Sozialunternehmer in der Bretagne – Teil 2: Mit Spielzeug die Welt verbessern – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Sozialunternehmer in der Bretagne – Teil 2: Mit Spielzeug die Welt verbessern



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Im bretonischen Städtchen Saint-Brieuc Dominique Bébin lernen Kinder und auch Erwachsene, wie man selbst Puzzle, Segelboote, Stifthalter, Autos oder gelenkige Tierfiguren baut und bemalt. Doch Dominique will nicht einfach nur basteln, sondern die Welt ein Stück besser machen. Eine Idee, die ihn weit über die Grenzen der Bretagne hinaus und selbst im Ausland bekannt gemacht hat.

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Hier schreibt für Sie: Simone Janson spricht in der ARD, schreibt für DIE WELT & t3n, macht Berufebilder.de & HR-Kommunikation. Profil

Man lernt am besten in der Praxis

Wer bei Dominique einen Kurs macht, wählt sich zuerst ein Modell aus und beginnt dann mit einer Bleistiftskizze, um die Teile schließlich mit entsprechenden Maschinen auszuschneiden, zu bearbeiten und zusammenzusetzen – alles natürlich unter den wachsamen Augen der Betreuer.

„Die richtigen Handgriffe erlernt man am besten in der Praxis!“, sagt Dominique, der auch dafür sorgt, das jedes Teil am Ende glatt geschliffen und poliert ist. Ein echter Perfektionist eben.

Spielzeugbauer ist kein geschützter Beruf

Sein Können hat er sich als echter Autodidakt selbst beigebracht, eine Handwerksausbildung hat er nicht. Auch in Frankreich gibt es so etwas wie eine Handwerksordnung, nach der Werkstätten normalerweise nur von Meistern betrieben werden können.

Dominique aber übt eine künstlerische Tätigkeit aus, für die es keinerlei Reglementierung gibt: „Spielzeugmacher gibt es als Beruf einfach nicht“, erklärt er verschmitzt sein Hintertürchen.

Treue Kunden, die jahrelang kommen

Natürlich reichen für komplizierte Spielzeuge die die drei Stunden nicht, die ein einfacher Kurs dauert. Ich schaffe in dieser Zeit gerade mal ein Ringfangspiel.

Viele Kinder kommen daher öfter, oft jahrelang so wie andere eben zum Sport gehen, wie Dominique stolz erzählt, und jedes Kind hat dafür seinen eigenen, handgefertigten Werkzeugkasten.

Do-it-yourself-Kurse boomen

Anfangs wollte er noch Spielzeug verkaufen. Doch ein wenig Marktforschung zeigte ihm, dass das wegen des billigen Holzspielzeugs aus China eher chancenlos ist. Stattdessen sprang Dominique erfolgreich auf den Do-it-yourself-Trend auf.

Seine Kurse jedoch machten ihn weit über die Bretagne hinaus bekannt: Er macht Ausstellungen, schreibt für Fachzeitschriften und hält Vorträge auf Konferenzen und Kongressen. Gerade kommt er von einer Konferenz in Nizza zurück.

Kommunikation ist sein Metier

Daneben ist auch sein Museum und der Platz davor selbst eine Event-Location: Immer wieder finden hier Diskussionsrunden, Musikfeste oder Ausstellungen statt, wie etwa kürzlich zur Frau in der Bretagne.

Kommunikation, das merkt man gleich, ist Dominiques Metier. Oft ist er daher auch in lokalen Radio- und TV-Sendern zu hören. Über 700 Zeitungsartikels sind über sein Atelier schon erschienen.

Marketing mit Internet & Mundpropaganda

Als Marketing-Kanal nutzt er zusätzlich das Internet und schalten Zeitungs-Anzeigen. „Die meisten aber kommen durch Mundpropaganda.“

Seine Werkstatt-Konzept, bei dem Kinder immer wieder kommen und Neues Lernen können, ist in Frankreich einzigartig. Die regelmäßigen Besucher kommen daher aus einem Umkreis von 50 Kilometern hierher.

Die Idee zu denen tragen, die nicht selbst kommen können

Doch Dominique möchte seine Idee auch zu denen tragen, die selbst nicht zu ihm kommen können: Zum Beispiel ins Gefängnis, wo die Häftlinge Spielzeug für ihre Familien basteln können. Die Idee kam ihm, weil er früher auch in Frauengefängnissen gesungen hat:

„Ich mache das sehr gerne, das ist sehr berührend“, sagt er. Viel härter sei für ihn der Besuch bei todkranken Kindern: „Ich bringe dann die Werkstatt ins Krankenhaus und die Kinder basteln dort. Das ist sehr schlimm, weil die Kinder wissen, dass sie sterben müssen,“ sagt er sieht plötzlich ziemlich traurig aus.

Von Anfang an auch Sozialunternehmer

Den sozialunternehmerischen Ansatz hat er bei seiner Gründung von Anfang an verfolgt: „Das ist meine Art“, sagt er schlicht und ein bisschen verlegen. Was ihn antreibt, das merkt man, ist seine Begeisterung weiterzugeben:

Er arbeitet auch mit behinderten Kindern, Jugendlichen mit Migrationshintergrund oder aus schwierigen sozialen Verhältnissen.

Internationale Bekanntheit

Kürzlich war er in Marokko und hat dort ein Projekt mit Straßenkindern gemacht: „Ich habe Ihnen beigebracht, wie sie Spielzeug herstellen, dass sie dann verkaufen können.“ Die Maschinen und das Werkzeug dafür, die er dort gelassen hat, wurden über Spendengelder finanziert.

Auch aus dem Senegal und Peru hat er schon anfragen und entsprechende Projekte in Planung. Gerne würde Dominique auch mal Kurse in Deutschland geben.

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Jan Thomas Otte

    Super! Das zeigt, um die Welt zu verbessern braucht es (manchmal) gar nicht viel. Ausser die richtige Einstellung, ob die an der Hobelbank oder im Hirn – beides gut! Und eben anfangen, statt weiter einen auf Bedenkenträger zu machen…

    • Simone Janson

      Hi,
      ja, mir hat diese Idee auch sehr gut gefallen. Es zeigt auch sehr schön, wie gerne Menschen etwas mit ihren eigenen Händen herstellen – auch etwas, das in unserer Berufswelt glatt unterrepräsentiert ist.

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