Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 1: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 1: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview



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Kürzlich wurde ich für eine ARD-Reportage zum Thema Fachkräftemangel interviewt – und zwar zur Diskussion hier im Blog. Die Sendung wird am 14. Juli ausgestrahlt. Mein Resümee habe ich hier nochmal zusammengefasst.

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Hier schreibt für Sie: Simone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht B E R U F E B I L D E… Profil

Wie alles begann

Die Diskussion auf B E R U F E B I L D E R . D E begann im Sommer 2009 und betraf vor allem Ingenieure. Eine junge Frau namens Karen beklagte sich sehr wütend darüber, dass sie trotz abgeschlossenen Studiums und Erfahrung als Werkstudentin sowie einer Diplomarbeit bei einem Konzern als Ingenieurin keinen passenden Job fand. Nach ihrer Aussage wurden gerade mal 5% ihres Abschlussjahrgangs in unbefristete Stellen übernommen.

Ich habe diese Kommentare, auch wenn sie anfänglich sehr polemisch vorgetragen wurden, nicht gleich abgeblockt, sondern ernst genommen und nach weiteren Informationen gefragt. Mit der Zeit entwickelte sich dann eine differenziert-sachlich Diskussion, in der sich immer mehr Betroffene zu Wort meldeten, die davon berichteten, dass sie als Ingenieure keinen Job finden – und das obwohl Ingenieure als Fachkräfte doch händeringend gesucht werden.

Austauschbare Arbeitssklaven?

Das ist auch die Grundunzufriedenheit der Leute: Dass man keinen Job findet oder nur befristete Stellen oder gar Zeitarbeit, obwohl doch allgemein ein Fachkräftemangel propagiert wird – was bei vielen Leuten den Eindruck erweckt, sie würden auf jeden Fall einen Job finden.

Dabei ist den Leuten auch klar, dass es anderen Berufsgruppen auch noch schlechter geht, aber mein Leser Roland bringt es sehr schön auf den Punkt:

„Trotz allem, ich und meine bekannten Ings. , auch in anderen Firmen im ganzen Bundesgebiet, empfinden es mittlerweile als Hohn, wenn von Mangel gesprochen wird. Wir werden jedenfalls nicht wie “Mangelobjekte” behandelt sondern eher wie austauschbare Arbeitssklaven.“

Wer einen Job sucht, ist selbst schuld?

Ich habe mich im Zuge dieser Diskussion dann auch selbst immer mehr mit dem Thema beschäftigt, öfter dazu gepostet, mit Personalfachleuten und Unternehmen gesprochen. Bezeichnend fand ich, dass viele Personaler, die immer über den Fachkräftemangel gesprochen hatten und angeblich händeringend Ingenieure suchten, nicht mit ihrer Zielgruppe diskutieren wollten.

Im Gegenteil, die Leute, die keinen Job finden, seien ja selbst schuld oder psychisch gestört. Und wenn man dann mal bei Unternehmen genau nachfragt, z.B. auch bei Mittelständlern wie dem im Schwarzwald ansäßogen Unternehmen HansGrohe, dann konnten bisher noch alle Stellen besetzt werden.

Was man dagegen tun kann

Bezeichnenderweise hat z.B. Karen relativ schnell einen Job im Ausland gefunden und auch andere erzählten davon, dass sie in Skandinavien, der Schweiz oder den USA bessere Perspektiven vorgefunden haben.

Im Februar 2012 hat sich dann auf meinem Blog die Intitative „Wir sind VDI“ gegründet. Damit wollen sich einige Ingenieure gegen Ihren eigenen Verband, den Verein Deutscher Ingenieure, zur ccvöl+-.,c, cxmcx.ölpWehr setzten. Der VDI vertritt nach Meinung dieser Ingenieure zu sehr die Interessen der Arbeitgeber. Um über die tatsächliche Situation auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure aufzuklären, hat die nititiative Massenaustritte aus dem VDI sowie Veranstaltungen und Flugblattaktionen geplant.

Die angeblichen Querulanten  weißen auf gesellschaftliche Probleme hin

Mich hat selbst begeistert was aus einer kleinen Diskussion werden kann, wenn man seine Leser und ihre Probleme ernst nimmt und nicht unliebsame Meinungen direkt abblockt oder als Querulanten verunglimpft.

M.E. zeigt das Aufkommen dieser Diskussion auch, dass es eine große gesellschaftliche Unzufriedenheit gibt: Offenbar fühlt sich hier ein nicht geringer Teil der Beschäftigten von Politik und Arbeitgebern an der Nase herumgeführt. Das birgt großen Konfliktstoff, den man ernst nehmen sollte.

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. ABAP Entwickler

    Den immer wieder angeführten Fachkräftemangel – speziell in der IT Branche – hat es in Deutschland nie gegeben, gibt es aktuell nicht und wird es auch in der Zukunft nicht geben.

    Leider schaffen es die Unternehmen und Lobbyisten unsere Volksvertreter ‚vor ihre Kutsche zu spannen‘ und mit dem Märchen Fachkräftemangel das eigentliche Ziel von wenig Geld für viel Arbeit (Lohndumping) kräftig voran zu treiben.

    Es ist traurig, dass unsere Politiker da mitspielen, anstatt an ihren Auftrag zu denken und zum Volkswohl solchen Machenschaften massiv Einhalt zu gebieten.

    Viele Möglichkeiten dem angeblichen Fachkräftemangel entgegen zu wirken – beispielsweise mittels Telearbeit [ http://home.arcor.de/j.smolka/Telearbeit.html ] – werden mit voller Absicht erst gar nicht genutzt…

  2. Der in der Sendung gemachte Vorwurf an die Arbeitgeber, mittels unrealistischer Stellenausschreibungen künstlich einen Fachkräftemangel herbei zu reden, deckt sich durchaus mit meinen eigenen Erfahrungen. Ich habe beim Lesen von Stellenangeboten in der IT immer wieder den Eindruck, das viele Unternehmen – metaphorisch gesprochen – einen fabrikneuen 7er BMW mit möglichst allen Extras suchen, aber nur für einen 3 Jahre alten Polo in der Basisausstattung bezahlen möchten.

    Ich habe es auch schon erlebt, das mir ein Arbeitgeber auf die Frage nach einer Gehaltserhöhung geantwortet hat, das er dann ja jedem der übrigen Kolegen auch das Gehalt erhöhen müsse und dafür wäre halt keine Geld da und deshalb würde ich auch keine Gehaltserhöhung bekommen. Was will man da noch erwiedern?

  3. Interessante Sendung insbesondere zur Thematik wie Verbändeinteressen in die Politik getragen werden. Fühle mich als Sozialwissenschaftler jetzt auch etwas besser, man ist ja sonst immer nur Fachkraft zweiter oder dritter Klasse, schön, dass es den Ingenieuren und MINT eigentlich auch nicht viel besser geht 😉

    • Anonymous

      Naja, bei Geistes- und Sozialwissenschaftlern ist es tatsächlich noch schlimmer.

  4. Pingback: Heute abend Simone Janson in der ARD: Das Märchen vom Fachkräftemangel | B E R U F E B I L D E R

  5. Eva Maria Goldmann

    Ein hausgemachtes Problem RT @HT_UCS Das Thema #Fachkräftemangel hat viele Facetten von @SimoneJanson #ingenieur #job

  6. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview –

  7. KompetenzPartner

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview:… #Beruf #Bildung

  8. Jörg Baumann

    RT @SimoneJanson: Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview –

  9. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview –

  10. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 1: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview –

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