Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview


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03.04.2014 370 Leser 9 Debatten 588 Wörter Lesezeit: 3 Minuten, 21 Sekunden
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Kürzlich wurde ich für eine ARD-Reportage zum Thema Fachkräftemangel interviewt – und zwar zur Diskussion hier im Blog. Die Sendung wird am 14. Juli ausgestrahlt. Hier der zweite Teil meines Resümees. Jobsuche & Recruiting  HighPotentials Fachkräfte Berufsbild Ingenieur

Fachkräftemangel – ein geflügeltes Wort?

Mich stört, dass das Thema Fachkräftemangel mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden ist, das als Argument für allerlei Maßnahmen herhalten muss – wie z.B. die Rente mit 67 oder die Frauenquote.

Dabei wird das Argument von Politikern völlig unreflektiert und undifferenziert verwendet. Wie sagte einer meiner Leser so schön:

„Es ist einfach nur die völlige Unkenntnis der Situation. Die lernst Du erst kennen, wenn Du selbst Ingenieur oder Ingenieurin auf dem Markt bist.“

Technik vs. Ausbildung

Der Arbeitsmarkt spiegelt den gesellschaftlichen und technologischen Wandel wieder. Ein Problem ist z.B, dass sich die Technik schneller entwickelt als ausgebildet werden kann.

Mal ein Beispiel von einem meiner Leser:

Ein Unternehmen sucht einen Programmierer für berührungsempfindliche Bildschirme. Da es noch nicht so lange berührungsempfindliche Bildschirme gibt, ist die Anzahl der Leute, die das schon einmal gemacht haben, eher gering. Ein Informatiker oder Elektrotechniker kann diese Aufgabe sehr wohl erfüllen, wenn er sich in einer Firma ca. 1 Jahr mit diesem Thema beschäftigt. Die Firma kann aber aus Zeit oder finanziellen Gründen kein ganzes Jahr in einen neuen Mitarbeiter investieren, bis dieser produktiv arbeitet. Deshalb spricht die Firma von einem Fachkräftemangel, während es auf der anderen Seite viele Absolventen und Alt-Ingenieure gibt, die eine Stelle suchen.

Hier wären die Unternehmen selbst gefragt, ihre Mitarbeiter entsprechend weiterzubilden statt nach fertig ausgebildeten Fachkräften zu suchen.

Die 0-Risiko-Bereitschaft der Personalabteilungen

Die Bereitschaft der Unternehmen und Personalabteilungen, bei Neueinstellungen Risiken einzugehen mit Leuten, die nicht 100% ins Bewerberprofil passen, ist auch ausgesprochen gering – m.E. auch eine Folge der allgemein herrschenden Unsicherheit.

So hat gerade kürzlich das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, gemeldet, dass die der Anteil sachgrundlosen befristeten Arbeitsverträgen 2013 auf 48 Prozent aller Arbeitsverträge gestiegen ist. Während es im Jahr 2001 rund 550.000 solcher Verträge gab, waren es im vergangenen Jahr 1,3 Millionen.

Sachgrundlose Befristungen nehmen zu

Vor allem greifen laut IAB Unternehmen auf die sachgrundlose Befristung bei ganz neu geschaffenen Stellen zurück. Allerdings machen auch immer mehr Arbeitgeber von der sachgrundlosen Befristung bei bereits etablierten Stellen Gebrauch. Auf diese Weise wird die Probezeit ausgeweitet. Das zeigt aber auch, wie sehr Unternehmen mit den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Stichwort Globalisierung, zu kämpfen haben und wie groß die Unsicherheit in Deutschen Unternehmen ist:

Das IAB hält es für unwahrscheinlich, dass ein Verbot von Befristungen zu mehr Einstellungen führt. Stattdessen wird angenommen, dass Unternehmen dann verstärkt aufLeiharbeit oder freie Mitarbeit ausweichen, um zu prüfen ob sich eine neue Stelle überhaupt rentiert. Es will eben keiner den Fehler machen, den falschen Mitarbeiter einzustellen.

Wie sieht die allgemeine Stimmung aus?

Im Rahmen des Interviews wurde ich auch gefragt, ob sich bei den Diskutierenden eine Stimmung z.B. gegen Zuwanderer abzeichnet. Dazu von mir ein ganz Klares „Nein“.

Die Leute sind da sehr differenziert: Der Zorn richtet sich gegen die Arbeitgeber, die Zeitarbeitsfirmen und Ingenieurdienstleister sowie den Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sowie die Politik: Ihnen wird zu Teil etwas polemisch unterstellt, absichtlich falsche Zahlen zu verbreiten um gezielt die Löhne zu drücken. Gegen Zuwanderer hingegen gibt es keine Stimmungsmache – die Leute wissen, dass die am allerwenigsten dafür können.

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. „Im Rahmen des Interviews wurde ich auch gefragt, ob sich bei den Diskutierenden eine Stimmung z.B. gegen Zuwanderer abzeichnet. Dazu von mir ein ganz Klares “Nein”.“

    Sicher? Dann fragen Sie doch mal Absolventen die Ihre 100ste Bewerbung schreiben…

    • Anonymous

      Hallo Alhambra, es ging um die Diskussion im Blog – nicht um das Mindset der Leute zu Hause bei der Bewerbung.

  2. Pingback: Berufe mit Zukunft: Gibt es eigentlich noch sichere Jobs? | B E R U F E B I L D E R

  3. Eva Maria Goldmann

    Ein hausgemachtes Problem RT @HT_UCS Das Thema #Fachkräftemangel hat viele Facetten von @SimoneJanson #ingenieur #job

  4. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 1: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview –

  5. Heinrich Tenz

    Das Thema Fachkräftemangel hat viele Facetten. Simone Janson ist von der ARD zum Thema interviewt worden. In…

  6. Martin Gaedt YOUNECT

    RT @SimoneJanson: Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview –

  7. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 2: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview –

  8. Simone Janson

    Die Diskussion um Fachkräftemangel hier im Blog – Teil 1: Ein Resümee zu meinem ARD-Interview –

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