Vom Wirtschaftswissenschaftler zum Karatelehrer – Teil 2: Auf der Suche nach Wahrheit & innerer Stille

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Eine Elite-Ausbildung, ein guter Job, ein Top-Gehalt – und dennoch ist da eine ständige innere Unzufriedenheit – eine innere Stimme, die einem immer wieder sagt, dass es so nicht weitergeht. Und die einen schließlich dazu bringt, das Ruder ganz herumzureißen. Über Malte Loos brach dieser Zustand 2003 herein, an einem Sonntagnachmittag in seinem New Yorker Büro.

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Dort arbeitete er in einem Finanz-Start-up, hatte das Angebot für 175.000 US-Dollar im Jahr in einem Investment Fond zu arbeiten, Einstiegsgehalt. Doch genau an diesem Nachmittag brach es aus ihm heraus. Er sagt heute: „Da war klar, dass ich keine Kraft mehr hatte, das weiterzumachen.“

Die Wahrheit finden – durch Rippenbrüche und Niederlagen

Unterstützt hatte diesen Ausbruch auch der Umstand, dass Loos bereits in seinem ersten Jahr am MIT, das war 1996, mit Karate begonnen hatte. Ein Kommilitone hatte gefragt, ob er nicht mal mitkommen wolle, als Ausgleich zur Schreibtischarbeit.

Schon aus seiner ersten Gürtelprüfung kam er mit zwei Rippenbrüchen. Überhaupt waren die Einheiten eine Tortur. Doch nicht nur das. „Ich konnte auch aus den Niederlagen, aus dem Zusammengeschlagen werden von dem Gegner etwas herausziehen“, erzählt Malte Loos rückblickend. „Jedes Training fühlte sich irgendwie wahr an.“

Hart, aber gut!

Seine universitäre Karriere gab er damals zwar noch nicht auf, doch Karate wurde immer mehr zu seinem bestimmenden Lebensinhalt.

Er trainierte, gab irgendwann selbst Unterricht und organisierte für seinen Karatemeister, Kazumi Tabata, dessen Organisation. 2004 entließ dieser Loos mit der Begründung, er solle nun seinen eigenen Weg geht, eine eigene Schule aufmachen. Loos sagt: „Das war hart, aber gut.“

Berlin wurde zum Lebensmittelpunkt

2005 landete Malte Loos nach drei Jahren Abwesenheit wieder in Deutschland – sein altes Leben immer noch nicht ganz hinter sich lassen könnend. Ein Freund verschaffte ihm einen Job an der Universität Kiel, vier Tage die Woche. Doch Loos‘ Lebensmittelpunkt wurde Berlin.

Dort erhielt er eine einmalige Chance, den Grundstock für die Zukunft zu legen: Der Bundestag suchte einen neuen Karatelehrer, Malte Loos wurde es. Von da ab trainierte er dort mit den Angestellten und einigen Abgeordneten – Unternehmenssport sozusagen.

Vom Unternehmenssport zur eigenen Schule

Er gab auch Qi Gong-Kurse im Bundesministerium der Finanzen und im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

2010 gründete Malte Loos seine ganz eigene Schule, die der Inneren Stille. Dort bietet er nicht nur Karate-Kurse für jedes Level an – er selbst ist Inhaber des dritten Dan – sondern auch Übungen zur stillen Kontemplation.

Jeder muss selbst seinen Weg finden

Heute sagt Malte Loos von sich, dass er viel ausgeglichener, ruhiger geworden sei. Früher sei er um ein wesentliches Mehr aggressiver gewesen. Und um ein Vielfaches unglücklicher. Außerdem lässt er seine Schüler – ganz untypisch für Karatelehrer in Deutschland, jedoch ähnlich dem Stil seines Lehrers – selbst ihren Weg finden.

Er beschreibt sich als einen unfertigen Menschen und vermeidet es, über den Sinn seiner Trainingsanweisungen zu reden. Seine Schüler sind aufgefordert, deren Sinn individuell und durch Selbstbeobachtung zu finden.

Foto: http://www.kameradist-wagner.de


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