Vor genau einer Woche, am 21.09., hat der Deutsche Bundesrat in der Mehrheit für eine 40-Prozent Quote von Frauen in Aufsichtsräten gestimmt. Der aktuelle Führungskräfte-Monitor 2012 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, warum das notwendig sein könnte: Nur 12 Prozent Frauen sind in Deutschen Aufsichtsräten überhaupt vertreten.

Ein Schritt in die richtige Richtung?
Für Dr. Elke Holst, Forschungsdirektorin und Expertin für Gender Studies am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist die Entscheidung des Bundesrats ein Schritt in die richtige Richtung – und sie hofft: „Wenn nun auch noch der Bundestag nachzieht, könnte sich dies positiv auf die Karrierechancen von Frauen generell auswirken“.
Denn das Problem ist nach wie vor die Vorbildfunktion: Die Sichtbarkeit erfolgreicher Frauen in hohen Positionen ist nämlich auch wichtig für junge Frauen, die nach Vorbildern Ausschau halten: „Während jüngere Männer sich unter einer Vielzahl von Führungskräften ihre Vorbilder aussuchen könnten, haben Frauen diese Chance bislang nicht“, sagt Elke Holst.
Aktuelle Zahlen zeigen leichte Verbesserungen
Das DIW Berlin legt jährlich das Managerinnen-Barometer vor. Die aktuelle Ausgabe vom Januar 2012 zeigt, dass in den Aufsichtsräten großer Unternehmen Frauen knapp nur 12 Prozent der Sitze einnehmen, wohingegen auf den unteren und mittleren Ebenen der Anteil von Frauen in Führungspositionen zunimmt.
Der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten ist zwar seit 2006 um 4,1 Prozentpunkte gestiegen, die Frauen hier sind aber vor allem Arbeitnehmervertreterinnen: Sie machen mehr als zwei Drittel der Frauen in dem Gremium aus. Auf der Kapitalseite besteht hingegen Nachholbedarf.
In den 200 größten Unternehmen nur 3 Prozent Frauen in Vorständen
Allgemein hat seit 2001, dem Ausgangsjahr der Betrachtung, der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Privatwirtschaft zugenommen. 2010 lag er bei 30 Prozent (2001: 22 Prozent).
Eine Untersuchung der größten 200 Unternehmen in Deutschland verdeutlicht jedoch, dass Ende 2011 nach wie vor nur 3 Prozent Frauen in den Vorständen vertreten waren. Der internationale Vergleich des Anteils von Frauen in den höchsten Entscheidungsgremien belegt zudem, dass auch rückläufige Entwicklungen möglich sind.

Gender Pay gap – zurückgegangen oder nicht?
Der „gender pay gap“ – also die durchschnittliche Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen – ging 2010 auf 21 Prozent zurück (2001: 30 Prozent) und lag damit in etwa auf dem Niveau des Verdienstunterschiedes zwischen Frauen und Männern auf dem gesamten Arbeitsmarkt (23 Prozent).
Etwas getrübt wird das Ergebnis, wenn der Medianwert des Verdienstes betrachtet wird. Dieser wird häufig als robustere Größe für die Beschreibung von Einkommensunterschieden gewählt, da er mögliche Verzerrungen aufgrund extrem abweichender Werte minimiert. Auf Basis des Median wurde ein „gender pay gap” von 27 Prozent für 2010 ermittelt (2001: 31 Prozent).
Zur Studie
Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen:
Managerinnen-Barometer 2011 (erschienen im Januar 2012) | PDF, 477.47 KB

