Nach den Wahlen in Deutschland & Österreich 2/2: FDP – Akkurat denken hilft



Voriger Teil

Dass beide im ersten Beitrag beschriebenen „Kausalanalysen“ der FDP wahrscheinlich nicht besonders weiterhelfen dürften, liegt für den externen Beobachter auf der Hand. Denn sowohl Optimismus als auch Pessimismus helfen nicht weiter. Warum? Erfolg & Management  Gehirn Intelligenz Intuition Erfolg Resilienz




Optimismus ist nicht die Lösung für alle Probleme

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Sowohl bei übertriebenem Optimismus als auch bei Pessimismus würden sie die Gründe für ihr Scheitern wahrscheinlich nicht richtig analysieren also nicht akkurat denken.

Weder der Optimist noch der Pessimist wären somit in Zukunft erfolgreich. Optimismus scheint somit nicht alle Probleme lösen zu können, auch wenn dies immer wieder von Beratern behauptet wird.

Akkurates Denken: Die Gründe treffend analysieren

Bei der Arbeit an der eigenen Resilienz und beim Umgang mit Rückschlägen geht es entsprechend niemals darum positives Denken zu lernen (das halbvolle Wasserglas) sondern darum „akkurates“ denken zu lernen, also die Gründe für Rückschläge treffend zu analysieren und dann die entsprechend richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Im Falle der FDP könnte dies entsprechend sein, dass „sie die Warnsignale der vergangenen Wahlen auf Landesebene zu spät erkannt hat“ dass „sie zu wenig ihren Beitrag am Erfolg der Bundesregierung heraus gestellt hat“ und dass „sie wenig-überzeugende Führungspersönlichkeiten an ihrer Spitze hat“.

Realistisch bleiben

Diese drei Gründe für den Rückschlag würden einem „Ich“-„Nicht-Immer“-„Nicht-Alles“-Stil entsprechen, da man hier den Grund für den Rückschlag bei sich suchen aber gleichzeitig auch auf spezifische und in Zukunft änderbare Faktoren zurückführen würde.

Dies ist auch der Stil, den man häufig bei hoch-resilienten Menschen antreffen kann und der ihnen erlaubt ein realistisches Selbstbild und sowohl privaten als auch beruflichen Erfolg zu entwickeln.

Die Magenprobleme der FDP-Anhänger

Wie resilient die FDP nun ist und ob sie gestärkt aus diesem Rückschlag hervor geht, wird die Zukunft zeigen. Beides wird in jedem Fall ganz entscheidend von ihrer Fähigkeit abhängen, als Gruppe akkurat zu denken und somit die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dies betrifft ebenso die Grünen, wie auch die SPD.

Liest man derzeit allerdings in den diversen Foren, in denen viele Anhänger der FDP ihren Frust „verarbeiten“, muss man sich schon die Frage stellen, ob sie tatsächlich wie der berühmte Phönix aus der Asche auferstehen werden.

Machtlosigkeit & Magenprobleme

Aussagen wie „die Wähler sind einfach zu dumm, um eine liberale Partei im Bundestag zu wollen“ oder „die Menschen wollen einfach keine Freiheit und möchten reglementiert werden“ sind nämlich der letzte sehr häufig anzutreffende „Warum-Stil“: der „Nicht-Ich“-„Immer“-„Alles“-Stil.

Dieser führt neben echter Frustration, also einem Gefühl der Machtlosigkeit, zu dauerhaftem Ärger und schlimmstenfalls akuten Magenproblemen.

Und wie ist Ihr „Warum-Stil“?

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    Meistdiskutiert im letzten Monat:
  1. Katharina Daniels

    Der Begriff der Resilienz ist ursprünglich der Physik entlehnt, als Fähigkeit eines Stoffes, nach der Verformung in den ursprünglichen Zustand zurückzuspringen (resilere zurückspringen). Beim Menschen nennt man es auch „Stehaufmännchen“. Resilienz ist auch mehr als ein auf die aktuelle Situation bezogenes Stressmanagament; es ist eine Grundhaltung, die dem Handeln seine Autonomie belässt. Auch in extrem belastenden Situationen.

    Welche „Säulen“ zur Resilienz gehören, ist durchaus unterschiedlich definiert, die APA (Amerikanische Psychologen-Vereinigung) spricht von vier Faktoren, in der Arbeitsforschung geht man von zu sieben Faktoren aus, die Resilienz kennzeichnen. Ein ganz wesentliches Merkmal von Resilienz ist aber fraglos die Gefühlsstabilität. Will heißen, einordnen zu können, wann ich als Individuum an dieser Situation etwas drehen kann (internale Kontrollüberzeugung, ich schaff‘ das, egal, welche Kräfte dem entgegenstehen mögen) oder oder ob ich den Anderen, äußeren Einflüssen etc. ausgeliefert bin (externale Kontrollüberzeugung, „da kann ich ja doch nichts ausrichten“) – beide Haltungen können je nach Situation angemessen oder grundfalsch sein.

    Dieses situativ adäquate Verhalten im tiefen Sinne zu verinnerlichen, kennzeichnet eine große innere Reife. Im Falle der FDP (aber auch an anderen Parteien gut zu beobachten), geraten hier oft die Zuordnungen durcheinander. Wird gern die Opfer-Rolle gewählt, wo eigenes Verhalten ursächlich war. Was nicht heißt, dass es nicht Situationen gibt, die ich als Einzelner, als Gruppe in diesem Moment schlicht nicht ändern kann. Das zu erkennen, hat dann mit „Opfer“ nichts mehr zu tun sondern mit der tiefen Einsicht in das Machbare oder das Nicht-Machbare.

    Meines Erachtens hat die FDP ihren wirklich großen Fehler bereits vor etlichen Jahren gemacht; als sie aus dem Image der Partei für den akademischen Mittelbau, der Partei einer gewissen Bildungsschicht, worin schon das Thema verborgen liegt, sich mit der Bierdeckel-Steuer auf Stammtischniveau begab. Dieser zunächst furios anmutende Schachzug und der daraus folgende kurze Höhenflug, war im Gegenteil der Beginn des Niedergangs. In diesem Moment begann diese Partei ihre Identität zu verlieren. Und damit auch ihre Autonomie, Geschehnisse, die sich nun aus einer Dynamik heraus entwickelten, noch adäquat einordnen zu können.

    • Danke für diesen tollen und wie immer fundierten Kommentar. Einordnen zu können, wann ich als Individuum einer Situation etwas ändern kann und wann ich meine Kräfte lieber für etwas anderes aufwende, halte ich tatsächlich für eines der grundlegenden Erfolgsrezepte. Indes ist es wirklich nicht so einfach – irgendwelche Ideen, wie man diese Fähigkeit verbessern kann?

      • Katharina Daniels

        @Simone Janson: Die Fähigkeit verbessern, Situationen adäquat einzuordnen? Nun, wenn wir uns diese Thematik begeben, kommen wir schon etwas tiefer ins Philosophische hinein. „Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden“, sagte Galileo Galilei.

        Damit sind wir bereits bei dem hier entscheidenden Begriff des „Selbst“. Gemeinhin sagt der Mensch, Ich tue etwas, ich denke in dieser Art und Weise. Sein „ich“ scheint ihm etwas Selbstverständliches, mit dem er sich identifiziert. was aber ist das „Ich“? Gibt es nicht vielleicht viele, verschiedene Ichs in uns? Platon bspw. sprach vom Schichtenmodell der Seele, Carl-Gustav Jung von Subpersönlichkeiten, Fritz Perls, der Begründer der Getalttherapie, versteht das „Selbst“ als umfassenden Prozess, in welchem viele Ichs verborgen sind.

        Mihaly Czykszentmihaly, einer der wichtigen Stimmen zum Thema Selbstmanagement, bezeichnet die höchste, die dritte Ebene des Selbstmanagements als diejenige, in der das Individuum Situationen begutachtet und das Erfordernis des sich Verhaltens zu diesen Situationen. Das kann nur mit einem über das Ich oder unsere Ichs umfassenderen Selbst geschehen.

        Das Ich führt uns oft auf einen bereits gewohnten Weg, auf ein Verhaltensmuster zurück, ich mache das immer so, so ist die Welt eben, kann man nix dran ändern, etc. pp. Zum Selbst zu gelangen, ist eine Frage der wirklich kontemplativen Vertiefung; da gibt es keine best practice-Modelle. Es bedeutet, sich immer wieder „selbst“ zu beobachten, seine Reaktionen auf bestimmte Situationen, einen konstruktiven Abstand zum oft musterartig handelnden Ich zu gewinnen.

        Das ist u. a. möglich mit Meditation, es bedeutet aber vor allem sich selbst immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, höchste Achtsamkeit walten zu lassen: Eine Situation auf sich wirken zu lassen (etwa etwas, was uns verärgert), bevor ich spontan reagiere. Die Achtsamkeit ist unendlich viel mehr als bloße Aufmerksamkeit, sie saugt sehr viele Begleitmomente mit auf, die im Moment vielleicht gar nicht sichtbar sind.

        Nun, vielleicht zum Schluss doch nochmal einen ganz praktischen Tipp: Der Mensch macht im Regelfall die größten Fehler dort, wo er allzu unmittelbar auf etwas Ärgerliches reagiert, jemand schreibt mir bspw. in einer Mail Unerfreuliches. Und ich schreibe sofort höchst verärgert zurück. Da kann ich nur aus ganz eigener Erfahrung sagen. 24 Stunden sacken lassen – genau konträr zum 24/7 Prinzip, in dem immer auf alles sofort eine Reaktion erfolgen soll.

  2. Benjamin Wagener

    Kann es sein, dass der zuletzt beschriebene Stil recht verbreitet ist? Ich meine ihn jedenfalls sehr häufig wahrnehmen zu können, insbesondere in sozialen Netzwerken. Die Zahl derer die ständig meckern, dass ja alle so korrupt seien und man sich als „einfacher Bürger“ gar nicht wehren könne, scheint stark zu überwiegen. Da kann man noch so sehr gegen argumentieren, dass die Bürger sehr wohl massive Veränderungen bewirken könnten, wenn sie sich nur entsprechend organisieren würden und klare Zahlen anführen, wie etwa, dass weniger als 3% der Bevölkerung in den derzeit für die Gestaltungsmacht in unserem Land relevantesten Parteien vertreten sind und trotzdem suchen diese Menschen immer weiter Ausflüchte warum es andere sind die an dem die Schuld tragen was auch immer sie stört. Ich bemühe mich da eigentlich sehr um eine möglichst konstruktive und differenzierende Haltung, aber dieser ständige Negativismus lässt mich auch langsam immer häufiger zweifeln inwiefern es wirklich noch einmal anders werden kann, wenn man ständig allein auf weiter Flur steht, weil so viele vor ihrer persönlichen Verantwortung davon laufen.

    • Simone Janson

      Hallo Benjamin,
      danke für diesen Kommentar. Man sagt den Deutschen ja gerne nach, dass sie das Glas lieber halbleer als halbvoll sehen. Nicht nur in sozialen Netzwerken sondern auch als Unternehmer bestätigt sich mir diese Sichtweise leider ständig. Ich persönlich bin dann gerne jemand, der nach Vorne geht und einfach macht – im Gegensatz zu anderen, die lieber herumkriteln. Wie wir aber hier gelernt haben, ist Optimismus ja auch nicht die endgültige Lösung 😉 In Irland habe ich übrigens grade erlebt, dass man z.B. mit dem Thema Krise auch ein wenig anders umgehen kann: – das würde in Deutschland m.E. so nicht passieren.

      • Benjamin Wagener

        Ich denke die Bereitschaft sich zu engagieren ist hier in Deutschland u.a. auch deswegen so gering, weil man von allen möglichen Seiten sehr schnell als Verlierer angesehen wird, wenn man nicht sofort sonst was für einen Erfolg mit seiner Unternehmung hat, egal in welchem Bereich. Im Gegenteil, das Dogma des Verlierers, wenn man einmal gescheitert ist, wird man nur sehr schwer wieder los. Als ALGII-Empfänger wird man sofort von vielen nur als Schmarotzer und Drückeberger gesehen, anstatt als jemand, der bloß temporär auf Unterstützung angewiesen ist um bei der nächstbesten Gelegenheit wieder seine Fähigkeiten einbringen zu können. Und das zieht sich durch viele weitere Bereiche unserer Gesellschaft. Die Kultur des Scheiterns ist hier nicht wirklich gut entwickelt. Da wünscht man sich doch an und für sich etwas mehr Besinnung auf Werte wie „Auferstanden aus Ruinen“, anstatt einem ewigen Geschreie nach einem oberflächlichen „Blühen im Glanze des Glückes“. Bitte das aber nicht als Lobpreisung der DDR verstehen! Die will ich nun wirklich nicht zurück haben. Lediglich die Bereitschaft mit anzupacken, kreative Ideen auch im Kleinen zu entwickeln und aus der Not eine Tugend zu machen, war da noch wesentlich verbreiteter und das vermisse ich in unserer heutigen Gesellschaft irgendwie.

        • Simone Janson

          Hallo Benjamin,
          was die 0-Fehler-Kultur und die Angst vor dem Scheitern angeht, stimme ich dir zu, das ist in Deutschland gerade für Unternehmer nicht einfach – dazu habe ich ja auch bereits mehrfach geschrieben: http://berufebilder.de/serie/besser-scheitern/

          Was Hartz IV angeht, bin ich jedoch nicht Ihrer Meinung: Ich kenne z.B. persönlich einen Fall, in dem jemand der eigentlich aufgrund von Bildung und Intelligenz arbeiten könnte und auch genügend Möglichkeiten dazu hätte – der aber dann doch lieber Hartz IV bezieht, weil er sich nicht so richtig entscheiden kann. Außerdem glaube ich aus eigener Erfahrung zum persönlichen Erfolg auch ein gewisser finanzieller Druck notwendig ist, sonst entwickelt man erst gar nicht den Mut, bestimmte Dinge anzufangen.
          Die ganze Diskussion um Hartz IV halte ich daher für eine recht zweischneidige Sache.

          • Benjamin Wagener

            Dass es solche Negativfälle gibt, wollte ich nicht in Abrede stellen. Zum Einen sind diese aber klar in der Unterzahl, zum Anderen ist aber so oder so eine Pauschalisierung über ALGII-Empfänger unangebracht. Und dabei geht es mir halt ganz allein darum, dass man ALGII-Empfänger nicht pauschal verunglimpft und nicht mehr.

          • Simone Janson

            Sie haben recht, Verunglimpfungen helfen nicht weiter und man steckt zu schnell Leute in die Schublade.
            Mal unabhängig von Hartz IV glaube ich jedoch, dass zum Erfolg immer auch ein wenig Druck gehört – so eine Aussage wird ja auch von Steve Jobs überliefert. Aber auch hier mag die Dosis individuell verschieden sein.

          • Benjamin Wagener

            Ich muss dem „immer“ leider widersprechen. Druck kann auch kontraproduktiv sein, wenn es sich z.B. um Menschen mit Burnout-Syndrom handelt. Druck bringt auch gar nichts bei Leuten die sich wirklich überall bewerben und ständig nur Absagen erhalten, weil sie z.B. als zu alt angesehen werden oder dergleichen. Man muss es diesen Menschen nicht unbedingt noch schwerer machen als nötig. Ein gewisser Druck entsteht durch die Existenz als ALGII-Empfänger sowieso schon, denn man kann nicht wirklich komfortabel mit diesem Einkommen leben, was man ja auch nicht wirklich soll. Wobei sich da auch wieder ein wenig die Frage stellt, wie dann so viele ALGII- und Sozialhilfeempfängern asoziales und unterbelichtetes Verhalten vorwerfen können, während es schon sehr schwer ist mit diesem Einkommen am allgemeinen Sozialleben ordentlich teilzuhaben.

          • Simone Janson

            Das meinte ich mit dem richtigen Maß an Druck: Ich stimme Ihnen zu, Überforderung ist nicht gut, Unterforderung aber auch nicht, das wird Ihnen auch jeder Hirnforscher bestätigen: Stress ist etwas Positives, solange er nicht in Distress ausufert.
            Was die Höhe des ALGII angeht, wird ja gerne vergessen, dass in der Regel ja auch noch die Miete übernommen wird. Ich kenne genug Leute, die von 10.000 Euro im Jahr auch ihre Miete bezahlen, aber aus Stolz kein Hartz IV beantragen wollen. Sorry, aber so wenig ist das nicht.

          • Benjamin Wagener

            Ich habe mit ALGII inkl. voller Warmmiete weniger als 10.000€ im Jahr und durch gesundheitliche Einschränkungen überdurchschnittliche Ausgaben. Doch, das ist verdammt wenig. Und wenn Leute die ihnen zustehende Hilfe nicht nutzen, können Andere doch nichts dafür!?

          • Simone Janson

            Gesundheitliche Einschränkungen ist ein anderer Punkt, dann ist man z.B. auch nicht voll arbeitsfähig und hat ggf. höhere Ausgaben, wobei diese ja eigentlich von der Krankenversicherung gedeckt werden sollten.

            Ich rede von Leuten, die voll arbeitsfähig wären und dennoch lieber Hartz IV beantragen. Man kann sich ja freuen, dass es Hartz IV gibt, ich würde es jedoch nicht als gegebene Selbstverständlichkeit ansehen.

          • Benjamin Wagener

            In einer sozialen Gesellschaft, sehe ich so ein System schon als selbstverständlich an. Wenn es das nicht gäbe, wäre die Kriminalität wesentlich höher, die Armutssterblichkeit wäre weit höher, etliche wären mehr damit beschäftigt sich ihren Lebensunterhalt zu erbetteln um nicht zu verhungern oder unter einer Brücke schlafen zu müssen, anstatt sich voll darauf konzentrieren zu können sich auf Stellen zu bewerben bzw. für diese zu qualifizieren.

            Hier spricht doch keiner davon, dass einem etwas geschenkt werden soll, Wenn ein Missbrauchsfall vorliegt, dann ist klar, dass da was gegen getan würde. Ich kann aber aus eigener Erfahrung und aus dem was mir so Mitarbeiter des Arbeitsamt erzählen sagen, dass die Bürokratie zur Leistung von Lebensunterhalt viel zu übertrieben ist und die von ihnen beschriebenen Fälle klar in der Minderheit sind. Diese Extremfälle fallen halt bloß mehr auf, als die vielen redlich bemühenden Mitmenschen und bleiben einem besser in Erinnerung.

            Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass wenn man mal durchrechnen würde, wie viel der ganze Aufwand kostet diese paar Extremfälle unter Druck zu setzen, inkl. dem Schaden der bei manchen durch diesen Druck unangebracht ausgerichtet wird, und wie viel es kosten würde, diese Fälle einfach so hinzunehmen, dass wir da bei plus-minus-null raus kämen oder gar sogar weniger Ausgaben hätten. Und gleichzeitig könnten sich etliche Leute in den JobCentern wirklich auf die Arbeitsvermittlung konzentrieren, wovon sie heute nur all zu häufig abgehalten werden.

            Ich denke viele haben da echt eine aus Missgunst geprägte Vorstellung völlig an der Realität vorbei was ALGII-Empfängern so für ein Leben ermöglicht wird.

            Darüber hinaus stellt sich mir aber die Frage: Werden wir überhaupt immer genug Arbeit haben um auch allen Arbeitsfähigen eine solche zu vermitteln und das nicht nur in der Masse, sondern auch in den Anforderungen, welche die Arbeitsfähigen besitzen. Wir bewegen uns immer mehr weg von einer produzierenden Gesellschaft hin zu einer auf Dienstleistungen konzentrierten Wirtschaft. Viele Menschen können zwar gut in nem Stahlwerk schaffen, sind aber für den Dienstleistungssektor nicht so ohne weiteres geeignet. Ist es da wirklich richtig, Menschen in Berufe rein zu zwängen die so gar nicht zu ihnen passen?

          • Simone Janson

            Ich stelle auch nicht in Frage, dass es idealerweise ein solches System geben sollte, jedoch stellt sich mir die Frage nach der Finanzierbarkeit. Und mir sind persönlich eine ganze Reihe von Fällen bekannt, die hier Missbrauch betrieben haben.

            Wie dem auch sei, jetzt sind wir bei der Position des bedingungslosen Grundeinkommens angelangt, von dem ich aus den o.g. nicht ganz überzeugt bin. Die Frage, ob es künftig noch genug Arbeit für alle geben wird, ist berechtigt. Stellt sich die Frage, ob es nicht reichen würde, die vorhandene Arbeit und das dafür gezahlte Geld anders zu verteilen – denn Arbeit gibt es genug. Tatsächlich kommen wir hier zu einem ganz anderen Thema: Wie bemisst sich der Wert einzelner Arbeitsleistungen in unserer Gesellschaft – m.E. daraus, dass einige mehr fordern als andere, was nicht unbedingt gerechter ist. Und: Warum ist Arbeit gesellschaftlich überhaupt so wichtig? Weil sie dank des protestantischen Arbeitsethos Identifikation und Lebensinhalt zugleich ist. Daher auch die Stigmatisierung nicht arbeitender Menschen. Ich habe dazu hier mal was geschrieben: http://imgriff.com/2012/08/21/das-digitale-zeitalter-fordert-von-uns-neue-faehigkeiten-teil-1-weg-mit-dem-arbeitsethos/
            Wir werden die immensen gesellschaftlichen Probleme nicht umgehen lösen können. Ich finde aber Ihre Geduld, mit der sie alle verallgemeinerungen differenzieren, beachtlich. Hätten alle so eine Diskussionskultur, sähe das Internet wirklich besser aus.

  3. SimoneJanson

    Nach den Wahlen in Deutschland & Österreich 2/2: FDP – Akkurat denken hilft

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