Zukunfts-Trend Collobarative Consumption: Teilen als Geschäftsidee?

Kürzlich habe ich einene Beitrag gepostet, der zeigt, das unsere auf Mehr-Besser-Schneller ausgerichtete Gesellschaft so auf Dauer nicht funktionieren kann – eine These, zu der nicht nur weltfremde Idealisten, sondern immer mehr Ökonomen gelangen. Doch wie sehen die Alternativen aus? Und wie lassen sich auf Basis einer neuen, nachhaltigeren Ökonomie tragfähige Geschäftsideen entwickeln?

Collaborative Consumption heißt der Trend, den Rachel Botsman hier im Ted-Talk erklärt, zu Deutsch etwa gemeinschaftlicher Konsum. Collaborative Consumption bezeichnet die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und persönlichen Gegenständen, um einen nachhaltigen Umgang mit ihnen zu fördern.

Das Internet als Treiber des gesellschaftlichen Wandels

Treiber dieses gesellschaftlichen Wandels ist das Internet, das Teilen und Tauschen zwischen größeren Bevölkerungsgruppen erst ermöglicht. Dahinter steckt die Idee, dass der Zugang höher bewertet wird als Besitz. Die Hoffnung dabei: Dass es auf diese Weise gelingen kann, das globale Ressourcen-Problem nachhaltig zu lösen.

Die Befürworter von Collaborative Consumption sehen folgende Vorteile:

  • Nachhaltigkeit: Ressourcen werden geschont, indem die vorhandenen effizienter genutzt werden.
  • Soziale Bewegung: Collaborative Consumption fordert und erlaubt den Austausch mit anderen und fördert die Toleranz und das Vertrauen in der Gesellschaft.
  • Globale Vernetzung: Teilen ist einfach und schnell – mittels des World Wide Web werden Millionen von Menschen auf der ganzen Welt in kürzester Zeit erreicht, was das Teilen heute weltweit möglich macht. Auch abseits der Metropolen.

Wie macht man so noch Geschäfte?

Ein grundlegendes Problem an der Sache: Wenn alle miteinander teilen und keiner mehr Geld ausgibt, wer verdient dann noch etwas dabei? Eine Antwort gab Airbnb-CEO Brian Chesky  auf Digital-Life-Design-Konferenz 2012 in München, auf dem die Sharing Economy eines der Top-Themen war – der Vortrag von Chesky und viele weitere finden sich als Video hier.

Über den Online-Marktplatz Airbnb.de zum Beispiel haben Nutzer Zugang zu privatem Wohnraum in über 190 Ländern. Gäste entdecken auf individuelle Weise ihre gewünschten Reiseziele und wohnen in Privatunterkünften, die Gastgeber in aller Welt mit ihnen teilen.

Nicht neu, aber klingt gut?

Das grundlegende Konzept hinter der Ökonomie des Teilens ist dabei ebenso wenig neu wie die Idee von Airnb.de, die ein wenig an Couchsurfing erinnert – nur dass es sich dabei tatsächlich um eine Community handelt und die die Vermieter auch anwesend sind.

Dabei geht es Chesky angeblich um nichts anderes als den gesellschaftlichen Anspruch: „Zu teilen ist eine bessere Art zu leben“, sagte Chesky nicht gerade bescheiden und verweist auf die Geschichte: „Früher war es üblich, Dinge zu tauschen oder bei Freunden Urlaub zu machen, auch um Geld zu sparen. Die Gesellschaft war mehr eine Gemeinschaft.”

Entwicklung der Collaborative Consumption

Und weiter: “Nach dem zweiten Weltkrieg führten der gesteigerte Konsum und das Wirtschaftswachstum zu einer Verknappung der Ressourcen und einer zunehmenden Isolation der Menschen.

Heute erfordert diese Ressourcenknappheit ein Umdenken der Gesellschaft, während das Internet gleichzeitig eine neue Form der Kommunikation zwischen Menschen ermöglicht – beide Entwicklungen sind die Grundlage für Collaborative Consumption“, erläuterte Chesky auf der DLD-Konferenz.

Weg mit dem Besitzdenken?

Brian Chesky ist überzeugt vom Erfolg der Collaborative-Consumption-Bewegung. Schon heute gibt es zahlreiche Ausprägungen einer Kultur des Teilens, was sich an Beispielen wie Carsharing, Online-Transportbörsen, Co-Working, Swapping oder Mitfahrportalen erkennen lässt.

Damit einher geht auch auch eine Veränderung im gesellschaftlichen Bewußtsein von Besitz: „Menschen teilen mit Airbnb ihr persönlichstes Gut: ihre Wohnung. Dass bereits so viele dieses Prinzip leben, spricht für die Collaborative-Consumption-Bewegung.“, erklärte Chesky.

Der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft

Vielleicht zeigt sich gerade am Beispiel Airbnb der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft besonders gut: Die Plattform bietet bereits jetzt 100 000 Unterkünfte in fast 20 000 Städten und 192 Ländern an. Wie der Focus berichtet, melden sich stündlich 100 neue Nutzer auf der Plattform an, monatlich steigen die Buchungen um rund 40 Prozent.

Wenn der Aufwärtstrend sich fortsetzt rechnet das Unternehmen damit, dass  sie 2012 weltweit mehr Zimmer anbieten können als die Hilton-Kette. Falls das so weiter geht, kann die Reise- und Toursimusindustrie wohlmöglich einpacken!

Welt verbessern – oder den eigenen Geldbeutel?

Eines darf man bei der Euphorie über diese Geschäftsidee jedoch nicht vergessen: Bei alledem geht es den Airbnb-Gründern vermutlich nicht (nur) um eine bessere Welt, sondern um den eigenen Geldbeutel.

Die Geschäftsidee aus dem Silicon-Valley, geboren aus einer Luftmatratzen-Vermietung in der eigenen Wohnung, wird laut Focus bereits jetzt auf eine Milliarde Dollar geschätzt – mit ähnlichen Potentialen wie Facebook und Twitter. Und vermutlich auch mit ähnlichen Risiken, denn auch Mark Zuckerberg gehte es ja bekanntlich nicht primär darum, Menschen zu vernetzen, auch wenn er das immer wieder gerne betont.


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