5 Dinge, die ich bei der nächsten Gründung anders machen würde: Gegründet & Gelernt

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15.04.2013 649 Leser 0 Debatten 851 Wörter Lesezeit: 5 Minuten, 32 Sekunden
Bildrechte: Bildmaterial von Miriam Rupp.
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Ein Unternehmen ist auch ein Selbsterfahrungsprozess, bei dem auch viel schief gehen kann. Miriam Rupp, hier auf dem Bild stehend, hat mit nur 24 Jahren die Agentur Mashup Communications gegründet und dabei einige Fehler begangen. Im Gründerbericht erzählt sie, was sei bei der nächsten Gründung anders machen würde.

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Existenzgründung als Lernprozess

Bereits nach meinen ersten zwei Jahren „Angestellten-Dasein“ zog es mich in die Selbstständigkeit. So kam es, dass ich mit 24 Jahren Mashup Communications, eine PR-Agentur für Unternehmen aus der Online- und Mobile-Branche, gründete. Ich war voller Tatendrang, hatte aber gleichzeitig in diesem Alter die Weisheit auch noch nicht mit Löffeln gefressen.

Nach mittlerweile vier Jahren steht Mashup Communications mit einem zehnköpfigen Team auf stabilen Beinen. Der Weg dahin bestand aus viel Learning by Doing, wovon ich bei der nächsten Gründung einiges genauso und anderes eben ganz anders machen würde. Ein kleiner Strauß an Dingen, die ich zukünftig vermeiden werde und an andere potentielle Gründer weitergeben möchte:

1. Bei der Rechtsform von Anfang groß und an die Zukunft denken

Auch wenn es von Beginn an mein Ziel war, eine Firma mit mehreren Mitarbeitern aufzubauen, bin ich als Freelancer, sprich Einzelunternehmen, losgelaufen, was bei einem Dienstleistungsberuf auch naheliegend erscheint.

Mit zunehmender Größe und Komplexität stand die Gründung einer GmbH an. Besonders, wenn wie in unserem Fall noch der Einstieg eines weiteren Geschäftspartners inbegriffen ist, kann sich die Änderung einer Rechtsform im schlimmsten Fall als zeit-, nerven- und geldfressender Schritt entpuppen. Bei der Rechtsform sollte man daher von vornherein seine langfristige Vision berücksichtigen und die entsprechende Wahl direkt zur Gründung treffen.

2. Dienstleister als langfristige Partner direkt zum Start involvieren

Das Spannende an der ersten eigenen Firma ist, dass sich der Wissenshorizont exponentiell erweitert, unvergleichbar mit allem, was ich vorher durch Studium oder Job erfahren habe. So habe ich mit Absicht viel freiwillige Lehrzeit investiert, um davon zu profitieren, mir neues Wissen über Webseitengestaltung, Steuern, Verträge, Finanzen, Akquise, Preisgestaltung etc. direkt in der Praxis anzueignen.

Auch wenn ich noch heute davon profitiere, hätte ich einige Probleme durch diesen Do-It-Yourself-Ansatz vermeiden können, hätte ich von vornherein bestimmte Bereiche Experten überlassen.

Auch bei der Auswahl entsprechender Dienstleister sollte man mit viel Sorgfalt vorgehen, um von einer langfristigen Partnerschaft profitieren zu können. Obwohl wir als PR-Dienstleister häufig selbst erfahren, wie vielen Fragen man sich gegenüber potentiellen Neukunden stellen muss, sind wir selbst häufig nur pragmatisch der ersten Empfehlung für eigene Dienstleister gefolgt. Heute weiß ich, dass wir mit mehr Recherche-Einsatz einige Enttäuschungen hätten vermeiden können.

3. Immer flüssig bleiben

Mashup Communications war zum Glück schon nach kurzer Zeit profitabel. Soviel zur Theorie. Denn es gab einen Zeitpunkt, wo mehrere unglückliche Situationen auf einmal eintrafen. Ausstehende Rechnungseingänge, unvorhersehbare größere Ausgaben und der Umstand, dass wir aufgrund der Verzögerung der GmbH-Gründung für einen kurzen Zeitraum auf einen Teil unseres Geldes nicht zugreifen konnten, führten unsere Zahlungsfähigkeit in enge Bedrängnis.

Ein äußerst kritischer Moment, trotz der Sicherheit, dass bald wieder Gelder eintreffen werden. Zum Glück war unsere Bank sehr hilfsbereit und flexibel und das Problem nach einem Monat gelöst. Nichtsdestotrotz haben wir seitdem mit Kontokorrentkredit und Kreditkarte unsere Liquidität stabilisiert, so dass heute größere oder kleinere Investitionen und Ausgaben ohne Bauchschmerzen getätigt werden können, auch wenn sich die Kunden mit der Zahlung ihrer Rechnungen Zeit lassen sollten.

4. Freundschaft und Business trennen

Mit meiner jetzigen Geschäftspartnerin Nora Feist habe ich das perfekte Gleichgewicht zwischen Freundschaft und Business: Eine ehemalige Kollegin, deren Stärken ich kannte und vertraute, die zum Zeitpunkt ihres Einstiegs aber eher eine gute Bekannte war. Unsere Freundschaft ist vor allem durch unsere Zusammenarbeit gewachsen.

Anders verhält es sich, wenn man enge Freunde als Angestellte ins Boot holt, womit ich überwiegend schlechte Erfahrungen gemacht habe. In einem Fall so extrem, dass es sowohl für die Firma als auch die Freundschaft fatal endete. Auf der anderen Seite war ich selbst zu Beginn durch die intensive Zusammenarbeit und unseren einzigartigen Team-Zusammenhalt häufig fehlgeleitet, die Grenze zwischen Freunden und Kollegen zu überschreiten.

Auch obwohl wir uns zum Glück alle privat bestens verstehen, sollten gerade Führungskräfte eine gesunde Barriere aufbauen, besonders was ihre persönlichen Befindlichkeiten oder privaten Krisen angeht, so dass berufliche Entscheidungen unvoreingenommen getroffen und akzeptiert werden können.

5. Nie auf den Lorbeeren ausruhen

Nach zwei Jahren intensivem Einsatz in der Gründungsphase kam ich an den Punkt, wo ich mir aufgrund des Erfolges der Firma erlauben wollte, nun an mich selbst zu denken. So folgte ein persönlich sehr aufregendes Jahr mit vielen Reisen. Trotz dessen, das sich der Zustand der Firma in dieser Zeit nicht verschlechtert hatte, würde ich sagen, dass wir einige Wachstumspotentiale verpasst haben.

Es ist sicherlich für die meisten Gründer keine einfache Aufgabe, eine gesunde Work-Life-Balance zu finden. Von einem Extrem ins andere zu wechseln, ist jedoch mit Sicherheit nicht der richtige Weg. Auch wenn mir diese Zeit der Abwesenheit geholfen hat, neue Motivation, Energie und Ideen zu sammeln, ist es für mich heute und für meine Firma umso wichtiger, immer wachsam, aufstrebend und innovativ zu bleiben.

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