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Die Mär vom Multitasking – Teil3: Körperverletzung & Kurzstrecken-Denken



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Eine neue Disziplin erobert die Arbeitswelt: das Kurzstrecken-Denken.  Die Nachhaltigkeit weicht der Kurzatmigkeit, das strategische Handeln dem trommelnden Aktionismus. Vielleicht ist Aufmerksamkeitsschwäche eine neue Epedemie unserer Zeit? Erfolg & Management  Zeitmanagement Arbeitsorganisation Projektplanung


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Hier schreibt für Sie: Martin Wehrle ist Bestseller-Autor sowie Deutschlands bekanntester Karriere- und Gehaltscoach. Profil

Schuld ist das Gehirn

Beim Multitasking fallen viele Vorgänge unter den Tisch. Das liegt am Arbeitsgedächtnis des Menschen. Dieser Zwischenspeicher ist höchst unzuverlässig, was wir zum Beispiel merken, wenn wir als Zuhörer am Ende eines langen Bandwurmsatzes seinen Anfang nicht mehr kennen.

Und wem ist es nicht schon passiert, dass ihm erst auf dem Heimweg von der Arbeit einfiel, welchen Anruf er noch hatte erledigen und welche Mail schreiben wollen? Der Psychiater Edward Hallowell ruft die Aufmerksamkeitsschwäche als neue Epidemie aus und bezeichnet sie als „direkte Folge der modernen Arbeitswelt“.

Krankhafte Zerstreutheit ist auf dem Vormarsch

Vor lauter Aufgaben, die sie gleichzeitig erledigen wollten, haben sich viele Menschen selbst erledigt – gesundheitlich. Sie leiden unter Attention Deficit Trait (ATD), einer krankhaften Zerstreutheit. Sie stehen unter Dauerstorm, sind laut Hallowell „abgelenkt, reizbar, impulsiv, ruhelos“. Und wie ein Junkie seinen Stoff braucht, so brauchen die Aufmerksamkeitsschwachen ihr Multitasking. In immer höherer Dosis. Mit immer fataleren Folgen.

Eine dieser Folgen sind die Arbeitsergebnisse, wie der Standfort-Wissenschaftler Clifford Nass in einer Studie herausfand. Verglichen mit Menschen, die selten multitasken, sind die Multitasker unkonzentrierter, vermengen Wichtiges und Unwichtiges. Und wie dumme Bewegungsmelder, die nicht zwischen Mensch und Katze unterscheiden, reagieren sie auf jeden Reiz von außen, auch Nichtiges.

Ausdauer-Defizit & Fehler im Denken

Sie tun sich schwer mit Aufgaben, die Ausdauer erfordern. Ihre geistige Leistung lässt nach, in ihr Denken schleichen sich Fehler ein. Und wer meinte, beim Multitasken lerne man wenigstens das Multitasken, sieht sich getäuscht: Nicht einmal darin werden die Multitasker besser!

Der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, bis dahin nicht gerade als Kapitalismus-Kritiker bekannt, bezeichnet Multitasking in seinem blitzgescheiten Buch „Payback“ als „Körperverletzung“ und resümiert: „Multitasking ist der zum Scheitern verurteilte Versuch des Menschen, selbst zum Computer zu werden.“

Wie verliert man den Verstand?

Aber wer hat die Menschen auf diese irrsinnige Idee gebracht? Wer tut seit der Industrialisierung alles, um aus Maschinen und Menschen das Letzte rauszuholen, damit der Rubel rollt? Wer hat die Fließbänder erfunden, die Computer eingeführt, die Welt so rasant beschleunigt, dass die Köpfe und Herzen nicht mehr mitkommen? Wer, wenn nicht die rücksichtslosen unter den Arbeitgebern, hat den modernen Menschen zum strampelnden Versuchstier im Hamsterrad des Multitaskings gemacht?

Natürlich, wir selbst. Es gilt daher die schöne Hamsterrad-Regel: Es gibt viele Wege, den Verstand zu verlieren. Multitasking ist der modernste. (Anmerkung: Der Beitrag entstammt zum Großteil Martin Wehrles Buch “Bin ich hier der Depp? Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen”)

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