Warum Denken keine Glückssache ist: Autopilot im Kopf

Denken ist keine Glücksache sondern eine Fähigkeit, die genau so trainiert werden kann und muss, wie alle anderen Fähigkeiten auch. Ein spannendes Buch dazu hat Carl Naughton geschrieben. Übrigens auch ein ideale und weiterbringende Urlaubslektüre!


Im Urlaub ohne Anstrengung besser denken lernen?

Es geht auch ohne Schläge auf den Hinterkopf. Wer sein Denkvermögen verbessern will, muss sich nur ein bisschen mit dem Denken als Vorgang auseinandersetzen. Und schon tun sich erstaunliche Dinge auf. Carl Naughton, Dozent für pädagogische Psychologie an der Kölner Uni, ist dem Denken auf den Grund gegangen.

In seinem Buch “Der Autopilot im Kopf” zeigt er, wie wir diese zentrale Fähigkeit trainieren und verbessern können. Wie wir zu besseren Entscheidungen kommen, wie wir lernen, besser zu urteilen, Probleme zu lösen. Ein ideales Trainingsbuch, um als Mastermind aus dem Urlaub zurückzukommen.

Energiesparmodus beim Denken – Achtung Gefahr!

Die größte Gefahr beim Denken ist das “Nichtdenken” oder, wie der Wissenschaftler Carl Naughton es ausdrückt, der “Autopilot im Kopf”. Und diese Gefahr hat grundlegende biologische Ursachen. Denn als Lebewesen werden wir von ein paar Grundprogrammierungen beherrscht. Eine davon heißt “Energie sparen”.

Auf das Denken gemünzt bedeutet das: “Warum soll ich mir über etwas Gedanken machen, was ich längst kenne?” Und schon sind Tür und Tor für leider nur vermeintliche Abkürzungen offen. Denn wenn nicht ausdrücklich “neu” draufsteht, werden wir denkfaul. Und tappen, wie Carl Naughton unterhaltsam beschreibt, in jede Menge Denkfallen.

Vorsicht Denkfalle

Denkfallen führen uns zielsicher zu falschen Ergebnissen. Indem wir zum Beispiel bestimmte (zufällige) Erfahrungen einfach hochrechnen (der letzte Marketingchef war ein Schwätzer, also wird der neue auch ein Schwätzer sein).

Wir halten unverbindliche Preisempfehlungen für verbindlich (sie setzen einen Anker, an dem wir die Bewertung des Produkts ausrichten). Oder wir halten krampfhaft an Investitionen fest, obwohl sie sich längst als Fehlentscheidung entpuppt haben (die teuren Theaterkarten “absitzen”, obwohl das Stück nicht zum Aushalten ist). Grund für diese Kurzschlüsse ist nach Naughton unser viel zu knapper “Arbeitsspeicher”.

Denken ist keine Glücksache

Carl Naughton belässt es aber nicht dabei, die Denkfallen zu benennen. Als pädagogischer Psychologe kennt und lehrt er auch Gegenstrategien. Er zeigt, wie wir die Kapazität des Arbeitsspeichers erhöhen (zum Beispiel durch ein kleines Nickerchen oder, etwas anspruchsvoller, durch das Denken in Analogien und Metaphern) oder wie wir Handlungsblockaden überwinden (indem wir innerhalb eines “Disputs” das Pferd von hinten aufzäumen und die ganze Situation in anderem Licht betrachten).

Und wer um die richtige Entscheidung ringt, halte sich an Naughtons Rat, “halb automatische Tätigkeiten” auszuführen (Spazierengehen, Rad fahren, Joggen, Duschen). Denn die sind der Türöffner für entscheidende Einsichten. Fazit: Absolut lohnenswerte Lektüre. Denn Naughton zeigt, dass Denken keine Glücksache ist – sondern eine Fähigkeit, die genau so trainiert werden kann und muss, wie alle anderen Fähigkeiten.


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