Strategische Kommunikation: Loch in der Kompetenz?

Die ganze Serie → lesen!

Viele Menschen hören und lesen jährlich viele Seminare und Bücher zum Thema Kommunikation und Rhetorik. Aber die wenigsten bemerken, dass viele dieser Quellen die strategischen Aspekte der Kommunikation vernachlässigen. Diese Kompetenzlücke ist so unnötig wie einfach zu schließen: Ändere nicht deine gesprochenen Worte, sondern deine strategischen Schemata.

Die Lösung ist doch offensichtlich?

Zum Beispiel die Mutter, die ihren Sechsjährigen maßregelt: „Deine kleine Schwester heult! Sei doch nicht so grob zu ihr!“ Zehn Minuten später heult sie wieder. Weil der Junge „schwer erziehbar“ ist? Nein. Die Mutter verwendet – ganz unbewusst und leider auch unreflektiert – ein Selbstsabotage-Schema, das sogenannte Defizit-Schema, das übersetzt lautet: „Ich spreche bloß den Missstand an – auf die Lösung musst du selber kommen, weil die ist ja offensichtlich!“

Das ist sie nicht und zwar niemals. Selbst wenn sie es wäre: Kein Sechsjähriger, kein 16-Jähriger und kein 36-Jähriger kommt von alleine drauf. Deshalb klagen viele Eltern, Lehrer, Ausbilder oder Vorgesetzten: „Muss ich denn immer alles erst hundert Mal sagen!“ Ja, wenn du mit Defizit-Schema kommunizierst. Ergo: Runter von den Killer-Schemata!

Ändere deine Schemata!

Das wirksamere Schema ist das Lösungs-Schema: Wirf nicht nur das Defizit vor, sondern sprich explizit über die Lösung! Dafür wiederum gibt es mehrere Schemata, zum Beispiel das dirigistische: „Nimm der Kleinen nicht einfach das Spielzeug weg. Gib ihr dafür ein anderes, dann ist sie beschäftigt!“

Da Dirigismus jedoch oft Widerstand auslöst, ist interaktives, aktivierendes Coaching-Verhalten eleganter: „Okay, sie spielt mit deinem Spielzeug und das magst du nicht. Wie könntest du das regeln, so dass ihr beide zufrieden seid?“

Schöner Nebeneffekt: Nach einem halben Jahr Anwendung erziehen sich Ihre Kinder (Mitarbeiter, Kunden, Beziehungspartner, Vorgesetzten …) in großen Teilen selbst. Was ist übrigens das häufigste Schema?

Schema ist Kultur

Richtig geraten: Abwertung. „Was soll der Scheiß! Streng dich gefälligst an!“ Mehr als die Hälfte der Alltagskommunikation ist ex- oder implizit abwertend, besserwisserisch, direktiv, egozentrisch. Wer dieses Kulturschema durch wertschätzende Schemata ersetzt, erreicht nicht nur mehr, sondern wirkt auch noch sympathisch, zum Beispiel: „Ich glaube, das kannst du besser. Probier‘ nochmal!“

So redet kein Mensch? Stimmt fast. In unserer Kultur reden so nur die wenigsten. Bezeichnenderweise sind das zugleich die besonders Erfolgreichen und gleichzeitig besonders Sympathischen, die großen Kommunikatoren, der Dalai Lama.

Niemand schafft das aus dem Stand. Die Coaching-Erfahrung zeigt, dass man/frau das jedoch in wenigen Wochen lernen kann, um danach die Früchte der Strategischen Kommunikation zu genießen: schneller, leichter, mehr Erfolg – und deutlich höhere Sympathiewerte.

 Füll Deinen Werkzeugkasten!

„Am meisten Vorbereitungszeit haben mich meine spontan gehaltenen Reden gekostet“ hat Mark Twain einmal gesagt. Heißt: Was auf andere oft zufällig, unabsichtlich oder schlagfertig wirkt, ist oft sorgsam geplant.

Dazu braucht es im ersten Schritt viele kommunikative Werkzeuge (“Wer nur den Hammer kennt, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus“) und im zweiten Schritt die Übung und Sicherheit, zum adäquaten Werkzeug zu greifen und es dann auch gut führen zu können. Wer noch nie eine (kommunikative) Motorsäge in der Hand hatte, wird sich schwer damit tun, ebenso bedarf das Werfen von (kommunikativen) Wattebäuschen der Übung, damit sie ihr Ziel treffen.

 Meine Empfehlungen:

  • Sammeln Sie. Laden Sie Werkzeug zu!
  • Üben sie den Umgang damit.
  • Lassen Sie alles in der Toolbox, was sie bisher gesammelt haben.
  • Prüfen sie die Sortierung. Was liegt vorne was hinten? Sollten Sie umsortieren?
  • Pflegen Sie Ihr Werkzeug. Wenn Sie es jahrelang nicht benutzen, rostet es.

Viel Spaß beim Sammeln und Üben!


Mit Verhandlungs-Geschick zum perfekten Deal: Zur Not tuts auch Win-Loose

Oliver | Ibelshäuser, 07. 05. 2013:

Win-Win ist schön, führt aber, wenn man nicht aufpasst, schnell zu Win-Loose. Ein klasse Verhandlungsbuch für die harten Fälle ( in denen es darum geht, für sich oder die Firma das Maximum herauszuholen) hat jetzt Jack Nasher geschrieben. Nicht punkten, … Weiterlesen →


Von einem der auszog das Fürchten zu lernen – 3/3: Konstruktiv Feedback annehmen

Sabine | Lanius, 23. 05. 2013:

Feedback geben ist nicht schwer. Feedback annehmen um so mehr. Es gibt ein schönes Zitat von Henry David Thoreau, dass die Problematik des Feedback-Annehmens verdeutlicht: “Zur Wahrheit gehören immer zwei, einer, der sie sagt, und einer der sie versteht.” Leitgedanken … Weiterlesen →


Infografik zum Unternehmens-Wachstum: Wie können Start-Up’s überleben?

Simone | Janson, 13. 05. 2013:

Viele Start-Up’s haben nur ein Ziel: Möglichst schnell zu wachsen. Doch mehr als ein Drittel aller Star-Up’s scheitert in den ersten beiden Jahren. Was passiert da? Und wie funktioniert das Wachstum von erfolgreichen Unternehmen? Eric Ries hat gerade in einer … Weiterlesen →


Strategische Kommunikation: Erst denken, dann reden!

Cornelia | Topf, 06. 02. 2012:

Es gibt unzählige Kommunikationsratgeber. Wie wir uns richtig ausdrücken, sollten wir also eigentlich wissen. Warum bleibt dann im Alltag so oft trotz Nachdruck die gewünschte Wirkung des gesagten aus? Weil wir dabei nicht strategisch vorgehen und oft die falsche Taktik … Weiterlesen →


Kommentare & Reaktionen

Unsere Kommentarsystem DISQUS wird auch in Medien wie DIE WELT, National Geographic oder Perlentaucher verwendet. Mit nur einer Registrierung, z.B. per Twitter o. Facebook, können Sie überall kommentieren. Ihre Daten werden dabei von DISQUS gespeichert. Mehr dazu in den Datenschutzbestimmungen. Sie können auch als Gast kommentieren, ohne Ihre Daten anzugeben.

Hinweise zum Kommentieren

  1. Wollen Sie eine eMail-Benachrichtigung über neue Kommentare zu diesem Thema erhalten, müssen Sie sich bei DISQUS anmelden.
  2. Um ein Foto von sich neben dem Kommentar zu nutzen, können Sie sich mit diversen sozialen Netzwerken einloggen oder das Bild bei Gravatar hochladen.
  3. In den Kommentar können Sie jederzeit ein Foto ohne weitere Anmeldung hochladen
  4. Kritische Kommentare sind willkommen, Beleidigungen werden allerdings entfernt. Lesen Sie dazu bitte die Richtlinien für Kommentare & Foren.

Überblick

Mehr als 6.000 Kommentare von über 200 Kommentatoren in diesem Blog finden Sie hier. Sie können alle Kommentare auch abonnieren.
Mehr als 3.000 Fans und über 10.000 Kommentare in diversen sozialen Netzwerken wie Twittter, Facebook, Google+ & Xing finden Sie hier.

6 Trackbacks

Trackback URL - bitte in Ihren Beitrag eintrage, um einen Trackback zu erzeugen:

http://berufebilder.de/2012/strategische-kommunikation-loch-in-der-kompetenz/trackback/


  1. Pingback: Liane Wolffgang

  2. Pingback: Simone Janson

  3. Pingback: Boris Nikolai Konrad

  4. Pingback: Holger Froese

  5. Pingback: sunnymoon_hh

  6. Pingback: Cornelia Topf