Zeitungssterben & Zeitungskrise 1/2: Tageszeitung – quo vadis?


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04.03.2013 258 Leser 24 Debatten 422 Wörter Lesezeit: 2 Minuten, 42 Sekunden

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Während Zeitschriften in den vergangenen Jahren nur leichte Einbußen bei der Reichweite verkraften mussten, befindet sich die Tageszeitung in einer existenziellen Krise. Wird tatsächlich die letzte Tageszeitung im Jahr 2034 verkauft, wie es ein Eichstätter Professor errechnet hat? Und wird damit das Rieplsche Gesetz, das besagt, dass kein eingeführtes Medium je ein anderes verdrängt, rund hundert Jahre nach seiner Formulierung widerlegt?

Zeitungen mit geringer Leserbindung

Insbesondere bei jungen Lesern zwischen 14 und 19 Jahren hat die Leserbindung an Tageszeitungen stark abgenommen: Erreichten sie 2002 noch knapp 47 Prozent dieses „zukunftsentscheidenden“ Publikums, sind es heute allenfalls noch 27 Prozent, wie Meedia berichtet.

Kontinuierlich sinkende Auflagezahlen sind die Folge: 1992 wurden rund 26 Millionen Tageszeitungen abgesetzt, heute liegt diese Zahl bei gerade noch 19 Millionen. Aufgrund der sinkenden Reichweiten wandern immer mehr Anzeigenkunden bspw. ins Internet ab.

Die Abwärtsspirale geht weiter

Laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDVZ) sind die Werbeeinnahmen bei Tageszeitungen zwischen 1985 bis 2011 von 37 auf unter 19 Prozent regelrecht eingebrochen.

Diese drei Faktoren verdeutlichen in Kürze die Probleme und Herausforderungen, mit denen sich Tageszeitungen konfrontiert sehen – und deren Zusammenwirken eine Abwärtsspirale in Gang setzt:

Wird 2034 die letzte Tageszeitung gedruckt?

Sinkende Einnahmen bei Vertrieb und Anzeigen führen dazu, dass Verlage an den Redaktionen sparen. Mit der Mannschaft schrumpft die Qualität der Publikationen.

Mit der Qualität sinkt wiederum die Auflage, was weiter sinkende Werbeeinnahmen zur Folge hat. Rechnet man diesen Trend konsequent zu Ende, wie es der Eichstätter Professor Klaus Meier getan hat, ist mit der Tageszeitung bald Schluss. 2034 werde demnach die letzte Tageszeitung gedruckt.

Auswege aus der Krise? Fehlanzeige!

Auswege aus der Krise sind alles andere als leicht aufzuzeigen. Neben hausgemachten Problemen machen Tageszeitungen strukturelle Faktoren zu schaffen. Auch früher schon konkurrierten sie mit anderen Medien wie Radio und TV um die Gunst des Nutzers – und behaupteten sich.

Mit dem Internet ist in den 90er Jahren jedoch ein Medium hinzugekommen, dass die Aufmerksamkeit der Menschen im Hinblick auf den täglichen Medienmix quasi zu absorbieren scheint. Lesergewohnheiten haben sich stark verändert, unter anderem auch aufgrund zunehmenden Zeitmangels und Bequemlichkeit.

Die Selbstkannibalisierung der Medien

Folge ist eine Kannibalisierung von Print, zu der die Verlage zu einem gewissen Grad auch selber beigetragen haben. So geschehen im News-Bereich, in dem sich die Verlage durch ihr meist kostenloses Online-Angebot quasi selber überflüssig gemacht haben.

Wie könnte nun für die Zeitungsverlage der Ausweg aus dem Dilemma aussehen? Ganz sicher nicht, indem man weiter in Konkurrenz zum Internet läuft. Viel eher sind Ideen gefragt. Wie diese aussehen könnten, werde ich morgen im zweiten Teil dieses Beitrags erläutern.

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Benjamin Wagener

    Die Qualität ist nicht nur geschrumpft, weil man Gewinnoptimierung betrieben hat, sondern auch, weil man sich immer häufiger nicht anders zu helfen weiß, mit der Geschwindigkeit des Internets mitzuhalten, indem man stumpf Meldungen der Nachrichtenagenturen abdruckt ohne sie weiter zu hinterfragen und ohne eigene Rechercheleistung einzubringen. Hinzu kommen dann noch immer mehr Journalisten die nicht einfach nur berichten, sondern auch immer gleich noch ihre Meinung mit abgeben wollen…

    • Simone Janson

      Naja, das mit dem Recherchieren hat auch damit zu tun, dass immer weniger Geld ausgegeben werden soll. Und das mit der Meinung ist der Profilneurose der Journalisten geschuldet. Wobei ich nichts persönlich nichts dagegen habe, wenn Journalisten klar machen, dass es ihre subjektive, persönliche Meinung ist, statt die hinter objektiv klingenden Scheinfakten zu verstecke, was auch gerne gemacht wird.

      • Benjamin Wagener

        Ich habe auch keine Probleme damit, wenn Journalisten ihre eigene Meinung mit einbringen, wenn sie dies eben klar gekennzeichnet und auf den kleinen Kommentarabschnitt in der Zeitung begrenzt tun würden. Leider aber zieht sich dies ja inzwischen bei immer mehr Zeitungen durch die komplette Berichterstattung und das geht einfach nicht. Die Hauptaufgabe von Journalisten ist möglichst sachlich zu informieren, damit man sich als mündiger Bürger eine eigene Meldung bilden kann. Dies wird aber immer schwerer, wenn ein Großteil der Branche sich immer mehr auf BILD-Niveau herab begibt und im Wesentlichen nur noch Meinungsmache betreiben. Wenn die Damen und Herren Politik machen wollen, dann sollen sie das gerne tun, aber bitte doch in ihrer Freizeit und nicht indem sie ihre Berufsstellung missbrauchen.

        • Simone Janson

          Naja, es geht ganz klar darum Aufmerksamkeit zu erregen, weil dadurch wieder Geld herienkommt. Online-Vermarkter z.B. fragen nicht: „Wieviele Leser setzen sich gründlich mit einem Artikel auseinander.“ Online-Vermartker fragen: Wieviel Leser hat ihr Medium?

          Das ist dumm und kurzsichtig, verführt aber eben dazu, nach Mitteln zu suchen die Leserzahlen in die Höhe zu treiben. Über die digitalen Wichtigmacher habe ich bei imgriff mal was geschrieben: http://imgriff.com/2011/07/04/wie-man-mit-digitalen-wichtigmachern-fertig-wird-klick-mich-jetzt-oder-nicht/

          • Benjamin Wagener

            Ja, das ist ein weiterer Teil des Problems, dass eben auch so viele auf diesen Müll auch noch anspringen. Viele wollen halt leider gar nicht wirklich unabhängig informiert werden, sondern einfach nur das eigene Weltbild bestätigt bekommen. Man denkt halt lieber in Klischees und Vorurteilen, als sich mit der Realität zu konfrontieren und gründlich über dieses und jenes zu reflektieren.

          • Simone Janson

            Hallo Ben,
            an dem Punkt haben wir das Problem jetzt bis zum Bildungssystem heruntergebrochen. Eine wirkliche Lösung hat dafür aber keiner, das merke ich auf allen Diskussionen, auf denen ich zu dem Thema war.

          • Frank Heinrich

            Hallo, naja wenn ich mir die Entwicklungen im TV ansehe, ist leider (!) zu befürchten, dass sich Qualität – und damit meine ich keine oberlehrerhaften und abgehobenen Beiträge, sondern z.B. auch gute Unterhaltung – in Zukunft nur von (hoffentlich nicht zu kleinen) Minderheiten „konsumiert“ wird. M.E. ist somit bei der Ausrichtung auf Qualität von Zeitungen mit einer kleineren, sozusagen konsolidierten Leserschaft zu rechnen. Ein weitere Aspekt kommt hinzu: Es ist mittlerweile durch das Internet gelernt, Informationen kostenlos zu erhalten. Was übrigens auch Chancen bietet: Corporate Publishing (Kundenzeitschriften, Mitgliedsmagazine etc.) entwickelt sich hervorragend. Die Objekte sind sind zum großen Teil sehr hochwertig. Nur logischerweise – alleine auf deren Funktion und das Thema Unabhängigkeit bezogen – bieten auch diese Medien keine Alternative zu Tageszeitungen.

          • Simone Janson

            Die Idee mit der kleinen, aber spitzen Zielgruppe ist ja nicht neu, allerdings funktioniert das nach meinen Erfahrungen bislang in der Vermarktung nicht besonders gut: Marketeers fragen nur nach den Zahlen, so gut wie nie nach der Qualität. Und auch sonst gilt: Größe zählt.

          • Jan Schneider

            Wie werden sich die Reichen und Mächtigen künftig informieren, wenn es keine Tageszeitungen mehr gibt? Während Diener früher die Tageszeitung bügeln mussten, damit keine Druckerschwärze an den Händen der Herren blieb, müssen sie ihnen künftig eben Informationen aus dem Netz zusammensuchen.

            Vielleicht funktionieren Tageszeitungen auch als Instrument der staatlichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Schließlich sind Staat und Politik im Sinne der Bürgererziehung auch daran interessiert, Informationen über seriöse Medien zu verbreiten. Dann springt der Staat eben wie bei der Bankenrettung ein und sorgt dafür, dass zumindest die größten, besten und seriösesten Medien überleben.

          • Simone Janson

            Netter Vergleich. Aber Staat und Politik sind nur deshalb an Printmedien interessiert, weil sie es nicht anders kennen. Wenn die heute jungen so weit sind, werden die sich vermutlich nicht mehr für Print interessieren. Was die Diener angeht: Es gibt natürlich auch viele elektronische Helferlein, die beim vorsotieren der Nachrichtenflut helfen…

          • Frank Heinrich

            Hallo zusammen, an der Diskussion erkennt man schon, wesentliche
            Probleme die die Medienhäuser aktuell haben. Die Schnelligkeit und Flüchtigkeit
            des Lesens wird man kaum beeinflussen können. Im Gegenteil: Die Informationsflut
            steigt nach wie vor. Und der zeitliche Druck der Redaktionen hat ebenso
            zugenommen wie die Vorstöße von Anzeigenkunden, bei Anzeigenschaltung auch
            redaktionell vertreten zu sein. Zudem ist die Frage absolut berechtigt, ob die
            Zeitung künftig gedruckt sein muss oder umweltschonend elektronisch erscheinen
            kann. Dies selbst wenn ich persönlich – vergleichbar mit dem Bücher lesen –
            gerne eine Zeitung in er Hand halte. Und die Informationen kann man sich
            letztlich heute schon im Netz selbst zusammenstellen. Der „eigentliche Charme“
            der Tageszeitung geht aber verloren: für mich vor allem die Gewichtung von
            Themen und die Orientierung, was in der Welt und um mich herum los ist, die
            Gemeinsamkeiten über die gesprochen wird, und die Übersicht über Tagesthemen,
            die ich außerhalb meines Mikrokosmos wissen sollte. Das setzt
            selbstverständlich auch den verantwortungsvollen Umgang der Macher mit ihrem
            Medium – und eine Umsetzung voraus, die beim Leser Interesse weckt.

          • Simone Janson

            Hallo Herr Heinrich, danke für den Kommentar. Damit sprechen Sie einen wichtigen Faktor an – das haptische Erlebnis. So ähnlich wie bei der Langspielplatte, die ja auch ein anachronismus ist, sich aber dennoch großer Beliebtheit erfreut.

    • Jan Schneider

      In der Tat entsteht gelegentlich der Eindruck, dass Pressemitteilungen nur noch nachrecherchiert werden, man sie dann noch mit einer Meinung versieht und gut is!

      Ich haben früher eine große, konservative Tageszeitung gelesen und mich dabei oft über die ganzen Meinungen geärgert (die aber wenigstens noch klar als solche gekennzeichnet waren). Das mag zum einen daran liegen, dass die vertretenen Positionen oft nicht mit meinen übereinstimmten. Vielleicht ist auf der anderen Seite aber auch die Zeit einfach vorbei, in denen sich die Leser von Tageszeitungen Orientierung versprochen haben.

      ich weiß aber nicht, ob wir Konsumenten uns in die Tasche lügen, wenn wir die Tageszeitung mit Nichtachtung strafen. Wir fühlen uns gut informiert, wenn wir online Schlagzeilen lesen. Aber eigentlich haben wir Geschwindigkeit gegen inhaltliche Tiefe eingetauscht. Im Prinzip bleiben wir an der Oberfläche und nach und nach geht viel Substanz verloren.

      • Benjamin Wagener

        Es gibt ja nicht nur Schlagzeilen im Internet. Es gibt ja auch noch Nachrichtenformate wie Tagesschau, BBC, Arte Journal usw. die man auch online abrufen kann.

        • Jan Schneider

          Meinem subjektiven Eindruck folgend fühle ich mich schlechter informiert, wenn ich keine Tageszeitung lese. Zumal ich mir nicht die Mühe mache, online mehrere Quellen zu sichten. Von einer Tageszeitung erwarte ich einen gesamten Überblick. ich schätze die Möglichkeit, jeden Tag aufs Neue entscheiden zu können, ob ich heute auch mal einen Artikel aus dem Immobilienteil lese, auf den ich online wahrscheinlich nie stoßen würde.

          Mal anders gefragt: Hätten Sie kein Problem damit, wenn die Tageszeitung eines Tages ablebt? Glauben Sie nicht, dass uns etwas fehlen würde? ich bin mir da nicht so sicher. Vielleicht ist es auch nur Nostalgie… Irgendwie fühle ich mich diesem Medium verbunden, um nicht zu sagen: verpflichtet! Oh Gott, ich hoffe, das lässt Psychologisch nicht allzu tief blicken.

          • Benjamin Wagener

            Nein, ich hätte keine Probleme damit, wenn die klassische Tageszeitung eines Tages ableben würde, weil ich sie in Papierform schon heute eher als Belastung, denn als Bereicherung empfinde. Sie produzieren Unmassen an Papiermüll, lassen sich schlecht nach individuellen Interessen durchsuchen und noch schlechter Archivieren. Ich würde eine moderne, digitale Tageszeitung begrüßen, wo ich mich tagtäglich aufs neue entscheiden könnte, welche Themen ich lesen möchte und von welcher Redaktion recherchiert. Z.B. den Regionalteil vom Weser-Kurier und den überregionalen politischen Teil aus dem Tagesspiegel und den Feuilleton aus der Süddeutschen.

          • Jan Schneider

            Ich denke, eine derartige Zusammenstellung wird vorerst ein frommer Wunsch bleiben. Man kann ja schließlich auch nicht bei Pizza Hut nen Chicken-Burger und ne Burger-King-Pommes bestellen…

          • Benjamin Wagener

            Ich werde aber nicht gezwungen bei Pizza Hut das komplette Menü zu kaufen. Ich kann mir da eine kleine Pizza holen und dann nen Drink in der Saftbar ein paar Meter weiter und gemütlich zu Hause essen, wenn ich möchte. Bei der Tageszeitung gilt, das Prinzip nimm alles oder lass es sein. Und nicht selten bekommt man die digitale Ausgabe nur im Abo und nicht im Einzelverkauf.

          • Jan Schneider

            … bei Pizza Hut nicht, bei Zeitungen aber schon. Insofern stellt die digitale Ausgabe natürlich auch keine wirkliche Alternative zur Print-Version dar. Wer sich seine Zeitung gerne zusammenstellen möchte, muss also immer noch das jeweils gesamte Menü kaufen. Eine verlockende Idee wäre dies ja schon. Man könnte sich aus mehreren Zeitungen gemäß bestimmter Suchkriterien eine Art Newsletter erstellen lassen.

          • Benjamin Wagener

            Es wäre aber schon mal ein Gewinn, wenn man problemlos einen Online-Kiosk auf seinem Rechner oder Mobile Device aufrufen und die verschiedenen Zeitungen einzeln digital erwerben könnte. Manche Zeitungen und Zeitschriften kann man ja immer noch überhaupt nicht digital erwerben, sondern wirklich nur in der Printausgabe und ansonsten die meisten nur im Abo digital. Und das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Digitale Ausgaben verursachen immerhin schon mal nicht unnötigen Papiermüll. Man kann sie nach eigenen Interessen per Suchmaschine oder dergleichen durchsuchen. Und sie sind wesentlich einfacher und effizienter archivierbar.

          • Jan Schneider

            Eine wirklich interessante Vorstellung, wie ich finde. Ein derartiges Angebot würde jedoch den Identitätsverlust von Print bedeuten un den Untergang letztendlich nur beschleunigen.

          • Benjamin Wagener

            Ja und? Warum etwas nachweinen was niemand mehr braucht? Kassetten braucht heute auch so gut wie keiner mehr.

          • Simone Janson

            Es gibt ja heute schon Möglichkeiten, Nachrichten aus verschiedenen Quellen zusammenzustellen. Twitter ist für z.B. ein solcher Nachrichtenkanal. Tatsächlich lese ich auch keine Papierzeitung, schon alleine weil mir das Format zu unpraktisch ist (z.B. in der vollen U-Bahn)…

            Das mit dem Meinungsjournalismus ist so eine Sache: In deutschen Zeitungen ist es ja leider verpönt, in der Ich-Form zu schreiben, daher fehlt dann das Kenntlich-Machen. Ich glaube aber, dass in jeden noch so gut recherchierten Artikel immer auch die Meinung des Autors einfließt – alleine schon in Auswahl & Gewichtung der Quellen. Aber natürlich ist der beschriebene Trend, einfach Pressemitteilungen mit Kommentar zu versehen, bedenklich. Das ist vor allem eine Kostenfrage.

            Und hier sind wir wieder beim Grundproblem: Wenn ich mir die dauergestressten Kollegen so anschaue, verstehe ich sehr gut, dass man für das kleine Geld nicht mehr viel Lust hat zum Gegenrecherchieren. Und da rächt es sich, dass Journalisten in vielen Bereichen eben keine Experten sind und zu wenig durchblick haben. Natürlich beisst sich da die Katze in den Schwanz, aber…

            Allerdings ist auch fehlende Weitsicht im Management vieler Verlage ein Problem: Man schaut eben nur auf die Klickzahlen, statt längerfristig zu investieren. Dass Ranking von Google, immer noch der größte Traffic-Bringer, ist so ausgelegt, dass mehr Texte auch bessere Suchergebnisse liefern.

            Angst ist da auch ein Faktor: Die Verzahnung von PR und Medien ist sehr eng, viele Verlage haben sich auch mit den kostenlosen Content-Liferanten aus der PR eingerichtet, dann einfach zu sagen wir bringen keine Pressemitteilungen mehr ist vielen ein zu harter Schnitt. Auf Berufebilder.de habe ich daraus die Konsequenz gezogen, dass ich die Experten, so wie Herrn Heinrich, dann bitte einen Gastbeitrag zu schreiben. Dann weiß der Leser auch gleich, wer dahinter steht.

            Ein letzter Punkt schließlich: Es gibt m.E. noch kein vernünftiges Bezahlsystem im Netz, so wie Benjamin sich das wünscht, also bezahlen pro Artikel. Paypal ist bei Kleinstbeträgen viel zu teuer, Flattr zu unbekannt. Flattr nimmt übrigens auch 10 Prozent! Die Neue Züricher Zeitung hat eigens ihr eigenes Bezahlsystem programmiert. Kürzlich wurde mir klar, dass die Implementierung eines einheitlichen Bezahlsystems auch am Lobyismus krankt: Und natürlich gibt es Crowdfunding, mein Eindruck ist allerdings, da kommt es dann aber wieder auf die Selbstvermarktungsfähigkeiten des Einzelnen an. Und die Einkünfte sind dann auch, von einigen speziellen Aktionen mal abgesehen, wieder ein Tropfen auf dem heißen Stein. Auf Berufebilder.de gehe ich gerade dazu über das Blog außer durch Sach-Sponsoring durch Seminare & Workshops quer zu finanzieren und damit von meiner eigenen Arbeit abzuweichen. Auch irgendwie paradox.

            Kurz: Ein einziges Dilemma. Über konstruktive Lösungsvorschläge freue ich mich.

          • Jan Schneider

            … ganz gut finde ich die „Aktion“ der Taz. Wenn man online auf einen Beitrag stößt, wird man gefragt, ob man bereit ist, dafür zu bezahlen. Man kann einfach „nein“ anklicken und den Artikel dann trotzdem lesen. Natürlich ist das weit davon entfernt, ein Lösungsvorschlag zu sein. ich finde diese Aktion aber gut, denn es regt zum Nachdenken an: wieso erwarte ich, dass Content Online kostenlos ist? Für derartige Informationen war ich früher ja auch bereit, Geld in die Hand zu nehmen.

            Dieser Trend, alles möglichst umsonst bei gleichzeitig maximaler Qualität haben zu wollen, geht mir ziemlich auf die Nerven. Ein gutes Beispiel sind hier die ganzen Lebensmittelskandale. Man wundert sich, dass die Verbraucher sich wundern.

            Noche eine Anmerkung: Ich kenne zwar keine aktuellen Zahlen aber in den USA gibt es nahezu doppelt soviele PR-Fachleute wie Journalisten (Zahlen von 2005). In Deutschland ist dieses Verhältnis umgekehrt (ebenfalls 2005). Vielleicht handelt es sich hier um ein weiteres Beispiel der Amerikanisierung (auch wenn der Verweis auf die USA, so „80er-mäßig“ ist, wie ich es irgendwo letztens mal gelesen habe…)

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