Interview Antje-Lezius, Bundestags-Abgeordnete & Ex-Unternehmerin: „Frauen glauben, sie seien noch nicht gut genug“

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25.03.2014 296 Leser 1 Debatte 844 Wörter Lesezeit: 5 Minuten, 21 Sekunden

Gründung & Finanzen Meinung  Unternehmenskultur Management Führung Köpfe Antje Lezius Frauen Gender Emanzipation   Eine Studie der Bundesweiten Gründerinnenagentur zeigt: Nur ein Drittel aller Unternehmer sind weiblich. Die ehemalige Unternehmerin & Bundestagsabgeordnete Antje Lezius erklärt warum.

Antje Lezius war 10 Jahre lang Geschäftsführerin der Frühauf Tanken und Rasten GmbH in Idar-Oberstein – einer echten Männerdomäne also. Späater gab Sie Ihre Erfahrungen an kleine und mittelständischen Unternehmen, schwerpunktmäßig an Tankstellen, weiter und war Beraterin & Kolumnistin im Tankstellenmagazin, bevor Sie 2013 für die CDU in der Region Naheland in den den Deutschen Bundestag gewählt wurde.

Frau Lezius, warum hatten Sie sich damals selbstständig gemacht?

1997 mehr aus der Not heraus. Die Bundesstraße, an der unsere Tankstelle als Familienunternehmen seit mehr als 40 Jahren existierte, wurde verlegt. Und somit war unsere Existenz gefährdet.

Wir entschlossen uns daher, eine neue Tankstelle, größer, moderner und technisch auf dem neuesten Stand zu bauen – mit Bistro, einem großen Shop, modernster Tanktechnik, LKW-Tanksäulen und Parkplätzen sowie behindertengerecht Duschen und Toiletten. Wenn schon investieren, dann aber richtig! Das hat damals 4,5 Millionen Mark gekostet.

Ist die Finanzierung eines solchen Großprojektes für Frauen schwieriger?

Der Kredit dafür war nicht einfach zu bekommen: Einige Banken haben uns das nicht zugetraut – aber nicht, weil der Chef weiblich war, sondern weil wir vorher einfach viel kleiner gewesen waren.

Überzeugen konnte ich die Bank schließlich mit einem ausgeklügelten Businessplan, der auch eine Co-Finanzierung durch Öl-Gesellschaft und eine Fast-Food-Kette einschloss.

Würden Sie es wieder machen?

Auf jeden Fall war meine Entscheidung, unser Traditionsunternehmen erfolgreich weiter zu führen und mich als Unternehmerin selbstständig zu machen, richtig.

Aus dieser Erfahrung heraus habe ich mich als Unternehmensberaterin und Wirtschaftsmediatorin ein zweites mal selbständig gemacht. Allerdings kenne ich heute die Tücken und Schwierigkeiten einer Unternehmensgründung und des Ausbaus und habe daraus gelernt.

Wo genau lagen die Schwierigkeiten?

Eine Hürde war sicherlich der Bau der Tankstelle. Aber eine besondere Herausforderung lag darin, die wachsende Zahl der Mitarbeiter und der Aufbau eines Rund-um-die Uhr-Kunden-Service zu managen: Das bedeutete auch, Schichtpläne auszuarbeiten und die Mitarbeiter zu eigenständiger Arbeit auszubilden.

Apropos Arbeitsorganisation: Sie haben zwei Töchter, heute 23 und 29 Jahre alt. Wo sehen Sie die Probleme, Selbständigkeit und Familie unter einen Hut zu bringen?

Am Anfang wollte ich alle alleine machen und musste erst lernen, eine Putzfrau zu engagieren, die Kinder in den Ganztagskindergarten zu bringen oder mal alleine zu lassen. Denn wie viele Frauen hatte ich die Vorstellung, Unternehmen und Haushalt perfekt meistern zu müssen, statt Aufgaben zu delegieren.

Bei den Business- und Professional Woman Germany e.V., einem Netzwerk für berufstätige Frauen, stelle ich immer wieder fest, welche Schwierigkeiten Frauen und Gründerinnen auch heute noch mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben. Solange es in den Köpfen unserer Gesellschaft immer noch den vermeintlichen Gegensatz zwischen Karriere und Familie oder den Begriff „Rabenmutter“ gib, ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig.

Studien zeigen: Frauen machen weniger Umsatz als Männer. Was machen Frauen schlechter als Männer?

Frauen fällt es noch schwer, sich nur um das harte Geschäft zu kümmern: Fakten, Verträge, Geschäftspläne, Umsatzplanungen – und wie verdiene ich damit möglichst viel Geld.

Männer hingegen haben in diesem Bereich einfach mehr Erfahrung konzentrieren sich hauptsächlich darauf, Umsatz zu machen – und verdienen entsprechend mehr.

Was machen Frauen denn besser als Männer?

Darüber wurde auch schon so viel geschrieben. Wer ist besser oder schlechter? Gibt es hier nur schwarz und weiß? Frauen machen es anders als Männer.

Sie sehen mehr die Zusammenhänge und die Menschen im Geschäftsleben als den puren Umsatz. Das hat Vor- und Nachteile, je nach der Zielsetzung, die Frau oder Mann hat

Begegnen Frauen denn Schwierigkeiten, die während der Existenzgründung und im Unternehmensalltag auftreten, anders?

Nach meiner Einschätzung ja. Frauen sind sensibler im Erkennen von Schwierigkeiten und Missstimmungen im Unternehmen. Sie sprechen Dinge an.

Sie suchen eher Lösungen und Hilfe, wenn es nicht so läuft. Sie arbeiten und handeln vorausschauender.

Auf welche Widerstände stoßen Frauen, die ein Unternehmen gründen wollen?

Vor allem existieren die Widerstände den eignen Köpfen. Frauen glauben oft, sie seien noch nicht gut genug für das was sie vorhaben, es fehle ihnen noch diese Ausbildung oder das zusätzliche Fachwissen. Häufig haben Frauen auch nicht den Mut und die Kraft, sich so zu akzeptieren wie „Frau“ ist. Und das Selbstbewußtsein, zum Erfolg zu stehen und für gute Arbeit auch gute Honorare zu fordern. Denn hier können wir uns gerne an das vorgegebene Niveau der männlichen Kollegen halten.

Daneben gibt es natürlich den Neid anderer Frauen oder Widerstände von Männern. Das sollte man aber nicht beachten: Ich zum Beispiel in der Tankstelle von Lieferanten oder Kunden oft nach dem Chef gefragt und dann war das Erstaunen groß, dass ich es selbst bin – aber dann war es ok, denn im Zweifelsfall überzeugt die Kompetenz.

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  1. Volker Conrad

    Da habe ich die Frau Letzius ja schwer unterschätzt!
    Volker Conrad
    ein Kind dieser Region

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