Das Buch zum Hashtag #aufschrei: Frauenpower schlägt Herrenwitz

Bildung Karriere Zukunft - Berufebilder.de-Autoren-Profil
29.01.2013 133 Leser 0 Debatten 707 Wörter Lesezeit: 5 Minuten, 2 Sekunden

Wir sind: Eines der 500 wichtigsten deutschen Blogs, laut DIE ZEIT & Wikipedia eines der meistgelesenen Jobblogs. Schwerpunkt: Digitaler Wandel in Bildung & Arbeitswelt.

Heute rezensiere quasi das Buch zum Hashtag #aufschrei. Zwar eher ein Zufall, aber es passte, dass letzte Woche mit einiger Verspätung das sehr gute Buch von Petra Jenner auf meinem Tisch gelandet ist. Thema: „Frauen und Karriere“. Titel und Cover waren zwar nicht sehr viel versprechend, der Inhalt dafür umso mehr. Ein Buch für beruflich ambitionierte Frauen von einer Frau, die zeigt, dass und wie es möglich ist. Und die zeigt, dass die Abteilung „Herrenwitze“ keine große Zukunft mehr haben dürfte.

Frauenpower schlägt Herrenwitz

Was an Deutschlands Arbeitsplätzen los ist, zeigt in aller Schärfe der Tsunami, der sich auf Twitter unter dem Hashtag „#aufschrei“ ereignet hat. Er zeigt durch die Schärfe der Positionen, dass trotz aller „Diversification“ auch in Unternehmen viel im Argen liegt.

Umso wichtiger, dass sich immer mehr Frauen aus dem „Auge des Taifuns“ zu Wort melden. Eine davon ist die hochrangige Microsoft-Managerin Petra Jenner.

Was Frauen auf dem Weg nach oben passieren knn

Sie beschreibt in Ihrem Buch „Mit Verstand und Herz“ (Ariston 2012), was Frauen auf dem Weg nach oben passieren kann. Sie zeigt auch, was Frauen tun müssen, um nach oben zu kommen. Und sie zeigt, was Frauen tun können, wenn sie oben sind.

Im Grunde sind es zwei Bücher in einem. Und „beide“ sind allen Frauen ans Herz zu legen, die Lust auf ihren Job haben und gerne mal die erste Geige spielen wollen.

Steine in den Weg legen oder Leitern aufstellen?

Ihnen gibt Petra Jenner, die bei vielen global agierenden IT-Unternehmen ganz oben mitgemischt hat und nun als Country Managerin das Microsoft-Geschäft für die Schweiz verantwortet, ein gutes Rollenmodell mit auf den Weg.

Sie beschreibt, welche Steine ihr in den Weg gelegt wurden. Und welche Leitern ihr hingestellt wurden. Und wie wichtig es ist, beide Dinge gut unterscheiden zu können.

Wenn der Chef mehr erwartet

Fast unvermeidlich der Satz gleich in einem der ersten Kapitel: „… doch leider erwartete der Chef von meinen Kolleginnen und mir mehr als nur freundliches Entgegenkommen.“ So lakonisch der Satz daherkommt, so sehr zeigt er auch, wie wirklich diese Wirklichkeit für viele Frauen im Beruf ist.

Wenn Petra Jenner davon schreibt, einen Wirtschaftsastrologen zurate zu ziehen, wenn sie von Vorahnungen schreibt, die sich (leider) immer wieder bewahrheiteten, wenn sie schreibt, wie ihr Leitungsjob noch während ihrer Schwangerschaft klammheimlich neu vergeben worden war, und wenn sie offen über ihre Fehlgeburt berichtet, dann schlägt sie Töne an, die in keinem anderen „Wirtschaftsbuch“ sonst angeschlagen werden.

Der Mensch hinter dem Funktionsträger

Damit zeigt sie: Auch diese Seiten gehören zum Job. Weil man auch im Job und gerade in Führungspositionen immer auch Mensch ist. Nie nur „Funktionsträger“.

Auf Grundlage ihrer langjährigen Führungserfahrungen entwickelte Petra Jenner ihren eigenen Führungsstil und ihre eigenen Methoden. Und was sie da zu bieten hat, stellt einen Großteil der aktuellen Führungsliteratur locker in den Schatten.

Familie als Leitbild im Job?

Weil Petra Jenner nicht formal irgendwelche Führungsgrundsätze verfolgt, sondern immer von den Menschen ausgeht. Ihr geht es um mehr als um „Zahlen, Daten und Fakten“, nämlich auch um „zwischenmenschliche Begegnungen, um kleine Gesten auf dem Flur, um eine freundliche Bemerkung.“

Jenners Leitbild ist denn auch weniger der machiavellische Fürst sondern das „älteste Erfolgsmodell“ namens Familie.

Über (Un-)Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Petra Jenner hat selbst keine Kinder. Sie weiß, welche „immense Bedeutung“ die Frage „Karriere oder Beruf“ hat, wie schwer die Frage für viele eindeutig zu beantworten ist und wie schwer es gleichzeitig ist, einen Kompromiss zu finden.

Mit der erfahrenen Therapeutin Swantje Benussi hat Petra Jenner eine Koautorin gefunden, die in einem extra Kapitel diesen Fragen erhellend auf den Grund geht. Benussi hat selbst ein Unternehmen gegründet, das bewusst Arbeitsplätze für Frauen bieten sollte. Weil dann zeitweise 35% der Belegschaft schwanger oder in Mutterschutz war, hatte sich für Benussi das Thema Kinderwunsch erledigt. Bis alles anders kam.

Hier geht es zum Wissensvorsprung

Fazit: „Mit Verstand und Herz“ ist ein wichtiges Buch für Frauen, die sich auch im Job verwirklichen wollen. Zum einen liefert es mit der Biografie Petra Jenners ein interessantes Rollenmodell (davon gibt es für ambitionierte Frauen noch viel zu wenig), zum anderen liefern die Einsichten und Erfahrungen der Top-Managerin wichtige Impulse für ein neues Management und eine neue Führungskultur.

Vermutlich werden die meisten Männer einen Bogen um dieses Buch machen. Was Frauen die Möglichkeit gibt, sich still und leise das Führungswissen von morgen anzueignen.

berufebilder

Mehr Tipps & Infos? Unsere 10.000+ Community freut sich auf Sie!


Der Debatten-Monitor bündelt 25.000+ Leserstimmen zu unseren Beiträgen auf B E R U F E B I L D E R, in Social Media & im Netz - aktuelle Debatten abonnieren. Viele unserer Beiträge entstehen durch Leser-Anregung: Schlagen Sie Ihr Thema vor!

Meinungen abonnieren per RSS oder (erforderliche URL!) Bitte die Debatten-Regeln einhalten, Beiträge müssen freigeschaltet werden. Fotos sind via Gravatar möglich, Ihre eMail-Adresse bleibt geheim.

    Meistdiskutiert im letzten Monat:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.