Online-Bewerbungen – Studie im Faktencheck 2/2: Online-Bewerbungen als Trendwende? – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Online-Bewerbungen – Studie im Faktencheck 2/2: Online-Bewerbungen als Trendwende?



Voriger Teil




Mit der Frage, warum die E-Mail nicht auch im Bewerbungsverfahren die wichtige Rolle spielen sollte, die sie in der täglichen Kommunikation spielt, habe ich den ersten Teil des Beitrags beendet. Hier möchte ich ihn nun beantworten: Sind Online-Bewerbungen ein neuer Zukunftstrend? Bewerbungstipps  Employer Branding Recruiting Personalwesen HR Bewerbungsanschreiben Bewerbungsprozess Bewerbungsfoto


Hier schreibt für Sie: Lorenz Hartwig ist Online-Redakteur. Profil

Was spricht aus Sicht des Unternehmens für Online-Bewerbungen?

Aus Unternehmenskreisen, so hört man, spricht vieles für Online-Bewerbungen. Im Wesentlichen sind es drei Gründe, die immer wieder als Vorteil der eMail- Bewerbung gegenüber dem Papier genannt werden:

  1. Bewerbungen per E-Mail erleichtern die Sortierung der eingehenden Bewerbungsschreiben. Sie können in einem zentralen Postfach gespeichert werden und ohne Aufwand innerhalb des Unternehmens ausgetauscht und verschickt werden.
  2. Bewerbungen per E-Mail erreichen die zuständige Person direkt und müssen nicht erst durch Post und ggf. Hauspost befördert werden.
  3. Ein mailbasiertes Bewerbungsverfahren ermöglicht eine schnelle Durchführung des Bewerbungsprozess, denn die Bewerber können binnen kürzester Zeit auf die Ausschreibung reagieren. Projektbezogene Aufträge können dadurch ebenfalls schneller vergeben werden.
  4. Unternehmen, die internationale Bewerbungen erhalten, können durch E-Mail Kontakt schnell und kostengünstig mit Bewerbern aus der ganzen Welt kommunizieren.

Was spricht aus Sicht des Unternehmens gegen Online-Bewerbungen?

Doch auch, dass viele Unternehmen nach wie vor an analogen Bewerbungen festhalten, hat Gründe:

  1. Eine „analoge“ Bewerbung gibt dem geschulten Personaler einen besseren Eindruck vom Bewerber als die E-Mail, denn die Erstellung einer Bewerbungsmappe erfordert Fleiß und Sorgfalt auf Seiten des Bewerbers.
  2. Bei einer E-Mail Bewerbung sind derartige Kompetenzen nur bedingt gefragt. Die persönliche Note kann daher schnell verloren gehen, das Unternehmen bekommt nicht den erforderlichen perönlichen Eindruck.
  3. Zwar kann die bemängelte persönliche Note in einem Bewerbungsgespräch ergänzt werden und an diesem Scheidepunkt über Zu- bzw. Absage entschieden werden, das aber bedeutet einen höheren Aufwand

Entstehen dem Bewerber Nachteile bei der Bewerbung?

Es muss zudem geklärt werden, ob dem Bewerber durch die Digitalisierung des Bewerbungsverfahrens Vor- bzw. Nachteile entstehen. Hier dürfte die Sachlage eindeutig sein:

  1. Bei einer eMail-Bewerbung ist nicht erforderlich eine aussagekräftige Bewerbungsmappe zu erstellen.
  2. Die Erstellung einer Online-Bewerbung ist weniger zeitintensiv.
  3. Bewerbungsschreiben und Lebenslauf werden sowieso am Computer erstellt und schon lange nicht mehr per Hand verfasst.
  4. Der Bewerbungsprozess beschleunigt sich. Man kann sich online schneller auf verschiedene Stellen bewerben.
  5. Der Gang zur Post fällt weg und damit auch Portokosten, die mit steigender Zahl von verfassten Bewerbungen, beispielsweise bei Geringverdienern zur Belastung werden können.

Online-Bewerbungen als Trend der Zukunft?

Zeichnet sich trotz Kritik am Aufbau der Umfrage ein Trend ab? Ich meine ja. Denn den Trend zur zunehmenden Digitalisierung zu leugnen wäre eine Falschbewertung offensichtlicher Tatsachen.

Auch wenn der Aufbau der Umfrage von Projektwerk kritisiert werden kann, so ist doch die durch sie aufgezeigte Tendenz deckungsgleich mit der Alltagserfahrung. Und: Ob ein Mensch sympathisch ist und die Qualifikationen mitbringt ergibt sich ebenso wenig aus einer analogen, wie aus einer Online-Bewerbung. Daher sollte einer konsequenten Durchführung von Online-Bewerbungen nichts im Weg stehen.

Papierbewerbungen – nur noch für Nostalgiker?

Gerade in der Medienbranche oder der Kreativwirtschaft hat die Bewerbung per E-Mail bereits einen enormen Stellenwert; andere Branchen ziehen nach. Darüber hinaus sind natürlich auch die so genannten Online-Bewerbungsformulare ein Zeichen der Zeit.

Für die Zukunft bleibt also zu erwarten, dass die gute alte Bewerbung im Briefumschlag mit Briefmarke und Stempel versehen, verloren gehen wird. Wer keinen Hang zur Nostalgie hat, wird sie nicht vermissen.

berufebilder

Mehr HR-News & Tipps? Unsere 30.000+ Community freut sich auf Sie!


Der Debatten-Monitor bündelt 25.000+ Leserstimmen zu unseren Beiträgen auf B E R U F E B I L D E R, in Social Media & im Netz - aktuelle Debatten abonnieren. Viele unserer Beiträge entstehen durch Leser-Anregung: Schlagen Sie Ihr Thema vor!

Meinungen abonnieren per RSS oder (erforderliche URL!) Bitte die Debatten-Regeln einhalten, Beiträge müssen freigeschaltet werden. Fotos sind via Gravatar möglich, Ihre eMail-Adresse bleibt geheim.

    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Hallo Frau Janson

    Sind wir nicht schon weiter? Ist nicht die Emailbewerbung schon wieder langsam am Aussterben? Die Quo Vadis Recruiting-Studien von Herrn Brickwedde sprechen da eine recht eindeutige Sprache.

    Zumindest bei grösseren Unternehmen ist die Bewerbung über Online-Formulare absolut üblich und wird auch bei mittelgrossen Unternehmen immer wichtiger. Auch wir setzen voll auf die Formularbewerbung.

    MiuSuCo
    Warum akzeptieren wir keine Bewerbungen per Email mehr (und auf Papier schon gar nicht)? Nur ein paar Gründe:

    Die Emails landen entweder in überfüllten Gruppenmailboxes oder im ohnehin schon turbulenten Posteingang des Personalers, später beim Fachvorgesetzten und so weiter.

    Bei einem Bewerbungseingang von ca. 50-100 Bewerbungen am Tag mit durchschnittlich 5MB Anhängen entstehen riesige Datenmengen. Eine Emailbewerbung wird im Schnitt an 2-3 Personen weitergeleitet oder ausgedruckt. Bei vielen Unternehmen ist der persönliche Posteingang auf 100MB beschränkt. Für grössere Unternehmen ein riesiges Problem.

    Emailbewerbungen lassen sich nicht tracken. Wir haben uns Servicelevels gegenüber unseren Bewerbern auferlegt, die wir bei einer Emailbewerbung nicht halten können. Mit einem guten Bewerbermanagement können wir den Recruitingprozess effizient steuern.

    Emailbewerbungen sind Eintagsfliegen. Wir möchten gerne mit Bewerbern, denen wir für eine Stelle absagen mussten, in Kontakt bleiben. Behalten wir eine Emailbewerbung über eine längere Zeit gespeichert, um später noch einmal Kontakt aufzunehmen, verstossen wir gegen den Datenschutz. Natürlich bieten wir aber jedem Bewerber die Möglichkeit, seine Daten dauerhaft entfernen zu lassen.

    Natürlich kenne ich auch Formularbewerbungen, die unglaublich mühsam sind. Das habe ich selbst als Bewerber miterlebt. Ist aber nicht nötig. Wir achten darauf, dass eine Erstbewerbung bei uns nicht länger als 5 Minuten dauert, jede weitere Bewerbung ist unter einer Minute möglich. Dateianhänge akzeptieren wir in „haushaltsüblichen“ Mengen (5 x 2.5MB).

    Die vielen Profile und Kennwörter sind in der Tat ein Problem. Aber auch hier geht der Trend zur Verknüpfung mit den eigenen Google-Logindaten, Bewerbung via LinkedIn-Profil und ähnliches.

    Sie sehen, hier tut sich einiges und die einst sehr starren Systeme werden auch für Bewerber immer benutzerfreundlicher.

    Viele Grüsse aus der Schweiz

    • Simone Janson

      Hallo JJ,

      klar haben vor allem die großen Unternehmen ein vollautomatisiertes Bewerbungssystem. Aber viele kleine und mittelständische Unternehmen fangen da gerade erst an. Was die Digitalisierung angeht liegen oft Welten zwischen Unternehmen – und das zeigt sich eben auch hier. Auch dazu gibt es Umfragen:

      Und natürlich sind die automatisierten Bewerbungs-Systeme, die oft auch für teueres Geld angeschafft, für Unternehmen praktischer. Man sieht aber an dem Beitrag von MiuSuCo auch, dass sie auch viele Bewerber abschrecken, weil sie für den Bewerber viel zu kompliziert sind. Laut dieser Studie lassen sich gerade gut qualifizierte Bewerber vom komplizierten Auswahverfahren wie Assessment-Centern abschrecken:
      http://berufebilder.de/2012/bewerber-assessment-center/
      Wäre mal eine interessante Studie, wie viele Bewerber sich von komplizieren Bewerbungssystemen abschrecken lassen.

  2. Und wie sieht es mit den ganzen Recruiting-Verfahren aus, bei denen ein Jobinteressent sich durch die Software des Unternehmens plagen darf? Wenn er nach einer gefählten halben Ewigkeit dann darauf hoffen muss, für die Filterverfahren die richtigen Schlagworte in den Texten versteckt zu haben, um herausgefischt zu werden? Noch dazu muss er sich mit der elektronscihen Speicherung einverstanden erklären und ein (weiteres) Einmalkonto im Auge behalten, umm ggf. die Löschung persönlich einfordern zu können. Längst nicht alle Firmen erklären, wie sie vorgehen bei Beendigung der Recruitings für eine bestimmte Stelle… ich habe die erfahrung gemacht, dass dies zwar für die unternehmen eine effiziente Einrichtung ist, mir als bewerber aber noch viel mehr meiner persönlichen Note nimmt und zudem wesentlich aufwändiger als die e-Mail-Bewerbung. Oft besteht allerdings keine Alternative, wer nicht mitmacht, wird also nicht berücksichtigt.

    • Simone Janson

      Hi MiuSuCo,
      das ist leider nochmal ein ganz anderes Thema. Haben Sie nicht Lust, einen (anonymen) Erfahrungsbericht diesbezüglich zu verfassen? Das könnte anderen Nutzern werfvolle Hilfe geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.