Transparenz-Portal zur Verzahnung von Wirtschaft & Hochschulen ab heute online: Von UniLeaks zu Hochschulwatch

Heute ging ein Projekt online, das m.E. schon lange überfällig war: http://www.hochschulwatch.de sammelt von nun an Beispiele fragwürdiger Einflussnahmen der Wirtschaft wie zum Beispiel den Aldi-Hörsaal an der FH Würzburg oder eine von der Energiewirtschaft finanzierte Stiftungsprofessur. Die Frage ist nur, ob die Verzahnung von Wirtschaft nicht schon viel zu normal und auch zu positiv gesehen wird, um diesem Projekt die notwendige Resonanz zu bescheren.

hochschulwatch

Wer finanziert die Wissenschaft?

Ich habe selbst hier im Blog mehrfach über solche Beispiele berichtet, etwa den Hochschulcampus im ägyptischen Ferienparadis El Gouna, auf dem Studiengänge auch durch die ägyptische Wirtschaft finanziert werden.

Oder über den Verein Queb, der Lehrveranstaltungen sponsern will und sich in einer Pressemitteilung ganz offen über fehlende Mitsprache bei der Themensetzung beschwert und Rabatte fordert.

Verzahnung von Wirtschaft und Lehre – Flop oder Top?

Wenn ich mir jedoch einge Studierende von heute so anschaue, dann habe ich den Eindruck, sie finden solche Verzahnungen auch nicht weiter schlimm: Schließlich wurde mir gerade diese Woche von einer Studentin erklärt, wie toll es doch sei, dass man so früh Kontakte und Einblicke in Unternehmen bekommt. Und für die Professoren ist die Sache ja auch in zweierlei hinsicht praktisch. Oder?

Um so mehr freue ich mich, dass Hochschulwatch nun von der taz, der  Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland e.V. und der fzs (freier zusammenschluss von studentInnenschaften) gemeinsam gelauncht wurde.

Macht mit!

ProfessorInnen, DozentInnen, Mitarbeitende und Studierende an Hochschulen sind nun aufgerufen, das Portal mit Fällen und Hinweisen zu füllen, wo die Hörsäle zu Werbeflächen werden und wo es intransparente Verträge gibt, wie an der Universität Köln, die einen Vertrag mit der Bayer Healthcare AG zur Förderung der Krebs- und Herzforschung abgeschlossen hat und diesen hartnäckig unter Verschluss hält.

Für jede Hochschule gibt es einen Wiki-Eintrag, der ebenfalls über die Karte zu erreichen ist. Die Leser können die Einträge editieren und Ihr Wissen über Kooperationen zwischen einzelnen Hochschulen und Unternehmen hier einstellen.

Von UniLeaks zu Hochschulwatch

Die Webseite wird von Redakteuren der tageszeitung moderiert. Das Projekt “Hochschulwatch. MachtWirtschaftUni” ist auf ein Jahr angelegt. Die Webseite ist ab sofort freigeschaltet:

Bereits 2011 hatte die taz Unter dem Stichwort “Uni-Leaks” ihre Leserinnen und Leser aufgefordert, Auffälligkeiten in der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft zu benennen und dabei festgestellt, dass die Ökonomisierung der Hochschulen voranschreitet.


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