Umfrage zum Bewerbungs-Procedere von Azubis: Die meisten bleiben beim Papier

Alle reden von Social Media, Online-Bewerbungen und hippen, neuen Bewerbungsformen. Die meisten Unternehmen haben dabei aber die sogenannten High Potentials im Blick, die sie glauben entsprechen umwerben zu müssen. Bei den Auszubildenden zeigt sich hingegen, wie der Hase bei vielen Arbeitgebern wirklich noch läuft: Sie bleiben weiterhin bei alten Gewohnheiten und Papierbewerbungen. Das zeigt jetzt eine aktuelle Umfrage.

azubi

Sage mir, wie du deine Auszubildenden behandelst und ich sage dir, wie dein Unternehmen wirklich tickt – so könnte das Motto dieser Umfrag von Prof. Dr. Daniela Eisele von der Hochschule Heilbronn (zusammen mit dem U-Form-Verlag) lauten.

Während sich bei Absolventen und Berufserfahrenen in den vergangenen Jahren mehr und mehr die elektronische Bewerbung durchgesetzt hat,wohl auch, weil es heute zum guten Ton gehört, als potentieller Arbeitgeber online verfügbar zu sein, sieht die Welt bei den Auszubildenden ganz anders aus: Hier herrscht nach wie vor die gute alte Bewerbungsmappe in Papierform vor.

85 % der Betriebe nutzen noch Papierbewerbungen

An der „Personalstudie 2012“ genannten Online-Befragung nahmen Ende 2011 insgesamt 258 Ausbildungsverantwortliche aus Unternehmen und anderen Organisationen teil. Die Umfrage zeigt dass 85% der Ausbildungsbetriebe nach wie vor die Bewerbung per Papiermappe zulassen. Auch bei den tatsächlichen Bewerbungseingängen ist die Mappe in 83% der Unternehmen weiterhin die Form, die am meisten, sehr häufig oder häufig genutzt wird.

Es folgen E-Mail-Bewerbungen mit 51% und Bewerbungsformulare/-systeme mit 41%. Allerdings weist die Studie auch darauf hin, dass die elektronische Bewerbung auch bei den Azubis auf dem Vormarsch ist. Der Anteil der Ausbildungsbetriebe, die keine Papierbewerbung mehr zulassen, hat sich gegenüber der „Personalstudie 2010“ nämlich mehr als verdoppelt – von 6,4% auf 15%. Der durchschnittliche Anteil der Papierbewerbungen ist von 78% auf 68% zurückgegangen.

Testverfahren zur Bewerberauswahl: zwei Drittel auf Papier

Bei Schulabgängern liegen abgesehen von den Noten kaum verlässliche Leistungsindikatoren vor. Deshalb spielen Testverfahren in der Auswahl von Azubis eine besonders große Rolle. 80% der befragten Unternehmen setzen solche Tests ein. Während ein Drittel von ihnen auf elektronische Tests zurückgreift, vertrauen zwei Drittel auf klassische Paper/Pencil Verfahren.

Gegenüber der „Personalstudie 2010“ ist damit das Verhältnis fast unverändert. Azubi-Marketing und Social Media Angesichts aktueller Besetzungsschwierigkeiten investieren Ausbildungsbetriebe stärker ins Azubi- Marketing: Social Media werden dafür bislang kaum genutzt.

Social Media fürs Marketing kaum wichtig

Bei der Bewertung der Wichtigkeit verschiedener Medienkanäle für die Vermarktung von Ausbildungsangeboten landeten Social Media mit einem Wert von 3,13 auf dem letzten Platz (Skala von 1=sehr intensive Nutzung bis 4=keine Nutzung).

Praktika (1,84) nutzen die Ausbildungsbetriebe dagegen besonders intensiv. Auch Angebote der Arbeitsagentur (2,0), die eigenen Karriereseiten (2,26) und Jobbörsen (2,27) stehen in der Gunst der Ausbilder weit vorn. Vor allem der damit verbundene Zeitaufwand wird von den Teilnehmern der Umfrage als Grund für das geringe Engagement auf Social Media-Kanälen genannt.

Vor allem die Großen haben Azubi-Seiten im Netz

Karriereseiten im Internet und eigene Seiten für Azubis sind bei den meisten Unternehmen heute selbstverständlich. 68% der teilnehmenden Betriebe geben an, eigene Karriereseiten im Netz zu nutzen. 92% dieser Karriereauftritte verfügen über eine eigene Azubi-Rubrik.

Erwartungsgemäß besitzen besonders viele kleine Betriebe unter 100 Mitarbeitern keine eigenen Karriereseiten im Netz. Große (über 500 Mitarbeiter) und sehr große (über 5.000 Mitarbeiter) Ausbildungsbetriebe ohne eigene Karriere- und Azubi-Seiten im Internet sind dagegen selten und stammen überwiegend aus dem öffentlichen Dienst.

Warum hält sich die klassische Papier-Bewerbung

Warum hält sich bei den Azubis hartnäckig die Papierform? Erstens gehören die meisten Ausbildungsbetriebe in Deutschland dem Mittelstand an, diese Unternehmen scheuen die vermeintlich hohen Kosten elektronischer Systeme.

Zweitens wird das Verhalten potenzieller Auszubildender sehr stark von den weniger internet-affinen Eltern, Lehrern und Beratern von Arbeitsagenturen beeinflusst, die meist zur Papiermappe raten, bei der sie eine höhere Seriosität vermuten. Drittens bevorzugen nicht wenige Ausbilder die Papierbewerbung, deren Qualität sie als halbwegs verlässlichen Indikator für die Ausbildungseignung von Bewerbern betrachten.

Azubis müssen Kunden werden

Die “Macherin” der Umfrage, Prof. Dr. Daniela Eisele, empfiehlt gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen, Azubis als Kunden zu beahndeln und sich an deren Wünschen zu orientieren:

„Generell wichtig sind ein möglichst direktes Feedback, die Vermeidung von Wartezeiten und der offene Umgang mit Informationen. Online-Bewerbungsformulare/- systeme eignen sich auch für Azubis. Ausbildungsbetriebe sollten Bewerber dabei aber nicht durch stark detaillierte Abfrage- und Antwortvorgaben einengen,“ empfiehlt Eisele.


Standardwerk für Berufseinsteiger & junge Führungskräfte: Von der Uni zur Chefetage

Oliver | Ibelshäuser, 16. 04. 2013:

Karriere-Ratgeber gibt es viele, doch dieses vereint die Tipps zahlreicher Experten und hat damit gute Chancen, ein Standard-Werk zu werden – und zwar speziell für Hochschulabsolventen und junge Führungskräfte. Karrierewege von der Uni bis zur Chefetage In „Die Karriere-Schmiede“ haben … Weiterlesen →


Interview mit Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel zur Berufsorientierung von Jugendlichen: “Man ist immer in den Dingen am besten, die man gerne macht.”

Simone | Janson, 06. 03. 2013:

Sebastian Krumbiegel ist Mitbegründer der “Prinzen”, eine der erfolgreichsten deutschen Bands der 1990er Jahre. Für sein Eintreten für Bürgerrechte und Zivilcourage und sein soziales Engagement insbesondere im Umgang mit Jugendlichen wurde Krumbiegel mehrfach ausgezeichnet, 2012 erhielt er den Bundesverdienstorden. Im … Weiterlesen →


Online-Bewerbungen – Studie im Faktencheck 2/2: Online-Bewerbungen als Trendwende?

Lorenz Hartwig, 28. 02. 2013:

Mit der Frage, warum die E-Mail nicht auch im Bewerbungsverfahren die wichtige Rolle spielen sollte, die sie in der täglichen Kommunikation spielt, habe ich den ersten Teil des Beitrags beendet. Hier möchte ich ihn nun beantworten: Sind Online-Bewerbungen ein neuer … Weiterlesen →


Recruiting via Social Media – Teil 2: Bewerbersuche im Netz – richtig oder schädlich?

Katharina | Daniels, 14. 05. 2013:

Am Ende des ersten Beitrags habe ich gefragt: Welchen Einfluss haben die sozialen Medien auf Unternehmen und die Bewerberauswahl? Das eröffnet die Perspektive auf eine zutiefst elementare Fragestellung: Wann sind Unternehmen eigentlich reif für diese Art der Bewerbersuche? Und wann … Weiterlesen →


Management-Serie “Die-Nein-Sager” – 2/3: Scheitern gibt es nicht?

Roland | Jäger, 02. 05. 2013:

So ähnlich wie der Kuschelkurs hat sich auch die Vorstellung in unserem Leben etabliert, wir müssten fehlerlos sein. Gerade im Berufsleben wird der Begriff des Scheiterns immer noch synonym mit Versagen verwendet. Und Alles muss im ersten Anlauf klappen. Wie … Weiterlesen →


Die Top-Jobbörsen und die Gunst der Nutzer im Dauer-Test: Aufsteiger, Absteiger, Newcomer

Simone | Janson, 08. 03. 2013:

Es scheint als wären Jobbörsen allen Unkenrufen zum Trotz nicht tot zu kriegen – zumindest wenn man Gerhard Kenk folgt, der seit Oktober 2008 in seiner Crosspro-Research-Nutzer-Umfrage Jobbörsen und Jobsuchmaschinen einem Dauertest der Nutzer unterzieht – und der jetzt wieder … Weiterlesen →


Kommentare & Reaktionen

Unsere Kommentarsystem DISQUS wird auch in Medien wie DIE WELT, National Geographic oder Perlentaucher verwendet. Mit nur einer Registrierung, z.B. per Twitter o. Facebook, können Sie überall kommentieren. Ihre Daten werden dabei von DISQUS gespeichert. Mehr dazu in den Datenschutzbestimmungen. Sie können auch als Gast kommentieren, ohne Ihre Daten anzugeben.

Hinweise zum Kommentieren

  1. Wollen Sie eine eMail-Benachrichtigung über neue Kommentare zu diesem Thema erhalten, müssen Sie sich bei DISQUS anmelden.
  2. Um ein Foto von sich neben dem Kommentar zu nutzen, können Sie sich mit diversen sozialen Netzwerken einloggen oder das Bild bei Gravatar hochladen.
  3. In den Kommentar können Sie jederzeit ein Foto ohne weitere Anmeldung hochladen
  4. Kritische Kommentare sind willkommen, Beleidigungen werden allerdings entfernt. Lesen Sie dazu bitte die Richtlinien für Kommentare & Foren.

Überblick

Mehr als 6.000 Kommentare von über 200 Kommentatoren in diesem Blog finden Sie hier. Sie können alle Kommentare auch abonnieren.
Mehr als 3.000 Fans und über 10.000 Kommentare in diversen sozialen Netzwerken wie Twittter, Facebook, Google+ & Xing finden Sie hier.

10 Trackbacks

Trackback URL - bitte in Ihren Beitrag eintrage, um einen Trackback zu erzeugen:

http://berufebilder.de/2012/umfrage-zum-bewerbungs-procedere-von-azubis-die-meisten-bleiben-beim-papier/trackback/


  1. Pingback: Simone Janson

  2. Pingback: Liane Wolffgang

  3. Pingback: Holger Froese

  4. Pingback: Tim Oliver Pröhm

  5. Pingback: zoom4media

  6. Pingback: Helge Weinberg

  7. Pingback: Thomas Gerwert

  8. Pingback: Pascal Maurer

  9. Pingback: [ki:]®Learning

  10. Pingback: Marcus Fischer