„Der böse Wulff“ blickt hinter die Mechanismen unserer Mediengesellschaft: Lehrstück für Medien- & PR-Profis – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

„Der böse Wulff“ blickt hinter die Mechanismen unserer Mediengesellschaft: Lehrstück für Medien- & PR-Profis



Heute ein lehrreiches Buch zum Thema Medien, Kommunikation und PR. Und ein gesellschaftlich sehr wichtiges Buch obendrein. In „Der böse Wulff“ zeigt der hervorragende Journalist Michael Götschenberg, welche Macht die Medien im Fall Wulff entwickelt haben. Und wie die Bild-Zeitung und im Schlepptau die FAZ die systematische öffentliche Vernichtung des Ex-Bundespräsidenten betrieben haben. Das Protokoll einer Hinrichtung.

So tickt Deutschland wirklich

Dieses Buch ist wichtig und lehrreich für alle, die in irgendeiner Form mit Medien zu tun haben. Sei es in der Rolle als Presse-Verantwortliche in Unternehmen oder einfach als aufmerksame Zeitgenossen. Wer wissen will, wie Deutschland heute funktioniert, wird in „Der böse Wulff?“ von Michael Götschenberg unangenehme Wahrheiten erfahren.

Als Christian Wulff vor einem Jahr zurücktrat, war das Urteil klar: Ein blasser Karrierist hat sich verzockt. Der höchste Mann im Staat, dessen wesentliche Aufgabe die Repräsentation war, hat das Land in Misskredit gebracht.

Das Protokoll einer Hinrichtung

Dass die Geschichte hinter der Geschichte auch in diesem Fall etwas anders aussieht, bringt jetzt der Journalist Michael Götschenberg ans Licht. Viele, die allzu schnell den Stab über Wulff gebrochen haben, werden eines Besseren belehrt.

Denn die Geschichte von Wulffs Rücktritt ist auch die Geschichte einer regelrechten Hinrichtung. Und ein schockierender Bericht über die brutalen Mechanismen der deutschen Medienlandschaft.

Zu liberal für die Republik?

Das Buch erzählt dabei auch von einem, der die „Bunte Republik Deutschland“ verkündet und damit vielen aus dem Herzen spricht:

„Wann wird es selbstverständlich sein, dass jemand mit den gleichen Noten die gleichen Aussichten bei einer Bewerbung hat, egal ob er Yilmaz heißt oder Krause? Wenn wir weniger danach fragen, wo einer herkommt, als wo einer hinwill. Wenn wir nicht mehr danach fragen, was uns trennt, sondern was uns verbindet. Wenn wir nicht mehr danach suchen, was wir einander voraushaben, sondern was wir voneinander lernen können. Dann wird Neues, Gutes entstehen.“

Wer solchermaßen die „Bunte Republik Deutschland“ verkündet, ist kein Linker und kein Grüner. Die Sätze stammen aus einer Rede des Bundespräsidenten Christian Wulff vor dem Bundestag. Mit ein Grund, warum er für viele Einwanderer in Deutschland fast zu einer Art Lichtgestalt wurde.

Und dann sprang die Skandalmaschine an

Michael Götschenberg zeichnet die Stationen Wulffs nach und fördert Vergessenes zutage. Schreibt darüber, wie das Medien- und Polit-Deutschland sich langsam abgefunden hatte mit Wulff.

Bis die Skandalmaschine der Medien ansprang. Am Ende hatten Bild-Zeitung und Co alle weichgeklopft. Sogar die Staatsanwaltschaft, die das Verfahren gegen Wulf eröffnete und damit für seinen Rücktritt sorgte. Dabei steht bis heute noch immer steht nicht fest, ob Wulff sich irgendeines Fehlverhaltens schuldig gemacht hat.

Fleißige Staatsanwälte wie in einem Mafia-Prozess

Und die 24-köpfige Ermittlergruppe um vier Staatsanwälte war fleißig: „93 Zeugen wurden vernommen. Etwa eine Million Dateien von Computern, Notebooks, Datensticks und Mobiltelefonen gesichtet, 380 Aktenordner sichergestellt, 45 Bankkonten ausgewertet … Wohn- und Geschäftsräume in acht Objekten wurden durchsucht, drei ausländische Staaten wurden um Rechtshilfe ersucht … die Ermittlungsakten umfassten über 20.000 Blatt.“

Nein, es geht nicht um einen Mafia-Paten, sondern, wie Götschenberg recherchiert, um 2.700 Euro. Und selbst ob die zu Recht oder Unrecht bezahlt, geflossen, überwiesen oder sonst wie in Anschlag gebracht worden sind, ist nicht geklärt.

Wulff soll zur Strecke gebracht werden – analysiert die taz

Götschenberg versucht, nicht parteiisch zu sein. Das gelingt ihm nach Stand der Dinge. Er verhehlt nicht, dass Wulff zuweilen ein desaströses Kommunikationsverhalten an den Tag gelegt hatte.

Aber er zeigt eben auch, und das macht dieses Buch so spannend, wie systematisch und strategisch ein Teil der Medien gegen Wulff vorgegangen ist. Nur wenige Journalisten konnten sich diesem Sog entziehen.

Angst vor der Medienrepublik?

Und es waren dann gerade diejenigen, die nicht im Verdacht standen, das CDU-Parteibuch in der Tasche zu haben. Stern-Journalist Jörges warnte vor einer „Medienrepublik in Reinform“.

Und die linksalternative taz schreibt: „Was Diekmann in der ‘Bild‘ gerade macht, ist eine Grenzverletzung. (…) Die Zeitung verfolgt nun mehr das Ziel: Wulff soll zur Strecke gebracht werden“.

Fazit: Die Strippenzieher kommen ans Licht

Michael Götschenberg bringt in „Der Böse Wulff“ die Strippenzieher ans Licht. Denn, das zeigt Götschenberg deutlich, das präsidiale Ende Wulffs kam nicht etwa zwangsläufig. Nein, es wurde systematisch herbeigeschrieben.

Damit ist das Buch ein Lehrstück über die Macht der Medien und über die Funktion von Skandalen (als Geschäftsmodell der Medien). Und es ist eine sehr gute Vorlage, eigene Vor- und Schnellurteile zu überprüfen. Wer das Buch gelesen hat, wird beim nächsten Skandal genau hinhören, wer da spricht. Und warum.

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Hier schreibt für Sie: Wolfgang Hanfstein ist u.a. Mitbegründer und Chefredakteur von Managementbuch.de, der führenden Buchhandlung für Führungskräfte, Unternehmer und Selbständige. Profil


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