Berliner Frauen-Hackathon will Vorurteile abbauen: Gute Ideen statt Frauenquote – BEST OF HR | B E R U F E B I L D E R . D E

Berliner Frauen-Hackathon will Vorurteile abbauen: Gute Ideen statt Frauenquote


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Hacker-Marathons sind „in“. In Berlin fand kürzlich zum zweiten Mal einer für Frauen statt. Hilft so ein Hackathon tatsächlich, Frauen in der männerdominierten Technologie-Branche zu fördern? Businessideen & Verkauf  GeschäftsIdeen Gründerreports Frauen Gender Emanzipation Digitalisierung Roboter Internet


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Frauen in der Technologiebranche fördern

Hackathons scheinen gerade im Trend zu liegen: Google zählt über 4 Millionen Suchergebnisse zu dem Begriff, in der aktuellen Ausgabe des sonst eher der konventionellen Presselandschaft zugeneigten Medium-Magazins gibt es einen mehrseitigen Bericht zum Thema und in Deutschlands selbsternannter IT-Hauptstadt Berlin fanden in letzter Zeit gleich mehrere statt. Nur der deutschsprachigen Wikipedia fehlt noch ein Eintrag zu dem Begriff – anders als auf Aserbeidschanisch, Französisch oder Dänisch. Naja, vielleicht sind die Deutschen noch nicht so weit…

Eine Veranstaltung der Berlin Geekettes (weibl. für „geek“ = Technikfreund), die ich kürzlich in Berlin besucht habe, lässt anderes hoffen. Die Geekettes sind ein Zusammenschluss junger, erfolgreicher Technikspezialistinnen. Sie wollen Frauen in der männerdominierten Technologiebranche fördern, um Vielfalt und Innovationen zu verstärken – ein Engagement, für das sie von der EU-Kommission jüngst für den Digital Impact Award nomminiert wurden.

115 Hackerinnen aus 10 Ländern

Beim „All Women-Hackathon“, der vom 11. bis 13. Oktober in der Coca-Cola-Zentrale in Berlin stattfand, trafen nun 115 Programmiererinnen, Entwicklerinnen und IT-Designerinnen aus zehn Ländern zusammen und entwickelten alleine oder in Teams innovative IT-Lösungen, die das tägliche Leben erleichtern. Es war die größte Veranstaltung dieser Art bisher in Deutschland.

Coca Cola stellte nicht nur die Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern auch das Essen die Getränke – und den Hauptpreis: Eine Reise in die weltweite Zentrale von Coca-Cola in Atlanta zum Erfahrungsaustausch mit Top-Managerinnen.

Was ist ein Hackathon?

Hackathon ist die Kurzform für Hacker-Marathon – und das trifft es genau: Das Ziel ist Durchhalten, bis das Projekt fertig ist. Am ersten Tag gab es noch Einführungen in grundsätzliche IT-Themen, Samstags vormittags ging es dann ans Eingemachte: Die Teilnehmerinnen stellten ihre Projekte vor, die Gruppen fanden sich zusammen – und dann wurde über 24 Stunden lang gehackt.

Während die einen zwischendurch einige Stunden zum Schlafen nach Hause fuhr, blieben 12 Teilnehmerinnen gleich ganz da. Sonntag Nachmittag um 14.30 Uhr war dann Abgabe und dann wurden die Siegerinnen gekürt. Insgesamt wurden sieben Preise der Sponsoren vergeben.

Die Teilnehmerinnen: Unterschiedliche Zielsetzungen & Erfahrungen

Spannend waren die unterschiedlichen Qualifikationen und Zielsetzungen der Teilnehmerinnen: Einige studieren noch Informatik, andere arbeiteten bereits bei etablierten Unternehmen wie Xing. Wieder andere betreiben Programmieren vor allem als Hobby und wollten das Netzwerk und die Erfahrung der anderen Teilnehmerinnen nutzen, um sich beruflich stärker zu etablieren.

Und während einige einfach nur ihre Ideen vorgestellt hatten, um zu sehen was daraus wird, kamen andere schon mit ganz konkrete Business-Ideen. Dementsprechend breit gefächert waren denn auch die 27 Ideen, die vorgestellt wurden.

Apps für den beruflichen Erfolg

Interessant aus beruflicher Sicht war zum Beispiel das Projekt „Rent a Rolemodel“ der Hamburger Geekettes: Frauen brauchen Vorbilder in technischen Berufen. Die sind aber, etwa von Lehrern, schwer zu finden. Über Rent-a-Rolemodel werden Vorbilder und Suchende vernetzt. Lehrer können auf einer speziellen Plattform über verschiedene Suchbegriffe, zum Beispiel nach Region oder Arbeitsschwerpunkt, nach einem passenden Vorbild suchen. Sie bekommen die Xing-Kontaktdaten (auch wenn sie dort selbst nicht Mitglied sind) und können direkt mit dem Vorbild in Kontakt treten.

Ebenfalls eine lustige Idee war die App „Be a horse“ von Karolina Skalska (26) und Joanna Vogt (29) aus Breslau. Frauen neigen, viel mehr als Männer, dazu unsicher zu sein. Sie suchen dann den Rat von Freundinnen. Manchmal ist es aber besser, wenn die Beratende von Außen kommt. Und manchmal braucht es auch keine stundenlange Diskussion, sondern nur einen Satz zur Aufmunterung. Zum Beispiel „Be a horse! Lauf einfach und schau dich nicht um.“ Die Idee: Eine Frau fühlt sich, zum Beispiel vor einem Vorstellungsgespräch, gestresst. Sie meldet sich bei be-a-horse, wird mit anderen Frauen vernetzt und bekommt einen Satz, der zu ihrer Situation passt. Danach kann sie „durchgaloppieren“ und ihre Ziele verwirklichen.

Tolle Ideen – aber Frauen machen mal wieder Frauenthemen

Gewonnen hat ein Team aus Hamburg, München und Berlin: Ihre App „Period Quest“ soll Mädchen in Entwicklungsländern zum Thema Menstruation aufklären. Beispielsweise halten 48 Prozent der Mädchen im Iran die Menstruation für eine Krankheit.

Ich bin in Anbetracht solcher typischen Frauen-Apps allerdings ein wenig zwiegespalten: Natürlich ist Menstruations-Aufklärung für Entwicklungsländer gut und wichtig und auch die Grundidee der anderen Projekte finde ich sinnvoll. Was aber wieder einmal auffällt: Intelligente, kreative Frauen machen „nur“ Frauenthemen. Einerseits wichtig, wer sollte sonst solche Themen angehen wenn nicht wir Frauen selbst?

Frauen müssen ernst genommen werden

Andererseits ist es leider oft so, dass sich Frauen durch das Besetzen von klassischen Frauenthemen in die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit manövrieren. In Projekte investieren, die weniger Geld bringen. Wodurch sie weniger ernst genommen werden.Das zeigt sich in ganz vielen Bereichen unserer Gesellschaft.

Das Ziel, Frauen in der männerdominierten Technologiebranche fördern, ist super, aber ob es mit einem Thema wie Menstruation gelingen wird, Männer zu überzeugen, die damit so gar nichts anfangen können und ernst genommen zu werden, wage ich zu bezweifeln. Man muss sich dazu mal die Kommentare bei Heise anschauen – sicher nicht immer ernstzunehmen, aber Heise ist eben genau DAS Medium der IT-Branche schlechthin.

Unternehmen: Diversity vorantreiben, Frauen fördern

Ich habe mich im Rahmen der Veranstaltung mit der Personaldirektorin von Coca-Cola Deutschland, Nadine Ziese, über das Frauenthema ausführlich unterhalten. Denn genau darum geht es der 32-Jährigen bei ihrem Engagement für das Geekettes-Event: Diversity und innovative Ideen voranzutreiben und dabei insbesondere Frauen zu fördern.

Ziese hält selbst nichts von der Frauenquote, glaubt aber, dass man z.B. durch familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle eine weniger maskuline Kultur in Unternehmen fördern müsse: „Frauen haben eine andere Sicht der Dinge und stärken sich gegenseitig als Vorbilder. Wenn daher mehr Frauen in Führungspositionen kommen, ziehen andere nach“, ist Ziese überzeugt.

Vernetzung statt Frauenquote

Wichtig ist ihr daher, dass Frauen sich vernetzen und ihre Fähigkeiten trainieren. Und diese Überzeugung merkte man ihr auch bei ihrem persönlichen Einsatz für die jungen Frauen an: Ziese war nicht nur das ganze Wochenende präsent, sie hat sich auch um alle möglichen Dinge selbst gekümmert: „Einige Teilnehmerinnen hatten Ideen, die einfach zu groß oder auch zu allgemein für so ein Hackathon waren. Da haben wir dann im persönlichen Gespräch die Quintessenz herausgearbeitet“, erzählt mir die Personaldirektorin, bevor sie mal kurz davon läuft, weil der Beamer für die Präsentation nicht anspringen will. Sympathisch und authentisch.

Immerhin lebt das Unternehmen das Thema „Frauen in Führungspositionen“ auch selbst: Vier von neun Mitgliedern der Geschäftsleitung sind Frauen. Es gibt Elternbüros mit Spielecken für die Kinder und Mitarbeiter können selbst entscheiden, ob sie im Büro oder zu Hause arbeiten wollen. Und mit seiner weltweiten Initiative 5by20 will Coca-Cola Frauen vor allem in Entwicklungsländern stärken: Bis 2020 sollen es fünf Millionen Frauen sein, die Coca-Cola auf dem Weg zur wirtschaftlichen Selbständigkeit unterstützen will.

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