Leben & Arbeiten in den Niederlanden – 1/2: Working Dutch

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Ob mit den Freunden in Amsterdam oder mit der Familie nach Holland an Meer, für viele sind die Niederlande ein beliebtes Urlaubsziel. Aber dann gibt es auch die Deutschen, die bleiben wollen und sich für ein Leben und Arbeit in den Niederlanden entscheiden. So wie ich. Ein Erfahrungsbericht.

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Derzeit leben laut der deutschen Handelskammer 71.350 Deutsche, davon 25.000 Studenten, in den Niederlanden.Einige unter ihnen wurden von der Firma versetzt, andere sind dem niederländischen Partner nachgezogen und wieder andere bleiben aus ganz persönlichen Gründen.

Doch was die Deutschen außerdem in die Niederlande lockt, sind die positiven Arbeitsbedingungen des Nachbarstaats.

Working Dutch

Ein großer Pluspunkt sind die flachen Hierarchien. In den Niederlanden findet Arbeit wesentlich informeller statt, als in Deutschland. Das kann schon damit beginnen, dass einem während eines Vorstellungsgesprächs das “Du” angeboten wird.

In den Niederlanden ist es nämlich üblich, dass sich alle in einem Betrieb duzen, von der Sekretärin bis zum Chef. Auch der Titel “Doktor”, gilt in den Niederlanden nur für Ärzte.

Locker, aber distanziert

Dieser lockere Umgang bedeutet aber nicht, dass man mit den geduzten Personen ein persönliches Verhältnis hat. Man tauscht sich zwar locker über Familie, Urlaube und Wochenenden aus, aber während viele Deutsche das als Freundschaftseinladung verstehen, heißt das in den Niederlanden nicht dasselbe:

Auch wenn der Umgangston extrem freundlich ist, kann die Beziehung noch stets auf geschäftlicher Ebene bleiben. Andersherum können Niederländer zurückhaltende Deutsche die eher Abstand halten, als distanziert wahrnehmen. Dennoch, dass Deutsche, die schon Jahre miteinander zusammenarbeiten, sich immer noch mit “Herr” und “Frau” ansprechen, ist in den Niederlanden unvorstellbar.

Kollegen kennenlernen: Pflicht!

Durch diesen lockeren Umgang wird eine entsprechende Arbeitsatmosphäre erzeugt, auf die in den Niederlanden sehr viel Wert gelegt wird. Dazu tragen auch die wöchentlichen “Borrels” bei. Auf einem Borrel versammeln sich die Angestellten, meistens in einer Bar oder einem Café, und trinken zusammen ein Bier; dazu werden frittierte Snacks gereicht. D

Diese Borrels finden oft freitags nach Feierabend statt und sind eine gute Gelegenheit die Kollegen besser kennenzulernen und sich ungezwungen auszutauschen.
So sind es auch die Soft-Skills der Angestellten, die in den Niederlanden einen hohen Stellenwert einnehmen, während in Deutschland das Fachwissen noch an erster Stelle steht.

“Let’s talk it out”

In den Niederlanden ist es auch üblich, dass Mitarbeiter viel mehr in innerbetriebliche Entscheidungsfindungsprozesse einbezogen werden. Das hat zur Folge, dass sehr viele Besprechungen “vergaderingen” stattfinden. In diesen wird versucht einen Konsens zu erzielen oder einen Kompromiss auszuhandeln.

Diese Besprechungen können manchmal ziemlich lang dauern, aber dafür wird auch jeder mit einbezogen. Das mag am Anfang etwas befremdlich sein, da man, auch außerhalb des eigenes Fachgebiets, nach der Meinung gefragt wird: Jeder wird mit einbezogen.

Entscheidungen gemeinsam finden!

Das hat aber zur Folge, dass eine Entscheidung gemeinsam gefunden und so von allen getragen wird. Natürlich kommt es darauf an, um welche Art von Entscheidungen und um welchen Betrieb es geht. Autoritäre Chefs, die gerne das alleinige Sagen haben, gibt es natürlich auch, wie in allen Ländern der Welt.


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