Berufs- & Lebensbilder weltweit im Wandel: Der Bärenführer von Quebec

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Während in Deutschland Braunbär Bruno wochenlang Schlagzeilen machte, sind Bären in Kanada etwas völlig Normales – und gelten als weitgehend ungefährlich. Einer, der sich intentsiv mit ihnen beschäftigt hat, ist Carol LéPine: Er zeigt heute, gut 60 Kilometer vor Quebec City, Touristen, wie die Bären leben.

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Gefährlich sind Bären nur, wenn man unvorbereitet ist

„Ein bisschen gefährlich könnte es nur werden, wenn ich den Bären unvorbereitet treffe“, erklärt Carol, während wir in seinem alten Schulbus ziemlich schnell einen Waldweg entlang holpern.

Wir sind spät dran, denn die Dämmerung naht – und damit Essenszeit für die Bären. Carol hat ihnen ein Gemisch aus Früchten, Keksen und karamellisiertem Honig mitgebracht, das er auf einem großen Stein einige hundert Meter von unserem Hochstand aus anrichtet.

Das Bärenspräy hat er in 12 Jahren nie benutzt

„In dem süßen Gemisch befinden sich auch viele Insekten, die die Bären mitaufschlecken“, erklärt Carol. Wäre er auf dem Weg zum Stein von einem Bären überrascht worden, hätte das unangenehm ausgehen können.

Für genau solche Überraschungsmomente hat Carol immer eine Dose mit Bärenspray dabei, das Cayenne-Pfeffer enthält. Das soll die Bären im Ernstfall abschrecken. „Aber in 12 Jahren musste ich das noch nie benutzen“, sagt Carol.

Die Leidenschaft zum Beruf gemacht

12 Jahre – so lang macht er diesen Job schon. „Welcher Job“, lacht Carol „Ich habe gar keinen Job!“ Viel eher hat er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Unsrer Interview ist ihm ein wenig peinlich, denn, so sagt er gleich: „Ich kann gar nicht so gut englisch.“

Schon immer war Carols Freiheitsdrang groß. Statt zur Schule zu gehen, ging er lieber draußen spielen. Dreimal ist er daher durchs Examen gefallen. Später holte Carol seinen Schulabschluss nach und war Techniker bei einer Firma, die Tauchgeräte herstellte.

Lieber draußen arbeiten als im Büro

Doch dann wollte er sein eigenes Ding machen: „Einer meiner Freunde hat ein Unternehmen mit Hundeschlitten angefangen. Ich habe meinen Job aufgegeben, um bei Aventure Inukshuk mitzumachen. Ich wollte einfach die ganze Zeit draußen sein und nicht mehr im Büro arbeiten,“ erklärt er seine Motivation zur Gründung von

„Am Anfang haben wir mit Hundeschlitten gearbeitet. Später kamen Bärenführungen hinzu. Und im Winter, wenn die Bären schlafen, bieten sie auch Schneemobiltouren an. Ironie der Geschichte: „Nun habe ich wegen der Touristen doch wieder Büroarbeit“, lacht Carol.

Die Bärenführungen macht er nach wie vor selbst

Doch auch wenn das Unternehmen mittlerweile zahlreiche Mitarbeiter hat, macht Carol die Bärenführungen nach wie vor selbst: „Die Bären sind meine große Leidenschaft, das lasse ich mir nicht nehmen“, sagt er.

Sein Wissen über die Natur und die Bären hat er sich selbst beigebracht. „Learning by doing“, wie er sagt. Zudem hat Carol einige Zeit bei den Indianern gelebt und dort viel gelernt.

Er kennt jeden Bären beim Namen

Carol weiß daher nicht nur einiges über die Vegetation und die Bäume zu erzählen, sondern kennt jeden Bär beim Namen. Unterscheiden kann man sie am Gesicht: „Nasenrücken und Stirn sind bei jedem Bären anders“, erklärt er. Und auch als plötzlich eine Bärendame mit drei Jungen aus dem Gebüsch auftaucht, die beginnen, die schließlich den Stein restlos leer schlecken, weiß er alles mögliche über diese Bärenfamilie zu erzählen.

„Die Bären können bis zu 15 Jahre alt werden. Im Frühjahr zur Paarungszeit sieht man eher auch männliche Bären“ weiß der Bärenführer, während die Bären schließlich den Stein mit ihren Zungen polieren.

Ein Job der immer anders ist

Manchmal erzählt er, klettern die Bären auch auf die Bäume, wenn sie dort Futter finden. Für die jungen, die noch leicht genug sind, ist das kein Problem, aber einmal, so berichtet Carol lachend, habe er einen Baum gesehen, der sich unter dem Gewicht des Bären durchbog, bis der Bär schließlich herunterfiel

„Jeder Abend ist unterschiedlich, man weiß nie was passiert: Manchmal bekommen wir sogar 10 Bären zu sehen. Es ist nie das selbe Szenario.“ Das ist, was Carol an seinem Job liebt.

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