Diskussion um Authenzität im Vorstellungsgespräch: Wie offen sollten Bewerber sein?


Kürzlich hatten wir auf B E R U F E B I L D E R auf den Beitrag von Personalberater Dirk Ohlmeier hin eine spannende Diskussion: Thema war, dass Personaler Bewerber oft zu schnell in Schubladen stecken – und dass diese auch den Mut haben sollten, mehr von sich zu zeigen. Ich bin da ein wenig skeptisch.

ehrlichkeit


Wie ehrlich dürfen Bewerber sein?

Die Gretchenfrage in der Diskussion war: Wie ehrlich dürfen, ja müssen Bewerber eigentlich sein. Und nichts illustriert dieses Problem so schön wie das oben abgebildete Foto, das zur Zeit in diversen sozialen Netzwerken grassierte: So schrieb Ohlmeier in seinem Beitrag:

Dabei bleibt fraglich, ob dieses Frage-Antwort-Spiel der richtige Weg ist? Der Mehrwert von einstudierten Vorstellungsgesprächen, die nach dem Schema F ablaufen, kann nicht zielführend sein…Oft wird vergessen, dass Kandidaten in Bewerbungsgesprächen in die Bewerberrolle schlüpfen. Diese stellt aber nur eine Facette des Kandidaten dar und ist nicht unbedingt gleiche der Rolle des Arbeitnehmers, des Kollegen oder des Vorgesetzten.

Bewerber, seid offen?

Der Recruiting-Coach und Interim-Recruiting-Manager Henrik Zaborowski machte in seinem Kommentar dann klar, dass man Bewerbungsgespräche eher als unverbindliches Kennenlernen sehen müsse. Und erklärt auch gleich, wie das aussehen müsse:

Heißt für die Unternehmen: Gebt Bewerbern die Möglichkeit, bevor sie sich überhaupt bewerben wollen, mit Euren Mitarbeitern zu sprechen. Und für die Bewerber: Nutzt Eure Netzwerke und redet mit Menschen, nicht mit Rollen! Und keine Angst vor Offenheit. Sonst landet Ihr nachher in Jobs und Unternehmenskulturen, die nicht zu Euch passen.

Wie viel Offenheit tut gut?

Nun möchte ich Herrn Zaborowski eigentlich voll und ganz zustimmen: Es bringt nichts, sich im Bewerbungsgespäch zu verstellen, das wird man hinterher in Fulltime-Job doch nie ganz durchhalten.

Doch wie wie viel Offenheit ist gut und wann wird die Offenheit zur Unhöflichkeit wie in dem oben als Foto gezeigten Beispiel? Es gibt junge Leute, die so etwas tatsächlich bringen – und glauben, wenn sie etwas von Offenheit und Ehrlichkeit hören, dass genau das damit gemeint sei.

Auf die Feinheiten der Kommunikation kommt es an

Tatsächlich sollte man bei solchen Ratschlägen jedoch nicht die Feinheiten der Kommunikation unterschlagen, die nunmal im gesellschaftlichen Miteinander nötig sind.

Und da möchte ich auf Michal Moeslangs Beitrag zur professionellen Authenzität verweisen, der ebenfalls zu heftigen Diskussionen führte.

Alles eine Frage der Betrachtung?

Moeslang stellte fest:

Interagieren wir mit anderen, überprüft unser mächtiges Unterbewusstsein ständig, ob das, was diese tun und sagen, echt wirkt. Es ist eine Sicherheitsstrategie. Allerdings ist das entscheidende Wörtchen gar nicht „echt“, sondern vielmehr „wirkt“. Es geht uns darum, ob jemand nach unserer Einschätzung in seinem Handeln und Reden echt wirkt.

Ist also am Ende alles eine Frage der Betrachtung? Und sollten wir Bewerbern, bevor wir ihnen sagen „sei einfach du selbst“ vielleicht nicht ein wenig von diesem Handwerkszeug auf den Weg geben?

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