen“, so die Autorin, werden bestärkt, weil mit der scheinbar größeren Auswahl und Vielfalt von allem auch der Entscheidungsdruck steigt und damit auch die Gefahr von Fehlentscheidungen.

Entscheidungen um Leben und Tod

Das „Mehr an Möglichkeiten“ ist auch nicht gleichverteilt, sondern folgt den strengen Regeln sozialer Schichtung: „In Wirklichkeit hindern ökonomische Zwänge Menschen aller Länder an jeder echten Entscheidungsfreiheit mit der Folge, dass eine falsche Wahl katastrophale Folgen nach sich zieht.“

In ihrer Analyse weist Salecl nach, dass das Entscheidungsgebot alle Bereiche des Lebens umfasst. Den Konsum sowieso, die Wahl des Partners („Hook-up-Kultur“) bis hin zum Umgang mit Leben und Tod. Denn wer nur ausreichend Geld einsetzt, kann „die Zeichen des Alterns verbergen und eine Möglichkeit finden, den Tod zu verschieben oder gar aufzuhalten.“

Rote Karte für die Überflussgesellschaft

Das populärwissenschaftliche Buch „Die Tyrannei der Freiheit“ zeigt der Überflussgesellschaft die rote Karte. Ganz im Sinne der Individualisierungstheorie von Ulrich Beck erklärt Renata Salecl, dass die Verführungen des Massenkonsums nicht glücklicher machen, sondern neue Zwänge produzieren und gleichzeitig Statusunterschiede sichtbar machen:

Die einen leiden unter zu vielen Wahlmöglichkeiten im Supermarkt, die anderen haben gar keine und blicken auf einen leeren Teller. Ein sehr gutes Buch, das dazu anregt, das eigene Verhalten zu überdenken und im Zweifel neu auszurichten. Merke: Wir sind nicht alleine auf der Welt.

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Hier schreibt für Sie: Oliver Ibelshäuser ist Journalist und Inhaber des Redaktionsbüros Text & Vision. Profil


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